Unruhen in Mali Tuareg-Rebellen nehmen Timbuktu ein

Mit einem Staatsstreich wollte das Militär in Mali eigentlich den Kampf gegen den Tuareg-Aufstand vorantreiben. Doch die Rebellen fühlten sich dadurch erst recht ermutigt. Am Sonntag eroberten sie nun auch die letzte Stadt im Norden des Landes: das historische Timbuktu.


Timbuktu - Bereits am Freitag haben die Tuareg im westafrikanischen Mali die Stadt Kidal erobert, am Samstag fiel die Garnisonsstadt Gao, am Sonntag nun auch Timbuktu. Damit sind die Rebellen ihrem Ziel - ein eigener Wüstenstaat in einem Gebiet größer als Frankreich - deutlich näher gekommen. Timbuktu war die letzte Stadt im Nordosten Malis, die noch von der Armee gehalten wurde.

Die historische 50.000-Einwohner-Stadt sowie die ganze Region seien unter der Kontrolle der Aufständischen, erklärte die Nationale Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) am Sonntag im Internet. Nach Angaben von Einwohnern nahmen die Tuareg-Rebellen die Stadt ein, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Augenzeugen berichteten von Plünderungen und Schüssen. Dem Direktor einer Privatschule zufolge wurde ein junger Mann durch einen Granatsplitter im Bauch getötet.

Die Tuareg-Rebellen hatten die geplante Eroberung Timbuktus angekündigt. Die Stadt werde eingekreist, um die verbliebene "politische und militärische Verwaltung" der malischen Regierung zu "vertreiben", erklärte die MNLA. Übereinstimmenden Angaben zufolge arbeiteten die Rebellen dabei mit einer islamistischen Gruppe zusammen.

Das über mehrere Staaten verteilte Nomadenvolk der Tuareg hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder aufbegehrt. Die Rebellen kämpfen für die Unabhängigkeit ihrer Region Azawad.

Verfassung wieder in Kraft

Erst vor zehn Tagen hatten die Militärs in Mali erfolgreich gegen den Präsidenten Amadou Toumani Touré geputscht. Sie hatten die Machtübernahme mit der angeblichen Unfähigkeit der Regierung begründet, die Tuareg-Rebellion im Norden des Landes zu beenden. Doch seit dem Vorfall haben die Rebellen ihre Offensive erst Recht ausgeweitet.

Am Sonntag stellte die Militärjunta demokratische Wahlen in Aussicht, sie selbst wolle dabei nicht antreten. Unter dem Druck drohender Sanktionen westafrikanischer Nachbarländer erklärte der Anführer der Putschisten, Hauptmann Amadou Sanogo, von Sonntag an gelte wieder die Verfassung. Noch vor den Wahlen würden staatliche Einrichtungen ihre Arbeit wieder aufnehmen.

In der Nacht zum Montag sollte ein Ultimatum der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) auslaufen, mit dem die Nachbarländer für eine Machtübergabe an eine zivile Regierung sorgen wollen. Eine Reaktion der Regionalorganisation, zu der 15 westafrikanische Staaten gehören, gab es noch nicht. Der Putsch wenige Wochen vor der für den 29. April geplanten Präsidentschaftswahl hatte auch international für Kritik gesorgt.

Der gestürzte Präsident Touré, der sich an einem unbekannten Ort in Mali versteckt, rief die Bürger im Rundfunk auf, für die Wiederherstellung der Demokratie zu kämpfen.

