Reaktion auf Armenien-Resolution Türkei bereitet "Aktionsplan" gegen Deutschland vor

Im Streit über die Armenien-Resolution verschärft die türkische Regierung die Gangart - und kündigt Maßnahmen gegen die Bundesrepublik an.

Recep Tayyip Erdogan
AP

Recep Tayyip Erdogan


Noch ist die Drohung vage: Als Reaktion auf die Armenien-Resolution des Bundestags will die Türkei nach offiziellen Angaben Protestmaßnahmen gegen Deutschland ergreifen. "Die zuständigen Behörden, allen voran das Außenministerium, bereiten einen Aktionsplan vor", sagte der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, bei einer Pressekonferenz in Ankara.

Die vorgeschlagenen "Maßnahmen" würden dann dem Ministerpräsidenten und dem Präsidenten vorgelegt. Details würden erst danach mitgeteilt.

Die "Bild"-Zeitung berichtet mit Verweis auf die türkische Zeitung "Sözcü", dass derzeit zudem mindestens drei Klagen gegen elf deutsche Bundestagsabgeordnete mit türkischen Wurzeln vorbereitet würden. Die Kläger seien demnach zwei türkische Polizeigewerkschaften und ein Juristenverband. Bei den Beklagten soll es sich unter anderem um den Grünen-Chef Cem Özdemir und die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özuguz (SPD), handeln.

"Deutsches Werk"

Die Türkei hatte vehement gegen die Bundestagsresolution protestiert. In dem fünfseitigen Papier werden die Ereignisse vor einem Jahrhundert klar als Völkermorde benannt. Armenien hingegen drängt auf Anerkennung des Genozids, bei dem Schätzungen zufolge bis zu 1,5 Millionen Armenier und Angehörige anderer christlicher Volksgruppen im Osmanischen Reich von Vertreibung und Massakern betroffen waren.

Die Gratiszeitung "Günes" hatte am Mittwoch ebenfalls auf die Armenien-Resolution reagiert - und Deutschland für den jüngsten Anschlag in Istanbul verantwortlich gemacht, bei dem am Vortag elf Menschen gestorben waren. "Günes" titelte dazu: "Deutsches Werk".

Deutschland habe die harte Reaktion der Türkei auf die "beschämende" Armenien-Resolution des Bundestages nicht ertragen. "In Panik geratend, ist es in alte Gewohnheiten zurückgefallen. Es hat die Terrororganisationen, die es als Marionette benutzt, einen blutigen Anschlag in Istanbul verüben lassen." Das Blatt beruft sich dabei auf Volkes Stimme: "So denkt die Türkei", schreibt "Günes".

Ein Sprecher der türkischen Regierung sagte am Mittwoch, alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verantwortlich für den Anschlag in Istanbul sei.

vks/dpa



insgesamt 171 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
knok 08.06.2016
1. Sollen sie versuchen
Mit Russland, Israel und den USA sind die Beziehungen ja schon auf dem Tiefpunkt. Wenn jetzt Deutschland und damit ein EU-Mitglied dazu kommt, ist die Türkei international fast isoliert. Das wünsche ich mir nicht. Aber anscheinend versteht Erdogan den Ernst der Lage nicht, ökonomisch wie sicherheitspolitisch.
hotbob82 08.06.2016
2. es ist einfach nur noch peinlich...
Was soll man dazu noch sagen? Es ist "verständlich", dass die Kanzlerin dies mit "Unverständnis" kommentiert. Das Verhalten der türkischen Politik und regierungsnaher Presse ist einfach nur noch peinlich. Ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen dass diese selbst glauben, was die da schreiben/sagen. Wo soll das noch hinführen?
pommbaer84 08.06.2016
3.
Ein Land disqualifiziert sich selbst. Ohne wohlwollen der EU kann sich Erdogan seinen Rückhalt sonst wo hinstecken. Russland bringt er ja auch gegen sich auf. Was ist sein Ziel? Hat er überhaupt eins?
per.roentved 08.06.2016
4. Eieieiei
Meine Güte, sind die doof. Dass die Zeitungen da irgendeinen Blödsinn schreiben und Deutschland als Handlanger des Terrors titulieren ("sie haben die harte Reaktion nicht ertragen"). Was für ein Schwachsinn. Nun gut, Zeitungen halt. Die eine sogar eine Gratiszeitung. Die gehören eigentlich ungelesen in den Müll. Und die "Massnahmen" der türk. Regierung gegen Deutschland? Gleich hinterher in die Tonne. Was bildet sich dieser Großmufti eigentlich ein? Ach ja, er hat Merkel bzgl. der Flüchtlinge in der Hand und spielt mit ihr. Tja, Mutti, das haste jetzt davon.
bstendig 08.06.2016
5. Ich habe auch einen Maßnahmenkatalog geplant -
bis auf Weiteres keine Türkei-Urlaube. Das kostet mich nichts und ist leicht umzusetzen. Wer mitmachen will ist herzlich dazu eingeladen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.