Vor Erdogan-Besuch in Berlin Weiterer Deutscher in der Türkei freigelassen, Österreicher in U-Haft

Eine Woche vor dem Staatsbesuch von Präsident Erdogan hat ein weiterer Deutscher das Gefängnis verlassen. Ein Österreicher ist hingegen in U-Haft gekommen.

Türkische Sicherheitskräfte vor einem Gefängnis in Izmir
AP

Türkische Sicherheitskräfte vor einem Gefängnis in Izmir


In einer Woche reist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach Deutschland. Bei dem Gipfeltreffen wird es auch um das angespannte Verhältnis zwischen Ankara und Berlin gehen. Im Vorfeld hat Erdogan nun für ein Signal der Entspannung gesorgt: Ein weiterer deutscher Häftling ist freigelassen worden.

Damit sei die Zahl der aus politischen Gründen inhaftierten deutschen Staatsbürger auf fünf gesunken, gab das Auswärtige Amt bekannt. Einzelheiten zu dem freigelassenen Mann nannte die Behörde nicht. Er sei nach einem Urteilsspruch auf freien Fuß gesetzt worden, sagte Sprecherin Maria Adebahr lediglich.

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren waren dort insgesamt 35 Deutsche festgenommen worden, denen in der Regel Unterstützung von Terrororganisationen vorgeworfen wird. Dazu zählt nach Auffassung der türkischen Regierung auch die Bewegung des in den USA im Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, die für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

Die Verhaftungen deutscher Staatsbürger hatten die deutsch-türkischen Beziehungen während der vergangenen beiden Jahre schwer belastet. Die verbliebenen Fälle sind aus deutscher Sicht das größte Hindernis auf dem Weg zur Normalisierung des deutsch-türkischen Verhältnisses.

Die Freilassung erfolgte einen Tag vor dem Besuch dreier türkischer Minister in Berlin, darunter Finanzminister Berat Albayrak. Der Schwiegersohn Erdogans gilt auch als sein Kronprinz. Kommenden Donnerstag wird Erdogan zu seinem ersten Staatsbesuch mit allen protokollarischen Ehren in Berlin erwartet.

Österreichischer Student und Journalist in U-Haft

Ein Österreicher muss unterdessen in türkische Untersuchungshaft. Ein Gericht hat die Verhaftung von Max Z. wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation angeordnet. Das bestätigten seine Anwälte.

Max Z. sei zur Untersuchungshaft ins Sincan-Gefängnis in Ankara gebracht worden. Dem freien Autor und Kritiker Erdogans werde vorgeworfen, ein Mitglied der in der Türkei verbotenen linken Splitterorganisation TKP Kivilcim zu sein.

Max Z. war bereits am 11. September in Ankara festgenommen worden und befand sich bisher im Gewahrsam der Antiterroreinheit der Polizei. Für linke Publikationen habe er kritische Beiträge über Erdogan verfasst sowie über die kurdische Arbeiterpartei PKK geschrieben. Er arbeitete unter anderem für die linke Zeitschrift "re:volt". Die PKK ist in der EU, den USA und der Türkei als Terrororganisation verboten.

aev/AFP/dpa

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