Tschechien Milos Zeman als Präsident wiedergewählt

Milos Zeman hat die Stichwahl um das Amt des tschechischen Präsidenten gewonnen. Er setzte sich mit knapp gegen seinen Herausforderer Jiri Drahos durch, der seine Niederlage eingestand.

Milos Zeman
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Milos Zeman


Milos Zeman oder Jiri Drahos? Die Tschechen haben ihren Präsidenten gewählt - und sich für Amtsinhaber Zeman entschieden. Der 73-Jährige bekam 51,5 Prozent der Stimmen, wie die Statistikbehörde CSU mitteilte. Demnach waren nahezu alle Stimmzettel ausgezählt. Zwei Drittel der knapp 8,4 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Drahos gestand seine Niederlage bereits ein, ehe die Auszählung komplett war. "Ich möchte dem Wahlsieger Milos Zeman gratulieren", sagte er vor seinen Anhängern. Er kündigte an, in der Politik bleiben zu wollen: "Es ist nicht vorbei." Details nannte er nicht.

Jiri Drahos
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Jiri Drahos

Zeman dankte seinen Anhängern für ihre Unterstützung. Über einen knappen Sieg freue er sich umso mehr, sagte er im tschechischen Fernsehen. "Das ist mein letzter politischer Sieg", kündigte er an und schloss ein weiteres Engagement nach seiner zweiten Amtszeit aus.

Zeman hat vor allem Rückhalt bei der Landbevölkerung und in den unteren Einkommensschichten. Drahos dagegen ist unter Bewohnern der Hauptstadt Prag und anderer großer Städte sowie Besserverdienern beliebter.

Den ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Zeman mit 38,6 Prozent der Stimmen gewonnen. Drahos hatte 26,6 Prozent erhalten. Die Stichwahl fiel in eine Zeit der politischen Krise: Die Minderheitsregierung des Populisten Andrej Babis verlor vor anderthalb Wochen die Vertrauensfrage im Parlament.

Zeman rückte politisch nach rechts

In Wahlkampf war es unter anderem um die außenpolitische Orientierung Tschechiens gegangen: Zeman, bekannt für seine populistische Rhetorik, gilt als prorussisch, wohingegen der fünf Jahre jüngere Drahos den EU- und Nato-Mitgliedstaat stärker nach Westen orientieren wollte.

Zeman ist nach Vaclav Havel und Vaclav Klaus der dritte Präsident Tschechiens. Er hat das Amt seit 2013 inne. Der 73-Jährige war früher Ministerpräsident einer Mitte-links-Regierung. Inzwischen ist Zeman politisch nach rechts gerückt. Seine Gegner werfen ihm vor, die tschechische Gesellschaft mit seinem Kurs und seinen häufig derben Bemerkungen zu spalten. Unter anderem kritisiert er westliche Sanktionen gegen Russland sowie Einwanderung aus muslimischen Ländern nach Europa. In der Vergangenheit sprach er von einer "organisierten Invasion" und sagte, es sei "unmöglich, Muslime zu integrieren".

Der Präsident hat in Tschechien zwar nur eine repräsentative Rolle und wenig Befugnisse, allerdings traditionell eine große nationale Symbolwirkung. Deshalb kann er die öffentliche Stimmung im Land weitaus mehr beeinflussen als beispielsweise der deutsche Bundespräsident.

ulz/dpa/AFP



insgesamt 19 Beiträge
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henninghuno 27.01.2018
1. Glückwunsch!
Die "Besserverdienenden" scheinen auch in Tschechien nicht in der Mehrheit zu sein. Die Verbesserung der Russland-Beziehungen ist überfällig; dafür wird Zeman hoffentlich neue Akzente setzen, die auch in Brüssel gehört werden. Genau wie die ostdeutschen Ministerpräsidenten.
rohanseat 27.01.2018
2. Gut für die cechischen bürger
auch wenn es einige nhier im lande gemanen ncit passt.-Der mann hat recht: muslime lassen sich nur shcwer integrieren.--Sein kurs gemeinsam mit russland für Europa ist richtig.-Welchen salat die großschnautze Trump anrichtet sehen wir tag für tag.--Russland ist so meine ich besser und stabiler für uns.--ein riesen markt der nicht nach einem cowboy (leider aus deutschland) tanzt.
marialeidenberg 27.01.2018
3. Wie die Tschechen einen pro-russischen Präsidenten wählen können,
ist zunächst einmal unverständlich. Der Prager Frühling und der Name Alexander Dubcek scheinen aus den Geschichtsbüchern verschwunden zu sein. Auch ein Mann von weltweit anerkanntem Format wie Vaclav Havel ist als prägende Figur aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden? Stattdessen eine bestätigte Hinwendung zum in ganz Europa grassierenden Nationalismus. Es gibt dafür nur einen plausiblen Beweggrund: Abkehr von der EU. Solange die Union sich nicht völlig neu aufbaut wird das kreuzgefährliche Phänomen Euronationalismus nicht beseitigt werden können. Die EU-Granden und Staatenlenker müssen verbindlich festlegen, wohin die Reise gehen soll, sonst haben sie keine Chance, ihre Völker 'mitzunehmen'.
brathbrandt 27.01.2018
4.
Natürlich war der Chemiker der bessere. Aber die Riesenangst unserer Nachbarn vor Merkels Alleingängen treibt die Menschen in die Lager derjenigen, denen sie eher zutrauen, das Volk zu schützen.
rohanseat 27.01.2018
5.
Zitat von brathbrandtNatürlich war der Chemiker der bessere. Aber die Riesenangst unserer Nachbarn vor Merkels Alleingängen treibt die Menschen in die Lager derjenigen, denen sie eher zutrauen, das Volk zu schützen.
Bravo für diese aussage.-Unsere bonzen sehen nur ihr eigenes fell.--vor lauter sozialem engemant können einige parteien nicht mehr die realität sehen.- so entsteht nationalismus (auch AfD genannt)
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