Gemeinsam gegen den IS Tschechiens Präsident fordert Ende der Russland-Sanktionen

Russland und der Westen müssen gemeinsam gegen den IS kämpfen - das hat Tschechiens Präsident Zeman bei einer Konferenz auf Rhodos gefordert. Die Sanktionen der EU gegen Russland müssten aufgehoben werden.

Von , Rhodos

Tschechiens Präsident Zeman: "Ukraine-Krise eine Grippe, Islamisten ein Krebsgeschwür"
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Tschechiens Präsident Zeman: "Ukraine-Krise eine Grippe, Islamisten ein Krebsgeschwür"


"Russland und der Westen sollten gemeinsam gegen die religiösen Extremisten des IS vorgehen", sagte Milos Zeman auf der Konferenz "Dialog der Zivilisationen". Sie findet derzeit auf der griechischen Insel Rhodos statt. Ihr Präsident und Mitbegründer ist Wladimir Jakunin - der einflussreiche Chef der Russischen Eisenbahnen. Jakunin gilt als Vertrauter von Kreml-Chef Putin und steht auf der amerikanischen Sanktionsliste.

"Die Sanktionen führen zu einer Verhärtung", sagte Zeman. "Statt Dialog herrscht Schweigen." Stattdessen brauche es mehr Austausch zwischen Russland und dem Westen - unter Politikern, Unternehmern, Studenten und Wissenschaftlern.

"Ukraine-Krise eine Grippe, Islamisten ein Krebsgeschwür"

Der tschechische Präsident warnte den Westen vor der Hoffnung, dass Sanktionen zu einem Regierungswechsel in Russland führen werden. "Die amerikanischen Sanktionen gegen Kuba sind seit vier Jahrzehnten in Kraft, aber Fidel Castro und sein Bruder sind immer noch da", sagte Zeman. "Die Krise rund um die Ukraine ist schwer, aber im Vergleich zur Herausforderung durch den 'Islamischen Staat' eine Grippe", erklärte Zeman. "Der IS aber gleicht einem Krebsgeschwür, das sich bis nach Europa ausbreiten kann."

Der frühere SPD-Chef Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, charakterisierte den Streit zwischen Russland und dem Westen als Wertekonflikt - neben den sicherheitspolitischen Gründen, die ihm zugrunde liegen. "Mir gefallen viele Gesetze nicht, die das russische Parlament beschließt", sagte er unter Anspielung auf ein Gesetz, das "Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen unter Jugendlichen" unter Strafe stellt und Stimmung gegen Homosexuelle macht. "Russland sieht manchmal die Vorteile einer offenen Zivilgesellschaft nicht und setzt sich zu wenig mit den liberalen Ideen des Westens auseinander", erklärte Platzeck.

Der frühere Ministerpräsident von Brandenburg trat für Selbstkritik auch im Westen ein. "Wir hätten Russland, seine Interessen, seine Traditionen, seine Mentalität ernster nehmen müssen", sagte Platzeck. "Stattdessen haben sich viele westliche Politiker darauf versteift, dass Russland einfach westliche Sichtweisen übernehmen und liberale Politiker an die Spitze wählen soll."

Platzeck griff das Buch "Die Schlafwandler" auf, in dem der britische Historiker Christopher Clark das naive Hineinschlittern der europäischen Mächte in den Ersten Weltkrieg beschreibt. "Holt uns die Geschichte ein? Sind wir heute die neuen Schlafwandler?", fragte Platzeck angesichts der Ukraine-Krise. Er warnte vor "gefährlichen Tendenzen in Westeuropa, Russland bestrafen zu wollen, Russland zu isolieren und es aus Europa zu verstoßen und nach Asien zu drängen".

In einem Interview mit dem SPIEGEL hatte Platzeck im Mai dazu aufgefordert, "alle verbliebenen Gesprächsbrücken nach Russland zu nutzen, viele sind es ja nicht mehr".

