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Treffen in Moskau: Tsipras will kein Geld von Putin, aber...

Russland und Griechenland beschwören ihre Freundschaft: In der Wirtschaft wollen die Länder enger kooperieren. Auch ein "Partnerschaftsjahr" riefen Russlands Staatschef Putin und der griechische Premier Tsipras nach einem Treffen in Moskau aus.

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Die Regierungen Russlands und Griechenlands wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Das haben der russische Staatspräsident Wladimir Putin und der griechische Premier Alexis Tsipras nach einem Gespräch in Moskau bekannt gegeben. Vor allem die wirtschaftliche Kooperation soll demnach gestärkt werden.

Putin betonte die "freundschaftliche Atmosphäre" des Gesprächs. "Wir haben beschlossen, den Wachstumskurs der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wieder zu aktivieren", sagte Putin. Vor allem im Energiesektor sollen demnach die Investitionen angekurbelt werden - unter anderem sei über die neue Gas-Pipeline Turkish Stream gesprochen worden, die durch das Schwarze Meer und in der Türkei verlegt werden soll. Bisher ist nicht vorgesehen, dass sich Griechenland an dem Projekt beteiligt. Doch Putin stellte genau dies in Aussicht, eine Beteiligung hänge allein von der Entscheidung der griechischen Regierung ab. Griechenland könne Hunderte Millionen Dollar durch das Projekt verdienen und so vom Gas-Transit profitieren.

Tsipras sprach nach dem Treffen von einem "wichtigen Tag für die russisch-griechischen Beziehungen." Er sagte, dass mithilfe Russlands die Rolle Griechenlands als "Energie-Knotenpunkt" gestärkt werden solle. Putin stellte dem schuldengeplagten Land Kredite für große Infrastrukturprojekte in Aussicht: Zwar habe die Regierung in Athen keine Finanzhilfe bei Russland beantragt, doch seien Kredite für konkrete Projekte möglich, so Putin. S

Zudem unterzeichneten die Außenminister Sergej Lawrow und sein griechischer Amtskollege Nikos Kotzias einen Maßnahmenplan für ein "Partnerschaftsjahr Griechenland-Russland 2015/2016". Während des "Freundschaftsjahres" 2016 seien etwa kulturelle Austausche und Projekte zwischen beiden Ländern vorgesehen.

Putin hatte Tsipras zuvor eine Wiederbelebung des Handels ihrer Länder und eine Lockerung des Lebensmittelembargos für Griechenland angeboten. Nach Darstellung des Kreml-Chefs brach der Handel zwischen den beiden Ländern im vergangenen Jahr um 40 Prozent ein im Vergleich zum Vorjahr.

"Griechenland ist ein souveränes Land"

Grund dafür sind die Sanktionen der EU gegen Russland im Ukraine-Konflikt. Tsipras erneuerte nun seine Kritik an den Strafmaßnahmen: Sie seien nicht der richtige Weg, um den Konflikt zu lösen. Griechenland wolle in der derzeitigen Krise zwischen Moskau und dem Westen "Brücken bauen".

Tsipras befindet sich zu einem zweitägigen Besuch in Moskau, die Reise hatte harsche Kritik hervorgerufen. So gibt es in der EU Befürchtungen, dass Tsipras sich in Moskau um Finanzhilfen bemühen und im Gegenzug bei den EU-Partnern für eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland einsetzen könnte. Tsipras sagte zu diesen Äußerungen nun: "Griechenland ist ein souveränes Land mit dem unveräußerlichen Recht, eine eigene Außenpolitik zu betreiben."

Auch die Ukraine hatte den Besuch mit ungewöhnlich deutlichen Worten kritisiert: "In unserem Land wurden Menschen verschleppt, verprügelt, gefoltert und haben ihr Leben verloren, weil sie für die Werte Europas aufgestanden sind", sagte der ukrainische Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius dem "Tagesspiegel". "Es ist enttäuschend zu sehen, dass einige Nationen in Europa kurzzeitige ökonomische Vorteile über das Leben von Menschen heben."

Derartige Bedenken wies der griechische Wirtschaftsberater der regierenden Syriza-Partei, Theodoros Paraskevopoulos, zurück. Bei der Visite gehe es um die Fortführung einer Gaspipeline nach Griechenland, russische Investitionen und den Export griechischer Agrarprodukte, sagte der Regierungsberater. Experten halten es etwa für denkbar, dass Russland nun seinen Importstopp für griechisches Obst und Gemüse aufhebt.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich empört über die Kritik an Tsipras' Moskau-Reise. Wenn ein EU-Mitglied seine nationalen Interessen wahrnehme, werde es von Brüssel gleich als unsolidarisch gegeißelt, sagte er. Lawrow warf der EU zudem eine antirussische Front vor: "Immer mehr Länder werden sich bewusst, wie kontraproduktiv die Sanktionen gegen Russland sind", sagte er der Agentur Interfax zufolge.


Zusammengefasst: Russlands Staatschef Wladimir Putin und der griechische Premier Alexis Tsipras haben eine Ausweitung der Zusammenarbeit beschlossen - auf politischer, kultureller und vor allem wirtschaftlicher Ebene. Putin stellte dem überschuldeten Griechenland Kredite in Aussicht. Tsipras kritisierte die EU-Sanktionspolitik infolge der Ukraine-Krise.

mxw/fab/dpa

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1.
eternalchii 08.04.2015
Schon erstaunlich, dass der selbsternannte Linke nur sehr rechte Freunde findet. Der vermutliche Grund: der gemeinsame Feind Europa.
2. wenn man sich auf die EU nicht verlassen kann
dasauge17 08.04.2015
muss man andere Partner suchen. Dafür ist eine Regierung da. Sehe da nichts unmoralisches.
3. jetzt empört Euch!
www-professor 08.04.2015
Der Handel für Griechenland soll wachsen? Die Möglichkeit zum Einkommen und zur Einnahme von Steuern auch? Und das ohne Steuergelder von der EU? Klar, das gibt Ärger. Wenn ich das richtig verstehe, handelt die griechische Regierung ohne das Plazet aus Berlin. So geht das natürlich nicht! Herr Schäuble, holen Sie doch mal den Hammer raus!
4. Na dann los
Walther Kempinski 08.04.2015
Dann kommt GR in die Russische Föderation. So wie Georgien mit seinem Marionettenpräsi Kadyrow. Am Ende sind alle heruntergewirtschafteten Schurkenstaaten an der Seite von Putin. Ob man damit aber einen Staat machen kann, bezweifle ich. Am Ende wird die zweite Sowjetunion dann in 15 Jahren nochmal Pleite gehen. Da helfen auch Öl und Gas nicht mehr.
5. So So - da haben sich anscheinend zwei getroffen
mapomuc01 08.04.2015
Griechenland ist ein souveränes Land und kann entscheiden, welches System es als das bessere ansieht. Frankreich, Spanien, Deutschland, Polen etc. sind ebenfalls souveräne Länder und können ebenfalls entscheiden, mit wem sie zusammenarbeiten wollen, ob das System der Unterdrückung in Rußland wirklich so toll ist. Also ist eine Entscheidung sich von Griechenland zu trennen genauso souverän wie die Entscheidung Griechenlands nicht länger in Demokratien seine Partner zu suchen.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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