Streit mit der Türkei Bundeswehr zieht letzten "Tornado" aus Incirlik ab

Der Bundeswehreinsatz am Stützpunkt Incirlik ist vorerst Geschichte. Wegen der schweren Krise im deutsch-türkischen Verhältnis hat die Bundesregierung nun alle "Tornado"-Kampfflugzeuge nach Hause geholt.

Bundeswehr-"Tornado" am Militärstützpunkt Incirlik
DPA

Bundeswehr-"Tornado" am Militärstützpunkt Incirlik


Vom türkischen Incirlik aus waren die deutschen "Tornados" zu Aufklärungsflügen gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gestartet. Mittlerweile hat die Bundeswehr alle Kampfflugzeuge von dem Militärstützpunkt nach Deutschland zurückverlegt. Die letzte der fünf Maschinen sei am Montag auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz gelandet, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Voraussichtlich im Oktober solle der Einsatz von Jordanien aus wieder aufgenommen werden.

Die Verlegung der Luftwaffeneinheit nach Jordanien ist das Resultat einer heftigen politischen Krise zwischen Ankara und Berlin. Immer wieder belasten Streitigkeiten das Verhältnis beider Staaten. Die türkische Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Bundestagsabgeordneten untersagt, die deutschen Soldaten in Incirlik zu besuchen.

Ankara hatte mit dem Verbot auf einen Beschluss des Bundestags reagiert, den Massenmord an Armeniern während des Ersten Weltkriegs im damaligen Osmanischen Reich als Genozid zu werten. Erdogan sieht darin eine Verunglimpfung seines Landes. Zudem wirft er einzelnen deutschen Abgeordneten eine Nähe zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor.

Material per Schiff und Flugzeug nach Jordanien

Da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist und damit der Kontakt mit Abgeordneten als unverzichtbar gilt, beschloss der Bundestag im Juni den Abzug aus Incirlik. Bevor Einsätze ab Oktober von Jordanien aus geflogen werden können, muss das notwendige technische Gerät per Schiff und Flugzeug von der Türkei dorthin gebracht werden. Auf dem jordanischen Stützpunkt Al-Asrak seien noch Baumaßnahmen notwendig, hieß es.

Die Luftwaffe hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, für einen lückenlosen Einsatz hätten Personal und Material kurzfristig sowohl in Incirlik als auch in Jordanien verfügbar sein müssen. Der logistische und finanzielle Aufwand dafür wäre "enorm". Es sei deshalb der bessere Weg, die "Tornados" zwischenzeitlich in Deutschland zu stationieren.

kev/Reuters

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