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Kämpfe im Osten: Türkei meldet Tod von 56 PKK-Kämpfern

Die nahe gelegene Stadt Silvan: Auch hier sind gepanzerte Fahrzeuge des Militärs aufgefahren Zur Großansicht
AFP

Die nahe gelegene Stadt Silvan: Auch hier sind gepanzerte Fahrzeuge des Militärs aufgefahren

Tausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz, Militär und PKK liefern sich im Osten der Türkei heftige Straßenkämpfe. Staatsmedien zufolge wurden Dutzende Kurden getötet, Augenzeugen berichten von Strom- und Nahrungsmittelmangel.

Die Gewalt im mehrheitlich kurdischen Südosten der Türkei eskaliert. In den seit drei Tagen andauernden Straßenkämpfen in den Städten Silopi und Cizre seien 54 Kämpfer der türkisch-kurdischen Arbeiterpartei (PKK) getötet worden, berichten staatliche türkische Medien.

Unabhängige Berichte aus den beiden Städten gibt es bisher nicht. Die türkische Regierung hat in beiden Städten schon seit Längerem eine Ausgehsperre verhängt. Auch andere mehrheitlich kurdische Städte in der Umgebung wurden vom Militär abgeriegelt.

Die britische BBC hat mit Menschen gesprochen, die Angehörige in Cizre und Silopi haben. Sie berichteten, dass die humanitäre Lage sehr schwierig sei: Es gebe keinen Strom, es sei kalt, den Kindern fehle es an Milch und Essen. Wegen der Gewalt seien bereits viele Lehrer und Ärzte geflohen. Schulen seien in Militärstützpunkte verwandelt worden. Die Einheimischen wollten ihr Zuhause nicht verlassen, doch wenn die Kämpfe weiter anhalten würden, seien sie bald zur Flucht gezwungen.

Bis zu 10.000 türkische Polizisten und Soldaten sowie einige Panzer seien in Silopi und Cizre im Einsatz, berichtete die BBC.

Nach Angaben der türkischen Regierung hätten PKK-Kämpfer dort Barrikaden und Gräben errichtet und Sprengfallen gelegt. Mindestens acht Mitglieder der Sicherheitskräfte seien verwundet worden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Donnerstag, er wolle die PKK-Kämpfer "vernichten".

Friedensgespräche zwischen der türkischen Regierung und dem inhaftierten PKK-Chef Abdullah Ocalan waren dieses Jahr gescheitert. Seitdem ist der Konflikt wieder aufgeflammt; mehrere Hundert Menschen wurden getötet. Die PKK wird von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft.

ras/AP/Reuters

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Kurden
Kurdische Ethnie
Weltweit gibt es etwa 30 Millionen Kurden. Ihr Hauptsiedlungsgebiet, das in der Türkei, im Irak, in Syrien und in Iran liegt, bezeichnen sie als Kurdistan. Einen eigenen Staat haben sie nicht. Kurden bilden eine Ethnie. Die meisten von ihnen sind sunnitische Muslime, es gibt aber auch Schiiten, Aleviten, Jesiden, Christen und Juden unter den Kurden.
Kurden in Deutschland
Allein in Deutschland leben etwa eine Million Kurden. Wegen ihrer Staatenlosigkeit werden sie hier meist als Türken, Iraker, Syrer oder Iraner wahrgenommen. Dabei bilden sie die drittgrößte Migrantengruppe in der Bundesrepublik.
Sprachen
Es gibt mehrere kurdische Sprachen, die wiederum jeweils ein Dutzend Dialekte haben. Am weitesten verbreitet ist die Sprache Kurmandschi. Interessanterweise sind es also weder Sprache noch Religion, die die Kurden als Volk zusammenhält, sondern "ihr Miteinander, verwurzelt in einer gemeinsamen Vergangenheit, die mehr oder weniger mythisch ist", wie die Ethnologen Jean-Loup Amselle und Guy Nicolas schreiben.
Autonome kurdische Region
Bis in das 20. Jahrhundert hinein lebten Kurden in Stammesgesellschaften. Heute leben sie in sehr unterschiedlichen Umfeldern. Die autonome kurdische Region im Irak gilt als die stabilste und sicherste im Land. Durch Zugang zu Erdöl ist sie wohlhabend.
Kurden in der Türkei
Kurden in der Türkei sind in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Überproportional viele sind jedoch arm, weil ihnen Bildung erschwert wurde. Unterricht auf Kurdisch war jahrzehntelang verboten. Viele Kurden kamen erstmals mit ihrer Einschulung mit Türkisch in Berührung.
Kurden im Irak
Das kurdische Autonomiegebiet liegt im Nordirak und wird von den Kurden Südkurdistan genannt. Im Irak wurden die Kurden lange Zeit verfolgt. Tragischer Höhepunkt war der Giftgasangriff des sunnitischen Diktators Saddam Hussein am 16. März 1988 auf den kurdischen Ort Halabdscha, bei dem etwa 5000 Männer, Frauen und Kinder getötet wurden.


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