Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

PR-Aktion: Wie der Tschetschenen-Diktator in Kiel ein Festmahl für Flüchtlinge gab

Von und , Moskau und Berlin

Tschetschenen-Präsident Kadyrow: PR-Aktion in Kiel Zur Großansicht
AFP

Tschetschenen-Präsident Kadyrow: PR-Aktion in Kiel

In russischen Medien lässt sich Tschetschenen-Despot Kadyrow feiern: Er spendierte in Kiel ein Festmahl für Flüchtlinge. Die dortige Stadtverwaltung ist pikiert - und dementiert eine angeblich enge Zusammenarbeit bei der PR-Aktion.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


In Kiel geschieht eher selten etwas, das die Stadt auch über Deutschlands Grenzen hinaus in die Schlagzeilen bringt. Umso ungewöhnlicher ist die Aufmerksamkeit, die russische Medien seit Donnerstag der Hauptstadt von Schleswig-Holstein widmen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtet über Kiel, das beliebte Boulevardportal "Lifenews" tut es, Kiel hat es sogar in die Regierungszeitung "Rossiskaja Gaseta" geschafft.

In den Berichten ist die Rede von einem üppigen Festmahl für 800 Flüchtlinge in einem "der besten Restaurants der Stadt", Ramsan Kadyrow habe es großzügigerweise ausgerichtet, Moskaus berüchtigter Statthalter in der muslimisch geprägten Kaukasus-Republik Tschetschenien.

Tatsächlich hat diese Flüchtlingsspeisung aus Anlass des islamischen Opferfestes stattgefunden. Syrer und Iraker wurden mit Bussen aus der Kieler Flüchtlingsunterkunft abgeholt und in das "Arcadia Eventcenter" gefahren. Dort wartete ein dreistündiges Abendessen auf die Flüchtlinge. Der Besitzer des Restaurants, Cagri Günes, beziffert ihre Zahl auf rund 800. Die Kosten des Essens schätzt er auf 10.000 Euro. Die Flüchtlinge seien "glücklich" gewesen, hätten gelächelt, Fotos und Videos gemacht.

Kadyrow gibt sich als Menschenfreund

"Das Ganze kam für uns sehr spontan", erzählt Günes. Am Dienstag habe ihn ein Freund angesprochen: Tschetscheniens Republikchef würde gern den Flüchtlingen in Deutschland helfen und ein Festessen spendieren. Bei dem Freund handelt es sich um den Boxpromoter Timur Dugazaev.

Der Chef der Hamburger Firma "Terek Box Event" hat einen guten Draht nach Tschetschenien: Im Juli wurde er mit dem Kadyrow-Orden ausgezeichnet. Sein Instagram-Profil ziert ein Foto, das ihn Arm in Arm mit Kadyrow zeigt. Dugazaev sagt, der Tschetschenen-Präsident selbst habe die Idee gehabt: "Er hat mir gesagt: Lass uns zum Opferfest ein Essen für die Flüchtlinge machen. Wir sind befreundet, er ist ja selber Boxer."

Kadyrow ist allerdings kein selbstloser Wohltäter. In Tschetschenien hat er ein Regime mit Personenkult errichtet. An jeder Straßenecke sind Konterfeis von ihm, seinem Vater Achmat und Russlands Präsident Wladimir Putin zu sehen. Kadyrow regiert mit harter Hand. Menschenrechtler werfen ihm vor, in Folter und Morde verwickelt zu sein.

¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿! ¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿.¿.¿¿¿¿¿¿¿¿, ¿ ¿.¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿. ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿ ¿¿ ¿¿¿¿ ,¿ ¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿. ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿ ¿ ¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿. ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿, ¿¿¿¿¿ ¿ ¿¿.¿¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿. ¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿, ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿, ¿ ¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿, ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿.¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿, ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿.#¿¿¿¿¿¿¿ #¿¿ #¿¿¿¿¿¿_¿¿¿¿¿¿ #¿¿¿¿¿¿¿ #¿¿¿¿¿¿ #germany #gamburg #grozny #kiel #

Ein von Timur_KRA_Germany (@dugazaev_95) gepostetes Foto am

Viele seiner Gegner hat ein gewaltsamer Tod ereilt: Die Jamadajew-Brüder etwa, politische Konkurrenten, starben in Moskau und Dubai durch Kugeln von Attentätern. Auch im Fall der 2006 getöteten Reporterin Anna Politkowskaja führen viele Spuren nach Tschetschenien.