aar/dpa/AFP/dapd



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insgesamt 8 Beiträge
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glücklicher südtiroler 01.04.2012
1. Touareg...
Zitat von sysopAFPMit einem Staatsstreich wollte das Militär in Mali eigentlich den Kampf gegen den Tuareg-Aufstand vorantreiben. Doch die Rebellen fühlten sich dadurch erst recht ermutigt. Am Sonntag eroberten sie nun auch die letzte Stadt im Norden des Landes: das historische Timbuktu. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825125,00.html
Die Touareg sind ein großes Volk ohne eigenem Staat. Interessant wie intelligent sie die Unruhen und politischen Wirren nach dem Putsch in Mali nutzen um ihr eigenes Territorium auszuweiten. Als Nomaden haben sie ein sehr "eigenes" Verhältnis zu Grenzen. Wie wird nun die internationale Gemeinschaft reagieren...? Wenn man den Südsudanesen(Sammelbegriff von mehreren Stämmen) einen eigenen Staat gönnt, kann man ihn den Touareg und ihren Verbündeten kaum verwehren. Wir sind mal wieder an einem Wendepunkt und an einer Entscheidung angelangt. Unversehrtheit der Grenzen vs Selbstbestimmungsrecht eines Volkes. Aber was sind schon Grenzen für ein Nomadenvolk...? Was die Lage in der Region weiter prekär macht. Die Wüste breitet sich aus und drängt damit Nomaden, die an Wassermangel leiden, nach Süden und zum Fluss. Das führt zu Konflikten mit der dunkleren Bevölkerung weiter südlich... Und nun? Was wird Mali und die internationale Gemeinschaft tun? Schian Gruaß aus Südtirol... PS: Interessant, die Bewegung unterhält eine eigene Seite... Mouvement National de Liberation de l'Azawad (http://www.mnlamov.net/)
weitergereist 01.04.2012
2. Schade für das schöne Land
Zitat von sysopAFPMit einem Staatsstreich wollte das Militär in Mali eigentlich den Kampf gegen den Tuareg-Aufstand vorantreiben. Doch die Rebellen fühlten sich dadurch erst recht ermutigt. Am Sonntag eroberten sie nun auch die letzte Stadt im Norden des Landes: das historische Timbuktu. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825125,00.html
Mali (http://www.vmali.de) hat neben Timbuktu (http://www.vmali.de/stadt/sagenumwogenes-timbuktu/) noch einiges zu bieten; aber jetzt nach Putsch und erneutem Tuareg-Ärger wird es den (Individual)Tourismus leider wieder um Jahre zurückwerfen...
F.X.Fischer 02.04.2012
3. Bevölkerungsmehrheit
Zitat von glücklicher südtirolerDie Touareg sind ein großes Volk ohne eigenem Staat. Interessant wie intelligent sie die Unruhen und politischen Wirren nach dem Putsch in Mali nutzen um ihr eigenes Territorium auszuweiten. Als Nomaden haben sie ein sehr "eigenes" Verhältnis zu Grenzen. Wie wird nun die internationale Gemeinschaft reagieren...? Wenn man den Südsudanesen(Sammelbegriff von mehreren Stämmen) einen eigenen Staat gönnt, kann man ihn den Touareg und ihren Verbündeten kaum verwehren. Wir sind mal wieder an einem Wendepunkt und an einer Entscheidung angelangt. Unversehrtheit der Grenzen vs Selbstbestimmungsrecht eines Volkes. Aber was sind schon Grenzen für ein Nomadenvolk...? Was die Lage in der Region weiter prekär macht. Die Wüste breitet sich aus und drängt damit Nomaden, die an Wassermangel leiden, nach Süden und zum Fluss. Das führt zu Konflikten mit der dunkleren Bevölkerung weiter südlich... Und nun? Was wird Mali und die internationale Gemeinschaft tun? Schian Gruaß aus Südtirol... PS: Interessant, die Bewegung unterhält eine eigene Seite... Mouvement National de Liberation de l'Azawad (http://www.mnlamov.net/)
Stellen die Tuareg denn irgendwo die Bevölkerungsmehrheit oder nimmt sich hier eine traditionell kriegerische Minderheit einfach sein vermeintliches Recht?
hubertl 02.04.2012
4. Vorbild für Nordeuropa?
Zitat von glücklicher südtirolerDie Touareg sind ein großes Volk ohne eigenem Staat. Interessant wie intelligent sie die Unruhen und politischen Wirren nach dem Putsch in Mali nutzen um ihr eigenes Territorium auszuweiten. Als Nomaden haben sie ein sehr "eigenes" Verhältnis zu Grenzen. Wie wird nun die internationale Gemeinschaft reagieren...? Wenn man den Südsudanesen(Sammelbegriff von mehreren Stämmen) einen eigenen Staat gönnt, kann man ihn den Touareg und ihren Verbündeten kaum verwehren. Wir sind mal wieder an einem Wendepunkt und an einer Entscheidung angelangt. Unversehrtheit der Grenzen vs Selbstbestimmungsrecht eines Volkes. Aber was sind schon Grenzen für ein Nomadenvolk...? Was die Lage in der Region weiter prekär macht. Die Wüste breitet sich aus und drängt damit Nomaden, die an Wassermangel leiden, nach Süden und zum Fluss. Das führt zu Konflikten mit der dunkleren Bevölkerung weiter südlich... Und nun? Was wird Mali und die internationale Gemeinschaft tun? Schian Gruaß aus Südtirol... PS: Interessant, die Bewegung unterhält eine eigene Seite... Mouvement National de Liberation de l'Azawad (http://www.mnlamov.net/)
Da gibt es auch ein nomadisch lebendes Volk ohne Staat: die Lappen, political correct "Samen" auf dem Territorium Norwegen/Schweden/Finnland/(Russland?) Naja und im Grenzgebiet Türkei/Irak/Iran/Syrien ja auch eins, das immer wieder von sich reden macht... Gibt viel zu tun für "Berater" mit einschlägige Interessenschwerpunkt!
glücklicher südtiroler 02.04.2012
5. Touareg...
Zitat von F.X.FischerStellen die Tuareg denn irgendwo die Bevölkerungsmehrheit oder nimmt sich hier eine traditionell kriegerische Minderheit einfach sein vermeintliches Recht?
Haben Sie eine verlässliche Statistik aus Mali...? Nomadenvölker haben es auch an sich daß sie sich gerne der Statistik entziehen. Mit Schätzungen kommt man der Sache schon näher... Sehen Sie, ich habe mich an anderer Stelle gegen einen vorschnellen Staat Südsudan ausgesprochen. Die Ereignisse dort scheinen mir eher recht zu geben. Man kann nicht jedem einzelnen Volk oder jeder ethnischen Minderheit einen eigenen Staat zusprechen. Meines Wissens gibt es in Europa jenseits von hundert Völkern in anderen Staaten bzw. ethnische Minderheiten. In Europa haben wir unter anderem auch deshalb Frieden, weil man in Mitteleuropa die Unverletzlichkeit der Grenzen sanktioniert hat. Andernorts gilt das nicht, speziell in Staaten, die keine von uns als 'Staatlichkeit' empfundene Art kennen. Mali scheint ein solcher Ort zu sein. Die Touareg werden nie einen 'Staat' in unserem Sinne bilden. Das können sie als Nomaden auch nicht... Afrika ist halt anders, Asien auch... Schian Grauß...
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