"Patriot"-Einsatz in der Türkei: Bundesregierung verurteilt Attacke auf deutsche Soldaten

Der Angriff auf deutsche Soldaten in der Türkei belastet die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara - Demonstranten hatten einem Angehörigen der Bundeswehr einen Sack übergezogen. Die Bundesregierung fordert von Ankara besseren Schutz.

Berlin - Sie bedrängten und beschimpften fünf Bundeswehrsoldaten in der türkischen Stadt Iskenderun, einem Deutschen wurde dabei ein Beutel mit einem weißen Pulver über den Kopf gezogen: Die Attacke von rund 40 Gegnern des Nato-Einsatzes in der Türkei sorgt für Ärger zwischen den Regierungen in Berlin und Ankara.

Die Bundesregierung forderte Ankara nach dem Angriff aufgebrachter Demonstranten auf, besser für den Schutz der Deutschen zu sorgen. Man erwarte, dass die Sicherheit der deutschen Soldaten gewährleistet sei, wenn sie sich in türkischen Städten bewegten, sagte der Sprecher von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), Stefan Paris, am Mittwoch in Berlin. "Wir respektieren voll und ganz die Meinungsfreiheit in der Türkei", sagte Paris. "Was aber nicht geht und was auch nicht zu rechtfertigen ist, ist, dass die Äußerung von Meinungsfreiheit in Gewalt ausschlägt. Das ist nicht akzeptabel."

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"Patriot"-Einsatz in der Türkei: Wütender Protest gegen Nato-Hilfe
Nun werde intensiv mit der türkischen Seite über die Gefährdung der deutschen Kräfte zu sprechen sein. Den Bundeswehrsoldaten sei aber nicht geraten worden, aus Sicherheitsgründen in den Unterkünften zu bleiben. Die Bundesregierung sei überzeugt, dass "türkischen Kräfte solche Vorfälle in der Zukunft verhindern werden", sagte Paris.

Das Auswärtige Amt erklärte, es handele sich um einen ernsten Vorfall, der auch auf diplomatischen Kanälen aufgearbeitet werden müsse.

Hinter dem Angriff werden nach Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen kurdische oder kommunistische Gruppen vermutet. Die Attacke wirke sehr organisiert und sei aus der Menschenmenge heraus gefilmt worden, hieß es am Mittwoch in Sicherheitskreisen. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos waren die fünf Bundeswehrsoldaten am Dienstag in Zivil beim Verlassen eines Geschäfts in Iskenderun von den aufgebrachten Demonstranten bedrängt worden. Der Vorgang soll aus der Menschenmenge heraus professionell gefilmt worden sein.

Der Nato-Partner Türkei hatte die Bundeswehr Ende vergangenen Jahres um militärische Unterstützung gegen eine mögliche Raketenbedrohung aus dem Nachbarland Syrien gebeten. Nach einem Beschluss des Bundestags verlagerte die Bundeswehr zwei Flugabwehrstaffeln nach Ostanatolien. An dem Einsatz sind rund 350 deutsche Soldaten beteiligt.

hen/dpa/dapd

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insgesamt 131 Beiträge
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1. Rückzug
rokitansky 23.01.2013
Zitat von sysopDPADer Angriff auf deutsche Soldaten in der Türkei belastet die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara - Demonstranten hatten einen Angehörigen der Bundeswehr in einen Sack gesteckt. Die Bundesregierung fordert von Ankara besseren Schutz. Türkei: Bundesregierung verurteilt Attacke auf deutsche Soldaten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-bundesregierung-verurteilt-attacke-auf-deutsche-soldaten-a-879272.html)
Dioe Bundesregierung hat die deutschen Soldaten sofort aus ihrem Einsatzgebiet in der Türkei zurückzuholen. Unsere Jungs brauchen sich von solchen anatolischen Bauern nicht drangsalieren zu lassen.
2. Öffnet nicht die Büchse der Pandora
Björn Borg 23.01.2013
Statt unsere Soldaten in der Türkei von der dortigen Polizei vor dem türkischen Volk beschützen zu lassen, sollten wir sie lieber nach Hause holen. Deutsche Soldaten haben auch fast siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nichts auf Kriegsschauplätzen in den Ländern dieser Welt verloren. Es ist schlimm genug, wenn die von Angela Merkel geführten Bundesregierungen inzwischen schamlos und moralfrei sämtliche kriegführenden Parteien mit deutschen Waffen versorgen.
3. es wird auch auf Rettungsanitäter eingeprügelt!
internetwitcher 23.01.2013
Die Nato ist ein Überbleibsel des kalten Krieges. Man hat damals die Türkei aufgenommen, um sich strategisch gegen die Sowjetunion zu positionieren. Mittlerweile schützen wir ein neoosmanisch-nationalistisches Regime, welches außenpolitisch von Großmachtsphantasien geprägt ist. Das kann doch nicht im Sinne des Erfinders eines Verteidigungsbündnisses sein, oder?
4. Das war klar
raven_wolf 23.01.2013
Zitat von sysopDPADer Angriff auf deutsche Soldaten in der Türkei belastet die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara - Demonstranten hatten einen Angehörigen der Bundeswehr in einen Sack gesteckt. Die Bundesregierung fordert von Ankara besseren Schutz. Türkei: Bundesregierung verurteilt Attacke auf deutsche Soldaten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-bundesregierung-verurteilt-attacke-auf-deutsche-soldaten-a-879272.html)
taktisch von Amerika die Türkei als Puffer zu haben okay. Aber deutsche Soldaten da staionieren? Ein no go
5. Bitte nicht immer die gleiche Leier
Kitu 23.01.2013
Zitat von Björn BorgStatt unsere Soldaten in der Türkei von der dortigen Polizei vor dem türkischen Volk beschützen zu lassen, sollten wir sie lieber nach Hause holen. Deutsche Soldaten haben auch fast siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nichts auf Kriegsschauplätzen in den Ländern dieser Welt verloren. Es ist schlimm genug, wenn die von Angela Merkel geführten Bundesregierungen inzwischen schamlos und moralfrei sämtliche kriegführenden Parteien mit deutschen Waffen versorgen.
Bitte... Lassen Sie das bitte. Durch ständiges wiederholen werden Argumente nicht besser. Ich denke, es gibt schon einen Unterschied zwischen den Wehrmachtssoldaten und Bundeswehrsoldaten. Genau so, wie es Unterschiede gibt zwischen unserer Bundesregierung und dem 3. Reich-Regime. Diese Äppel und Birnenproblematik ist Ihnen geläufig? Wäre toll, denn dann kann man sich auch mal inhaltlich mit dem BW-Einsatz in der Türkei auseinandersetzen. Mir würde es helfen, wenn ich wüsste, was diese Türken dort so aufbrachte? Was haben sie gegen den Patrioteinsatz eines Natoverbündeten?
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Deutsche "Patriot"-Systeme: Letzter Test für den Türkei-Einsatz

Fläche: 783.562 km²

Bevölkerung: 74,724 Mio.

Hauptstadt: Ankara

Staatsoberhaupt: Abdullah Gül

Regierungschef: Recep Tayyip Erdogan

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