Platzeck erklärte damals: "Ohne den Mut von Egon Bahr und Willy Brandt, nach Moskau zu gehen, ohne deren Politik Wandel durch Annäherung hätte es den demokratischen Aufbruch des Jahres 1989 und die Wiedervereinigung nicht gegeben. Man gibt seine Überzeugungen nicht auf, wenn man versucht, die Motive des anderen zu verstehen."

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lupo44 26.09.2014
1. man kann sich dem nur anschließen....
die Sanktionen gegen Rußland sind wie aus alter kalten Kriegsführung zu werten.Man muß und kann mit vielen was Rußland politisch verantwortet nicht einverstanden sein,aber man braucht Rußland in dieser Zeit und seine Menschen. Hardtlainer in Ost und West sind hier nicht gefragt. Nur sachliche und nüchterne Argumentationen können hier die "Kuh vom Eis holen".Und man sollte immer in unserem politischen Lager daran denken ohne Rußland wäre eine Wiedervereinigung unserer Heimat unmöglich gewesen. Also bitte leibe deutsche Politiker handelt klug und weise für Deutschland und hebt die Sanktionen gegen Rußland auf.
hugahuga 26.09.2014
2. Es ist zu hoffen, dass die Vernunft obsiegt und dass die
für alle Beteiligten kontraproduktiven Sanktionen aufgehoben werden. Denn zunehmend scheint sich die Erkenntnis - zumindest beim Volk - durchzusetzen, dass Sanktionen kein Klima schaffen, dass einen positiven Blick in die Zukunft ermöglicht. Im Gegenteil, wie die neuesten Zahlen belegen. Also - auf geht's -Europa mit Russland und Russland mit Europa in eine für alle bessere Zukunft.
Theodoro911 26.09.2014
3. Die Stimmen der Vernunft
sind wieder zu hören Präsident Zeman, Ex-MP Platzek haben verstanden, daß die Entspannungspolitik die wesentliche Voraussetzung für die Auflösung des Ostblocks war. Festzustellen ist, daß Russland sich vom marxistischen Weltrevolutionsanspruch schon längst verabschiedet hat. Zu erinnern ist auch die historische Tatsache, daß die Teilungen Polens immer mit westlichen Partnern stattfanden. Die haben und hatten auch Interessen.
Ausfriedenau 26.09.2014
4. Wie blöd...
ist die Europapolitik mit Sanktionen gegen Russland, wenn der Westen z.Zt. Krisen zu lösen hat, die ohne das Mitwirken von Russland scheinbar unlösbar sind? Der Streit um die natürlich zu teilende Ukraine ist eine Farce gegen die Bedrohungen im Nahen Osten! Haben denn die Obamas all ihr Hirn verloren, in dem sie sich weigern, gemeinsam auch mit Putin und Assad das Syrien-Irakproblem um den IS anzugehen? Europa versinkt in einer Massenflucht und im Einwanderungschaos , doch die Politiker beharren stur auf ihrer Antirusslandpolitik!! Unfassbar simpel!
bertholdrosswag 26.09.2014
5. Gute Sichtweise.
Das ist eine shr gute Sichtweise des tschechischen Präsidenten wenn er denn nicht schon zu spät mit dieser Einsicht kommt. Wie ich Putin einschätze müsste Obama sich bei ihm entschuldigen und das traue ich wiederum Obama nicht zu. Die amerikanische Selbsherrlichkeit ist ebenfalls widerwärtig wie ein Krebsgeschwür. Putin wird sich keiner Führungsrolle Obamas anschließen. Dafür wurde er zu sehr vom Westen hintergangen. Was innenpolitisch in Russland sich tut oder auch nicht tut sollten sich Außenstehende nicht einmischen. Dieses aufsässige Drängeln anderer die nicht die selbe Geige spielen sollten wir uns so rasch wie möglich abgewöhnen. Man erreicht damit nur Verärgerung und Dialogunwilligkeit.
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