Streit über Kurdenfrage Türkei bestellt US-Botschafter ein

Die Türkei hält die Kurden in Syrien für Terroristen - doch die USA betrachten sie als Verbündete im Kampf gegen den IS und unterstützen sie mit Waffen. Nun muss der amerikanische Botschafter zum Gespräch.

US-Botschaft in Ankara (Archiv): "Auch die besten Freunde sind sich nicht in allem einig"
AP

US-Botschaft in Ankara (Archiv): "Auch die besten Freunde sind sich nicht in allem einig"


Im Streit über die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg hat das türkische Außenministerium den US-Botschafter John Bass einbestellt. Grund seien Äußerungen des US-Außenministeriumssprechers John Kirby zur nordsyrischen Kurden-Partei PYD, meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag.

Kirby bestätigte die Vorladung, machte aber keine Angaben zum Inhalt des Gesprächs.

Kirby hatte am Montag gesagt, anders als die Türkei betrachteten die USA die PYD nicht als Terrororganisation. Die PYD ist der syrische Ableger der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei, aber auch in den USA und der EU verboten ist.

Kirby hatte am Montag betont, Anhänger der PYD gehörten zu den Kämpfern, die am effektivsten gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien vorgingen. Die USA würden die PYD daher weiterhin unterstützen. Mit Blick auf den Nato-Partner Türkei hatte Kirby gesagt: "Auch die besten Freunde sind sich nicht in allem einig."

Zwischen den Regierungen in Washington und Ankara schwelt seit Monaten ein Streit über die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg. Die USA unterstützen die PYD und ihren bewaffneten Arm, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG militärisch.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich schon irritiert gezeigt über einen Besuch des US-Sondergesandten Brett McGurk vergangenen Woche in Kobane: Die YPG kontrolliert die Stadt im Norden Syriens. Erdogan stellte die Frage, ob er eigentlich der Partner der USA sei - oder ob dies "die Terroristen von Kobane" seien.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wiederholte diese Fragen nach dem "wir oder die" laut Anadolu am Dienstag bei einem Besuch in Budapest: "Die USA müssen sich entscheiden: Wählen sie uns als Partner oder Terrororganisationen?"

sun/dpa/AFP/Reuters

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Atheist_Crusader 09.02.2016
1.
Als ob sich da irgendwas ändern wird. Niemand interessiert sich für die Rechte der Kurden, auch nicht die üblichen Menschenrechtsheuchler. Die Palästinenser haben eine Lobby, aber primär weil sie sich als Argument und Waffe gegen Israel missbrauchen lassen. Die Kurden haben nichtmal das. Für die NATO ist die Türkei zu wichtig, um sie zu antagonisieren. Und für die Russen ist der "wir gehören zwar zur NATO, aber machen nur was wir wollen"-Status der Türkei zu wertvoll um sie zu verprellen (und zu einem geringeren Grad trifft das auch auf andere Staaten mit kurdischen Minderheiten zu). Damit hängt die Anerkennung und internationale Unterstützung der Kurden primär von der Türkei ab. Und die Türkei hat nunmal beschlossen, dass die Kurden kein Volk zu sein haben und besser Türken werden sollten. Und ich sehe leider auch nichts was daran etwas ändern könnte.
freddygrant 09.02.2016
2. Eines scheint sicher!
Der Erdogan sieht in Minderheiten - wie den Kurden - nur Terroristen, obwohl dies Menschen mit eigener Ethnie und Kultur sind wie in vielen anderen Staaten. Anstatt ihnen ihre Minderheiten-, Freiheits-, und Staatsbürgerrechte zu verschaffen, schürt er vorsätzlich - seit Jahren und ohne Ende - den Konflikt mit den Kurden. Die EU versäumt es weiter den Türken dazu Lösungsvorschläge zu machen, obwohl es dort gute Beispiele - wie z.B. in Südtirol - gibt Minderheiten konfliktfrei zu integrieren.
mur 09.02.2016
3. Deutlicher sagen kann man
Es wirklich nicht. Welche Interessen verfolgt die USA geopolitisch in dieser Region nachdem Chaos zerfall des Irak und anschließend seine Anrainer Staaten !
AxelSchudak 09.02.2016
4. Wir oder Die
Wird man von einem "Partner" zu oft vor diese Wahl gestellt, liefern sie die Antwort eigentlich gleich mit.
1berliner_ 09.02.2016
5. Satiere?
Ist es mal wieder so weit? Ein Land das den Terrorismus im Nachbarland Syrien unterstützt, beschwert sich über ein anderes Land, das ebenfalls öfters mal Terroristen unterstützt, über die Unterstützung von Terroristen. Das ist ja allerhand.
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