Türkei 107 Richter und Staatsanwälte entlassen

Weitere "Säuberungen" in der Türkei: Die Justiz hat erneut mehr als hundert Richter und Staatsanwälte entlassen. Sie sollen Unterstützer der Gülen-Bewegung sein.

Recep Tayyip Erdogan
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Recep Tayyip Erdogan


In der Türkei sind knapp zehn Monate nach dem Putschversuch weitere 107 Richter und Staatsanwälte entlassen worden. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf den Rat der Hohen Richter und Staatsanwälte meldete, sei es zu den Entlassungen im Rahmen von Ermittlungen gegen die Gülen-Bewegung gekommen.

Erst am vergangenen Samstag hatte die Regierung mit einem Notstandsdekret mehr als 3900 Staatsbedienstete suspendiert. Wenige Tage zuvor waren bereits mehr als 9000 Polizisten suspendiert worden.

Anadolu berichtete, die Staatsanwaltschaft habe die Festnahme der Verdächtigen angeordnet. Seit dem Putschversuch - für den die Regierung die Gülen-Bewegung verantwortlich macht - seien inzwischen 4238 Richter und Staatsanwälte entlassen worden. Das ist fast ein Drittel der ursprünglich 14.000 Richter und Staatsanwälte im Land.

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch waren nach Regierungsangaben aus dem vergangenen Monat mehr als 47.000 Verdächtige in Untersuchungshaft. Darunter waren den Angaben zufolge 2575 Richter und Staatsanwälte. Außerdem wurden mehr als 100.000 Staatsbedienstete wegen angeblicher Gülen-Verbindungen suspendiert.

Ankara macht die Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen für den gescheiterten Militärputsch vom vergangenen Juli verantwortlich.

kry/dpa/AFP

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Seite 1
FrankDr 05.05.2017
1.
Wenn man sich jetzt mal überlegt, dass gegen Gülen gar nichts handfestes vorliegt, wird das ganze noch absurder.
hubie 05.05.2017
2. Im Kindergarten...
... wurden Kinder mit solch schlechten Argumenten für ihre Taten immer ausgelacht. Ein Erdogan denkt tatsächlich, dass es ein logischer Rechtfertigungsgrund sei, immer die Gülen-Bewegung als Grund für das Auflösen staatlicher Institutionen anzuführen. Man muss schon blind sein, um das nicht zu durchschauen. Die Welt ist nunmal nicht so einfach gestrickt, wie Erdogan sie glauben lassen will. Es sind durchschaubare Schritte in Richtung einer Diktatur. Direkt an der Grenze zu Europa.
aufreger1970 05.05.2017
3. Wenn man sich
überlegt, wieviele Richter, Anwälte, Polizisten, Generäle und Soldaten entlassen und sogar inhaftiert wurden, dann fragt man sich wie dieser Staat überhaupt noch funktionieren kann.
melnibone 05.05.2017
4. Die Türkei ...
entfernt sich jeden einzelnen Tag weiter und weiter ... dem Anspruch einem ´Rechtsstaat´ zu entsprechen. Da gibt es eigentlich kein ´gesellschftliches Vertun´ mehr. Für alle ins Visier der Staatsmacht geratene Personen ... leidvolle unhaltbare Zustände! Der Couchtiger Europäische Union hätschelt einen Despoten mitten ... äh deutlich außerhalb von Europa und einer wertenden weltweiten Gemeinschaft. Der ´Niveaaufstand´ mit dem Erdogan sich emporflügelt ... sollte doch von einem echten Aufstand konterkariert werden. Ich sage mal salopp: in Deutschland ist solches Gebahren der ´Staatsmacht´ niemals mehr möglich. Egal ob ... Unten, Oben, Rechts; Links, Pastorenvereinigungen, Reichsbürger, Tafelbetreiber und Tafelbesucher, Spiegel-Online-Forum, Hamburger ... etc. Wir werden keinen Despoten mehr haben ... Punkt.
Teile1977 05.05.2017
5. Putsch
Zitat von aufreger1970überlegt, wieviele Richter, Anwälte, Polizisten, Generäle und Soldaten entlassen und sogar inhaftiert wurden, dann fragt man sich wie dieser Staat überhaupt noch funktionieren kann.
Ich frage mich wie es sein kann das ca. 3000 Soldaten geputscht haben, aber bis jetzt 250 000 Putschisten verhaftet oder entlassen wurden. Wären alle entlassenen am Putsch beteiligt gewesen sähe die Türkei jetzt aber anders aus.
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