Russlands Opposition beschuldigt Kadyrow, auch den Mord an dem im Februar erschossenen Oppositionsführer Boris Nemzow in Auftrag gegeben zu haben. Ermittler halten den Tschetschenen Saur Dadajew für den Todesschützen, einen stellvertretenden Kommandeur von Kadyrows Truppen. Kadyrow hat Dadajew nach der Festnahme als "echten Krieger und Patrioten" gelobt.

Mit anderen Worten: Kiel hat die Bühne geboten für die PR-Aktion eines umstrittenen Despoten. Auf seinem Instagram-Account pries Kadyrow auch die angeblich exzellente Zusammenarbeit mit der Kieler Stadtverwaltung. Man habe gemeinsam für den Transport der Flüchtlinge in das Restaurant gesorgt. Im Übrigen wolle er - auch "im Namen der Stadtverwaltung" - herzlich der Achmat-Kadyrow-Stiftung danken.

"Schamlose" PR

Nach Recherchen der angesehenen Moskauer Tageszeitung "Kommersant" steht die Kadyrow-Stiftung im Zentrum eines undurchsichtigen Firmengeflechts, mit dem der Klan des Despoten Teile der Wirtschaft in Tschetschenien kontrolliert. Nach Angaben der Zeitung müssen Staatsbedienstete in der Kaukasus-Republik zehn Prozent ihres Gehalts an die Stiftung überweisen.

"Die Stadt und der Bürgermeister haben Bescheid gewusst", sagt Restaurantbesitzer Günes. Die Kieler Verwaltung stellt das allerdings anders dar: Dort heißt es, ein Vertreter der Stiftung habe überraschend eine Spende von mehr als 100.000 US-Dollar in Aussicht gestellt und die Einladung an die Flüchtlinge ausgesprochen. Die Bitte um eine offizielle Unterstützung von Seiten der Verwaltung habe die Stadt aber ausdrücklich abgelehnt.

Kadyrows Behauptung, Kiel habe eng mit seinen Leuten zusammengearbeitet, sei "frei erfunden" und wird von Stadtrat Gerwin Stöcken zurückgewiesen. Er sei empört, dass die Notlage der Flüchtlinge für politische Zwecke ausgenutzt werde. Das Vorgehen sei "schamlos". Auch sei die von Kadyrow verbreitete Ankündigung falsch, seine Stiftung werde auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft einen Sport- und einen Kinderspielplatz bauen.

Wie dem auch sei: Freitagabend soll im "Arcadia Eventcenter" ein zweites Festmahl stattfinden.


Zusammenfassung: Tschetschenen-Präsident Kadyrow prahlt mit seinen angeblich guten Kontakten zu deutschen Behörden: In Kiel spendierte Putins Statthalter im Kaukasus für 800 Flüchtlinge ein Festessen. Die Stadtverwaltung findet die PR-Aktion "schamlos".

Zum Autor
Benjamin Bidder ist Korrespondent von SPIEGEL ONLINE in Moskau und berichtet regelmäßig über die Krise in der Ukraine - unter anderem aus Moskau, Kiew, Odessa, Donezk.

E-Mail: Benjamin_Bidder@spiegel.de

Der Autor auf Facebook

Mehr Artikel von Benjamin Bidder

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nun ja . . .
swandue 25.09.2015
"Der Besitzer des Restaurants, Cagri Günes, beziffert ihre Zahl auf rund 800. Die Kosten des Essens schätzt er auf 10.000 Euro." 12,50 € pro Person. Sooo toll scheint mir das nicht gewesen zu sein. Bei drei Stunden Dauer will man ja auch nicht nur ein Getränk haben. Oder waren es 100.000 €?
2. Bitte mehr Informationen:
licorne 25.09.2015
Wer hat die Organisation übernommen, Transport bestellt und bezahlt, Gäste ausgewählt?
3. SPD - Oberbürgermeister von Kiel zurücktreten!!!
Zehetmaieropfer 25.09.2015
Dies ist ein großer Skandal. Es stellt sich die Frage, wer davon gewusst hat und wer dies nicht verhindert hat. In jedem Fall trägt der SPD - Oberbürgermeister in Kiel die politische Verantwortung. Es sei gerade der Hinweis erlaubt, dass aus Tschetschenien viele Menschen vor Herrn Putin und seinem grausamen Schergen Kadyrow Schutz in Europa suchen.
4. 10.000 Euro / 800 Personen = groszügig?
humorrid 25.09.2015
Entweder übertreiben die Medien oder Herr Kadyrow? Wie auch immer, vom Herrn Bidder war eh nichts positives zum Thema zu erwarten.
5. Nö
Kielerin 25.09.2015
Wussten denn die Flüchtlinge wer ihnen das Essen spendiert?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Russland-Reiseseite



SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: