Prag - In einer Stichwahl entscheiden die Wähler in Tschechien noch bis Samstag über ihren neuen Staatschef. Die Wahllokale öffneten am Freitag um 14.00 Uhr; sie schließen 24 Stunden später. Als Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Václav Klaus stehen der linksgerichtete frühere Regierungschef Milos Zeman und der konservative Außenminister Karel Schwarzenberg zur Auswahl. Beobachter rechneten mit einer knappen Entscheidung, das Ergebnis wird für Samstagnachmittag erwartet.
"Zeman und Schwarzenberg haben mit einer hysterischen Kampagne die Gesellschaft gespalten", bemängelte Ministerpräsident Petr Necas. Zentrales Streit-Thema war die Vertreibung von Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. "Die Vertreibung war für uns kein Ruhmesblatt", hatte Schwarzenberg betont und Kritik geerntet.
Schwarzenberg ist Vizechef einer nach harten Sparmaßnahmen unbeliebten Mitte-Rechts-Regierung. Zeman präsentiert sich als linker Kandidat und propagiert ein skandinavisches Wohlfahrtsmodell. "Diese Wahl lässt niemanden in Tschechien kalt", sagte der Politologe Jiri Pehe. "Die politische Spannung ist so hoch wie seit (der Wende von) 1989 nicht mehr."
Verlässliche Wahlergebnisse werden am Samstagabend erwartet. Das Staatsoberhaupt ernennt den Ministerpräsidenten und die Verfassungsrichter. Der bisherige Präsident und scharfe EU-Kritiker Vaclav Klaus konnte nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.
Schwarzenbergs Panne an der Urne
Für Erstaunen sorgte am ersten Wahltag, dass Schwarzenberg an seinem Wohnort Sykorice eine ungültige Stimme abgab. Im Medienrummel habe der adelige Fürst vergessen, seinen Stimmzettel in den obligatorischen Umschlag einzutüten, berichtete das Fernsehen.
Für den 68-jährigen Zeman votierten vor zwei Wochen bei der ersten Abstimmungsrunde, zu der insgesamt neun Kandidaten angetreten waren, 24,2 Prozent der Wähler, der 75-jährige Schwarzenberg konnte 23,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.
ler/dpa/AFP
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