Offensive gegen Kurden Türkische Bodentruppen rücken in Syrien ein

Türkische Truppen und kurdische Milizen liefern sich Gefechte an der syrischen Grenze. Mit der Operation will Erdogan gegen einen PKK-Ableger vorgehen - und eine "Sicherheitszone" in Syrien einrichten. Ein erstes Dorf soll schon erobert sein.

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Türkische Bodentruppen sind in die Region Afrin in Syrien einmarschiert, die von kurdischen Milizen kontrolliert wird. Das sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim, wie die Nachrichtenagentur DHA meldete. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu rückten die Soldaten mit Unterstützung der Freien Syrischen Armee vor. Außerdem sollen Panzer an der Grenze zu Syrien aufgefahren sein.

Grenzregion Kilis

Zuerst hieß es Menschenrechtlern zufolge, es seien keine Truppen in die Region Afrin vorgedrungen. Inzwischen heißt es, dass türkische Truppen ein Dorf auf kurdischem Gebiet im Nordwesten Syriens eingenommen haben. Aus der Luft hat das türkische Militär laut der Nachrichtenagentur Reuters 45 Ziele getroffen. Zudem soll eine Rakete einen syrischen Bürger getötet und 32 Menschen verletzt haben.

Die Türkei hatte am Samstag eine groß angelegte Offensive gegen kurdische Truppen im Nordwesten Syriens begonnen. Die "Operation Olivenzweig" zielt auf die mit den USA verbündeten syrischen Volksschutzeinheiten YPG, einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, ab.

Von der starken Präsenz der YPG an der türkischen Grenze fühlt sich Ankara bedroht. Mit der Militäroffensive will die Türkei verhindern, dass die Kurden im Nordwesten Syriens eine Autonomieregion errichten. Die Türkei will zudem eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone in der Provinz Afrin errichten. Das sei ein Ziel der am Wochenende gestarteten Offensive, zitierte der türkische Sender HaberTürk am Sonntag Ministerpräsident Binali Yildirim.

Erdogan will die kurdische Miliz "vernichten"

Die türkischen Streitkräfte werden nach den Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan die kurdische YPG-Miliz in Syrien vernichten. Deren Kämpfer könnten sich nicht auf die Hilfe der USA verlassen, um die Türkei zu besiegen. Die Kurdenorganisationen YPG, PKK und PYD würden fertiggemacht, bis nichts mehr von ihnen übrig sei.

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Operation "Olivenzweig": Gefechte an der Grenze zu Syrien

Den Verbündeten der Türkei warf Erdogan vor, die YPG mit 2000 Flugzeugladungen und 5000 Lkw-Ladungen an Waffen versorgt zu haben. Dies war offenbar an die Adresse der USA gerichtet, die mit der YPG im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS verbündet sind.

Die YPG führt das Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an. Die SDF hatten die "unrechtmäßigen Drohungen" von türkischer Seite moniert. Wenn man angegriffen würde, habe man keine andere Möglichkeit, als sich selbst zu verteidigen.

Die Syrische Beobachtungsstelle berichtete von heftigen Kämpfen zwischen "türkischen Truppen" und Einheiten der SDF. Die Türkei habe mehrere Grenzübergänge für Menschen geöffnet, um vor den Gefechten zu fliehen.

Beide Seiten griffen sich mit Artilleriefeuer an. Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Angaben. Auch die türkischen Luftangriffe gingen den Menschenrechtlern zufolge am Sonntag weiter. Am Vortag seien durch die Bombardements mehrere Zivilisten gestorben, darunter ein Kind.

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Türkisches Militär: Panzer an der Grenze

Erdogan hatte am Samstag vom "faktischen" Beginn der Militäroperation gesprochen. Ministerpräsident Binali Yildirim hatte gesagt, die "heldenhaften Streitkräfte" hätten mit der Luftoffensive begonnen. Erdogan zufolge soll nach der Afrin-Offensive ein Angriff auf die Region um die Stadt Manbidsch folgen. Diese wird ebenfalls von einem Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG kontrolliert.

Das Vorgehen der Türkei ist auch deswegen riskant, weil in der Region um Afrin russische Soldaten stationiert waren. Moskau hatte sie nach Beginn der Offensive verlegtund betont, man beobachte das Vorgehen mit Sorge. Russland und die Türkei treten bei den Syrien-Gesprächen in Astana und den geplanten Friedensgesprächen in Sotschi als Schutzmächte der Regierung und der Rebellen auf.

kha/dpa/Reuters

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