Nächster Einsatz für die Bundeswehr Nato schickt "Awacs"-Aufklärer in die Türkei

Die Nato verlegt mehrere "Awacs"-Maschinen von ihrem deutschen Stützpunkt in die Türkei. Das Bündnis will so die Luftabwehr des Landes stärken und die Grenze zu Syrien besser schützen - auch deutsche Soldaten sollen in den Einsatz.

"Awacs"-Aufklärer in Geilenkirchen (2014): Flieger sollen die Türkei schützen
DPA

"Awacs"-Aufklärer in Geilenkirchen (2014): Flieger sollen die Türkei schützen


Die Bundeswehr richtet sich im Zuge des Syrienkonflikts auf einen weiteren Auslandseinsatz deutscher Soldaten ein. Zur Unterstützung der Türkei verlegt die Nato vorübergehend mehrere "Awacs"-Aufklärungsflugzeuge vom nordrhein-westfälischen Geilenkirchen auf den türkischen Einsatzflugplatz Konya, wie aus einem Informationsschreiben der Bundesregierung an die zuständigen Bundestagsausschüsse hervorgeht.

"Da wir 30 Prozent des Bordpersonals stellen, wird das natürlich auch Bundeswehrangehörige betreffen", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Anfrage. Damit bestätigte er einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag".

Dem Sprecher zufolge ist kein Bundestagsmandat für den Einsatz notwendig, da die in türkischem Luftraum fliegenden Militärmaschinen nur zur Erstellung des Luftlagebilds beitragen sollen. Außerdem sei derzeit kein Einsatz von Waffengewalt zu erwarten.

Im Schreiben von Auswärtigem Amt und Verteidigungsministerium an die Abgeordneten vom 18. Dezember heißt es ferner, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) habe keine eigenen Luftstreitkräfte - und das syrische Regime werde voraussichtlich keine eigenen Militärflugzeuge gegen die Türkei einsetzen.

Die Nato-Bündnispartner hatten Mitte Dezember entschieden, die Türkei mit Flugzeugen und Schiffen militärisch zu unterstützen. Außer den "Awacs"-Aufklärungsflugzeugen sollten laut dem Generalsekretär des Verteidigungsbündnisses, Jens Stoltenberg, auch Abfangjäger und Seefernaufklärer zur Verfügung gestellt werden. Auch die Beteiligung von je einer deutschen und einer dänischen Fregatte im Mittelmeer war in Aussicht gestellt worden.

Die multinationale Bordbesatzung der "Awacs"-Flugzeuge besteht aus jeweils 16 Soldaten. "Jetzt geht es darum, wie die Nato das operativ umsetzt", sagte der Ministeriumssprecher zu dem Einsatz in der Türkei. Ab wann und in welcher Mannstärke sich die Bundeswehr daran beteilige, sei noch unklar. Den Einsatz deutscher Bodentruppen in Syrien hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zuletzt ausgeschlossen.

Die Unterstützung der Türkei fällt in die Zeit großer politischer Spannungen zwischen der Türkei und Russland. Im November hatte die türkische Luftwaffe im türkisch-syrischen Grenzgebiet ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Dies hat die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei stark belastet. Unter anderem kappte Russland zahlreiche Geschäftsbeziehungen zu dem Land.

apr/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 140 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mattijoon 27.12.2015
1. Die Türken beschützen
die die Kurden bombardieren? Die wir mit Waffen versorgen, damit sie den IS bekämpfen? Macht keinen Sinn, aber der Rest des Syrien-Konflikts macht ja auch keinen Sinn, insofern passt es.
2315-390 27.12.2015
2. verrückt
Da wird doch glatt der größte Krieg unserer Zeit vorbereitet... Wir rennen sehenden Auges in unserer Verderben
bertholdalfredrosswag 27.12.2015
3. Vor wem soll die Türkei geschützt werden?
Und vor wem soll die Türkei geschützt werden? Ging es nicht gerade in diese Tagen darum, dass ihnen gedroht werden musste sich aus dem Irak zurückzuziehen? Ich möchte hoffen, das die russischen Jets die Tanklaster der IS bis direkt an die türkische Grenze angreifen und vernichten. Ungeachtet der US Wadenbeiser NATO. und dass kein türkisches Flugzeug nochmals die syrische Grenze überquert.
freddygrant 27.12.2015
4. Das ist ja toll!
Wenn die deutschen NATO-AWACS zwischen der türkischen Grenze und IS-Gebiet operieren haben die russischen Bomber keine Angriffsfläche mehr dort um den IS von oben zu bekämpfen. Schöner lässt sich dann von den Türken nicht mehr vertuschen wie der Handel und Wandel zwischen Türkei und dem IS blüht! Danke Angela, Steinmeier und NATO-Genossen - das habt ihr ja schön eigefädelt.
fazil57guenes 27.12.2015
5.
Na ja, wollen wir mal schwer hoffen, das die Flugzeuge dieser Allianz nicht russische Flugzeugen in die Quere kommen. Die Russen sind schliesslich die, die sich legal und erlaubt in Syrien aufhalten und herum fliegen. Alle anderen sind völkerrechtliche Aggressoren ohne UN-Mandat oder sonstige Legitimation. Besonders interessant erscheint mir dass Katar und Saudi Arabien dieser Allianz ebenfalls angehören, schliesslich ist es zum grossen Teil deren Geld und deren Waffen, die den "IS" unterstützt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.