Prag - Der tschechische Ministerpräsident Petr Nečas hat seine Verteidigungsministerin Karolina Peake nach nur acht Tagen im Amt überraschend entlassen. Sie hatte seinen Zorn auf sich gezogen, weil sie ihren Stellvertreter, den Armeegeneral Vlastimil Picek, vor die Tür gesetzt hatte.
"Sie hat innerhalb einer Woche eine derartige Zerstörung in dem Ressort verursacht, dass es nicht mehr so weitergehen konnte", sagte Nečas. Tschechische Medien spekulieren, dass sich im Hintergrund ein Machtkampf um das lukrative Rüstungsgeschäft abgespielt haben könnte.
Präsident Václav Klaus enthob die Ministerin am Donnerstag ihrer Aufgaben. Schon bei der Ernennung der 37-jährigen Politikerin hatte der Staatschef starke Bedenken geäußert. "Die stattlichen Männer der Armee werden ein solches Mädchen nicht annehmen", polterte der 71-Jährige.
Die tschechische Drei-Parteien-Koalition steht nun vor dem Aus. Peake ist Parteichefin der liberalen Regierungspartei Lidem. Diese will ihre drei Minister zum 10. Januar aus dem Kabinett zurückziehen. "Wir fühlen uns vom Premier betrogen", sagte Peake. Ihre Lidem ist für das Überleben des Bündnisses entscheidend. Es verfügt schon jetzt nur über 98 von 200 Mandaten und ist auf die Unterstützung unabhängiger Abgeordneter angewiesen.
Am Mittwoch brachte die Koalition den Haushaltsentwurf für 2013 und eine Reihe von Steuererhöhungen durch das Parlament. In Umfragen liegen derzeit die Sozialdemokraten in Führung.
Nečas sagte, dass er sich auch eine Fortsetzung der Regierung allein mit der konservativen TOP09 von Außenminister Karel Schwarzenberg vorstellen könne. Die nächsten regulären Abgeordnetenwahlen finden erst 2014 statt.
heb/dpa/AFP/Reuters
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