Diplomatie Türkei bestellt deutschen Botschafter ein - schon wieder

Es ist bereits das 21. Mal in zweieinhalb Jahren: Der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, wurde nach SPIEGEL-Informationen erneut einbestellt. Der Schritt gilt unter Nato-Partnern als ungewöhnlich.

Martin Erdmann
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Martin Erdmann

Von und , Istanbul


Das Außenministerium der Türkei hat den deutschen Botschafter Martin Erdmann nach SPIEGEL-Informationen erneut einbestellt. Der Grund sind offenbar Aktivitäten der syrisch-kurdischen Partei PYD in Deutschland.

Es war die 21. Einbestellung Erdmanns in seiner rund zweieinhalbjährigen Amtszeit. Die Einbestellung eines Botschafters gilt als eines der schärfsten Instrumente des diplomatischen Protests. Unter Nato-Partnern wird es eigentlich so gut wie nie angewandt.

Den Termin am Freitag wird Erdmann aber offenbar nicht selber wahrnehmen, da er derzeit nicht in Ankara ist. Die Botschaft wird deshalb den Gesandten ins türkische Außenministerium schicken.

Der Vorfall zeigt, dass das deutsch-türkische Verhältnis auch nach der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel weiter angespannt bleibt. Am Mittwoch weigerte sich ein Istanbuler Gericht, die Aufenthaltssperre gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu aufzuheben, die ebenfalls mehrere Monate in der Türkei in Untersuchungshaft saß.

Kurz zuvor war mit dem Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci ein weiterer deutscher Staatsbürger wegen Terrorverdachts in der Türkei festgenommen worden. Demirci hat gelegentlich - wie Tolu - für die linke, türkische Nachrichtenagentur Etha geschrieben. Er wird nun im Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul festgehalten.

Ankara beschuldigt Berlin wegen der PKK

Zuletzt hatte es eher Zeichen der Entspannung zwischen Ankara und Berlin gegeben: Bei ihrem ersten Treffen gaben sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und sein deutscher Kollege Heiko Maas Anfang der Woche am Rande einer Uno-Tagung in New York betont freundlich.

Auch beim Streitthema, ob türkische Politiker in Deutschland Wahlkampf machen dürfen, zeigte sich Cavusoglu einsichtig: Er will offenbar das von Berlin ausgesprochene Verbot solcher Veranstaltungen vor der Wahl in der Türkei im Juni akzeptieren.

Cavusoglu selbst wird zwar im Mai beim Gedenktag des Brandanschlags in Solingen reden, dort aber will er keinen Wahlkampf für Staatschef Recep Tayyip Erdogan machen.

Geht es um die Aktivitäten kurdischer Gruppen in Deutschland, sind die Türken jedoch weniger kompromissbereit. Seit Jahren wird Berlin beschuldigt, dass die Arbeiterpartei PKK in Deutschland frei agiert, Spenden sammelt und trotz geltenden Verbots der PKK Demonstrationen in Deutschland toleriert.

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