Verlegung nach Jordanien Bundeswehr hat Incirlik-Abzug minutiös durchgeplant

Nach dem Scheitern der Gespräche mit der Türkei bereitet sich die Bundeswehr bereits auf den Umzug ihrer Soldaten von Incirlik nach Jordanien vor. Am Mittwoch soll das Bundeskabinett darüber entscheiden.

C17-Transportmaschine der US Air Force (Archivbild)
REUTERS

C17-Transportmaschine der US Air Force (Archivbild)

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Die Bundeswehr hat nach SPIEGEL-Informationen die Verlegung der "Tornado"-Jets und der Tankflugzeuge bereits minutiös durchgeplant. So liegen im Ministerium abgestimmte Verträge für die Stationierung der deutschen Soldaten in Jordanien vor, die Militärs nennen solche Status of Forces Agreements - kurz Sofa-Abkommen. Die Abkommen sind für eine dauerhafte Stationierung zwingend notwendig.

Nach dem gescheiterten Einigungsversuch im Incirlik-Streit hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Kabinettsentscheidung zum Abzug der auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt stationierten Bundeswehrsoldaten für diesen Mittwoch angekündigt. "Wir werden das weitere Vorgehen jetzt am Mittwoch im Kabinett gemeinsam besprechen und entscheiden", sagte die CDU-Politikerin am Montag. "Wir sind auf eine Verlegung vorbereitet."

So hat die Bundeswehrführung hinter den Kulissen schon bei Partnern wie den USA um Umzugshilfe gebeten. Nach SPIEGEL-Informationen bekam man dabei verlässliche Zusagen für Unterstützung bei der Verlegung nach Jordanien. So stellen die USA ihre riesigen C17-Transportflugzeuge zur Verfügung. In Bundeswehrkreisen hieß es, damit werde der Umzug nach Jordanien sehr viel schneller gehen als bisher gedacht.

Führende Koalitionspolitiker forderten gegenüber dem SPIEGEL, dass der Bundestag den Abzug rasch beschließen solle.

Geht alles nach Plan, soll die Bundeswehr spätestens Mitte August sowohl mit den Überwachungsjets als auch den fliegenden Tankstellen von der Basis in Jordanien wieder einsatzfähig sein. So sollen zunächst die Tanker verlegt werden, danach das Material. Im letzten Schritt dann werden Gefechtsstand, die Auswertetechnik und die Überwachungsjets selbst von der Türkei nach Jordanien verlegt.

Mit Material von dpa

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rkinfo 05.06.2017
1. Mit deutscher Gründlichkeit;-)
Jordanien dürfte erfreut sein über Kaufkraft. Etwas getrübt das Bild durch die vielen Islamisten in diesem Land. Trotzdem, die Kontakte zu Jordanien sind ausbaufähig und von dort dürfte Wiederaufbauhilfe für Syrien ohne störende Interessen eines Drittlandes, wie Türkei, machbar sein. Wenn die USA helfen, so haben sie sicherlich längst eingen Abzugspläne im geheimen Schreibtisch ;-)
iffelsine 05.06.2017
2. Aha, da weerden ein paar Flieger verlegt und das Kabinett muss das beschließen ?
Cool, also in Russland wird eine Rakete Richtung Berlin gestartet und das Kabinett berät nach der Sommerpause, was zu tun ist... Reicht da nicht einfach ein Kringel von von der Leyen ?
skiddles 05.06.2017
3. Wirklich? C17 Transporter!!!
Das Photo eines C17 Transporters im Zusammenhang mit dem Bundeswehr Abzug aus der Türkei zeigt wie einsatzbereit die Truppe ist. Anscheinend nur wenn die Amerikaner den Transport sicherstellen. Hatte Herr Trump da etwa recht?
toll_er 05.06.2017
4. traurig
Das ist traurig aber konsequent. Die Türkei ist unter Erdogan kein verlässlicher und vertrauenswürdiger Partner mehr. Da muss man deutlich zeigen, wo die Grenzen des Erträglichen sind. Im Prinzip, finde ich, hätte man die Soldaten dort eher abziehen sollen, aber grundsätzlich verstehe ich auch, dass einem Partner die Gelegenheit zum Umdenken gegeben werden muss. Nur: Es ist leider klar: Die Türkei unter Erdogan ist kein Partner mehr.
sibbi78 05.06.2017
5. So so!
Da provoziert die Türkei also den Abzug von - immerhin! - verbündeten NATO-Partnern aus Incirlik, Türkei. Warum müssen die lästigen Deutschen denn wirklich gehen? Stören sie irgendwelche Vorbereitungen im Rahmen eines Groß-Osmanischen Reiches? Auf jeden Fall scheinen die deutschen Soldaten die AKP sehr zu nerven...
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