Ministerpräsident Davutoglu Türkei will Luftangriffe in Syrien fortsetzen

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu hat mit Angela Merkel telefoniert. Er kündigte eine "neue Welle Hunderttausender Flüchtlinge" aus Syrien an - und weitere Luftangriffe auf kurdische Stellungen.

Ministerpräsident Davutoglu (Archiv): "Neue Welle hunderttausender Flüchtlinge"
AFP

Ministerpräsident Davutoglu (Archiv): "Neue Welle hunderttausender Flüchtlinge"


Trotz internationaler Appelle will die Türkei ihre Angriffe auf kurdische Stellungen in Nordsyrien fortsetzen. Das kündigte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in einem Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, wie sein Büro mitteilte. Demnach sagte Davutoglu, die Türkei werde es nicht zulassen, dass die kurdische Partei Demokratische Union (PYD) aggressiv vorgehe.

In der nordsyrischen Provinz Aleppo werden die Fronten immer unübersichtlicher. Das Gebiet wird immer mehr zum Brennpunkt des Krieges in Syrien. Die Türkei fliegt Luftangriffe gegen kurdische Stellungen im Norden des Gebiets, die Truppen von Machthaber Assad rücken rund um die Großstadt Aleppo vor, unterstützt von russischen Bomben.

Die USA und Frankreich haben die Türkei aufgerufen, die Angriffe auf kurdische Stellungen in Nordsyrien zu beenden. Die PYD und ihr bewaffneter Arm, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), kontrollieren große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens. Ankara befürchtet ein weiteres Erstarken der Kurden in Syrien und womöglich die Ausrufung eines autonomen Kurdenstaates an der türkischen Grenze.

"Neue humanitäre Krise" betrifft auch die EU

Davutoglu warnte Merkel vor einer "neuen Welle Hunderttausender Flüchtlinge" aus Syrien aufgrund des Vormarsches kurdischer Kämpfer. "Unsere Sicherheitskräfte haben die notwendige Antwort gegeben und werden dies weiter tun", sagte Davutoglu demnach zu Merkel.

Die kurdischen Kämpfer seien mit russischer Unterstützung vorgerückt. Ihr Ziel sei es, "Hunderttausende syrischer Zivilisten" in der Grenzregion in die Flucht zu treiben und eine "neue humanitäre Krise" auszulösen, die nicht nur die Türkei, sondern auch die EU betreffen würde.

Für Ankara ist die YPG ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die in der Türkei gegen den Staat und für mehr Autonomierechte der Kurden kämpft. Für die westlichen Staaten hingegen sind die kurdischen Milizen in Syrien wichtige Verbündete im Kampf gegen die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS). Washington unterstützt die PYD und die YPG militärisch, die in der Allianz Syrische Demokratische Kräfte mit arabischen Rebellen zusammengeschlossen ist.

kry/AFP

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