Istanbul Türkischer Amnesty-Chef unter Auflagen freigelassen

Mehr als sieben Monate verbrachte Taner Kilic, Amnesty-Chef in der Türkei, in Untersuchungshaft. Nun hat ein Gericht seine Entlassung angeordnet. Mit ihm ist auch der Deutsche Peter Steudtner angeklagt.

Demonstration für Taner Kilic
AFP

Demonstration für Taner Kilic


Wegen der angeblichen Mitgliedschaft in der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen war der Menschenrechtsanwalt Taner Kilic im vergangenen Juni festgenommen worden. Nun hat ein Istanbuler Gericht angeordnet, dass er wieder auf freien Fuß kommt. Das teilte der Türkei-Experte von Amnesty International, Andrew Gardner, via Twitter mit.

In dem Verfahren sind neben Kilic auch der Deutsche Peter Steudtner, sein schwedischer Kollege Ali Gharavi und acht weitere türkische Menschenrechtler angeklagt. Zum Prozessauftakt am 25. Oktober hatte das Gericht alle Angeklagten bis auf Kilic aus der U-Haft entlassen. Steudtner und Gharavi reisten am Tag darauf nach Berlin. Sie nehmen an der Fortsetzung des Verfahrens in Istanbul nicht teil.

Den elf Angeklagten wird "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation" beziehungsweise Terrorunterstützung vorgeworfen, worauf bis zu 15 Jahre Haft stehen. Sie waren im Juli bei einem Workshop zu Stressbewältigung und Kommunikationssicherheit auf der Insel Büyükada bei Istanbul festgenommen worden. Der Prozess gegen sie wurde auf den 21. Juni vertagt.

Die Entscheidung zur Freilassung von Kilic wurde in dem überfüllten Gerichtssaal mit Applaus begrüßt. "Wir sind sehr glücklich, wir erleben eine Explosion der Gefühle, weil wir diese Entscheidung nicht erwartet haben", sagte die Bürgerrechtlerin Özlem Dalkiran von der Menschenrechtsgruppe Bürgerversammlung, die selbst angeklagt ist, aber im Oktober freigelassen wurde.

Kilic wurde in dem Verfahren per Videoschaltung aus Izmir zugeschaltet. Amnestys Europadirektorin Gauri van Gulik sagte, es sei eine "große Erleichterung", dass der Menschenrechtsanwalt nach fast acht Monaten im Gefängnis nun zu seiner Familie zurückkehren könne. Amnesty werde den Kampf jedoch fortsetzen, um einen Freispruch von Kilic und den anderen Angeklagten zu erreichen.

vks/dpa/AFP

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