Türkische Offensive in Syrien Kurdenmiliz berichtet von zivilen Todesopfern

Mit der "Operation Olivenzweig" geht die Türkei im Norden Syriens gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Bei Angriffen auf Wohngebiete sind laut YPG mehrere Menschen gestorben.

Türkisches Militär an der Grenze zu Syrien
REUTERS

Türkisches Militär an der Grenze zu Syrien


Bei der türkischen Offensive gegen kurdische Kämpfer in der nordsyrischen Region Afrin sind nach Angaben der Kurdenmiliz YPG mindestens neun Menschen getötet worden, darunter sechs Zivilisten. 13 weitere Zivilisten seien verletzt worden, sagte ein YPG-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Von den drei getöteten Kämpfern gehörte einer zur YPG und zwei zum Frauenkampfverband YPJ.

Ungeachtet internationaler Besorgnis hatte die Türkei eine groß angelegte Operation mit dem Namen "Olivenzweig" gegen kurdische Truppen im Nordwesten Syriens begonnen. Die vom Generalstab am Nachmittag verkündete Operation zielt auf die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der Enklave Afrin.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Sonntag von drei Raketen, die aus Syrien in Richtung der türkischen Grenzprovinz Kilis in Südostanatolien abgefeuert wurden. Die Geschosse hätten in den frühen Morgenstunden mehrere Wohngebiete getroffen, sagte Gouverneur Mehmet Tekinarslan der Agentur. Laut Anadolu sei eine Person leicht verletzt worden. Mehrere Gebäude seien beschädigt worden, berichtete die Agentur unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Türkei will Autonomieregion im Nordwesten Syriens verhindern

Zudem sollen laut der Agentur Anadolu Kämpfer der Freien Syrischen Armee in die von der YPG kontrollierten Enklave Afrin eingedrungen sein. Details waren zunächst nicht bekannt. Auch eine Bestätigung von syrischer Seite lag zunächst nicht vor.

Mit der Militäroffensive will die Türkei verhindern, dass die Kurden im Nordwesten Syriens eine Autonomieregion errichten. Präsident Recep Tayyip Erdogan betrachtet die YPG-Miliz als syrischen Ableger der kurdischen PKK, die in der Türkei immer wieder Anschläge verübt. Die PKK ist in der Türkei, der EU und in den USA als Terrororganisation eingestuft. Ankara fühlt sich von einer starken kurdischen Präsenz an seiner Grenze bedroht.

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Türkisches Militär: Panzer an der Grenze

Erdogan hatte am Samstag vom "faktischen" Beginn der Militäroperation gesprochen. Ministerpräsident Binali Yildirim hatte gesagt, die "heldenhaften Streitkräfte" hätten mit der Luftoffensive begonnen. Erdogan zufolge soll nach der Afrin-Offensive ein Angriff auf die Region um die Stadt Manbidsch folgen. Diese wird ebenfalls von einem Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG kontrolliert.

Die YPG führt das Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an. Die SDF hatten die "unrechtmäßigen Drohungen" von türkischer Seite moniert. Wenn man angegriffen würde, habe man keine andere Möglichkeit, als sich selbst zu verteidigen. Dies könnte nach kurdischer Darstellung negative Auswirkungen auf den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben.

Russland hatte seine Truppen aus der Region um die Stadt Afrin abgezogen. Man habe sich zu dem Schritt entschlossen, um die Sicherheit der russischen Soldaten zu gewährleisten, hatte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Tass zufolge mitgeteilt. Das Auswärtige Amt in Berlin rief laut der Presseagentur dpa ebenfalls zu Besonnenheit auf.

kha/Reuters/dpa

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