Terrorvorwürfe in der Türkei Deutscher seit einem Jahr ohne Anklageschrift in Haft

Wechselnde Staatsanwälte, keine Anklageschrift, Einzelhaft: Seit fast genau einem Jahr sitzt ein 73 Jahre alter Deutscher in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis. Seine Tochter sagt, es gehe ihm schlecht.

Enver Altayli
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Enver Altayli


Der Streit um den US-Pastor Andrew Brunson und die Kritik am baldigen Staatsbesuch Recep Tayyip Erdogans in Deutschland zeigen dieser Tage wieder einmal den Konflikt zwischen der Türkei und dem Westen auf. Währenddessen sitzt Enver Altayli, ein 73 Jahre alter Deutscher, seit fast genau einem Jahr in türkischer Untersuchungshaft. Das sagte seine Tochter Zehra der Nachrichtenagentur dpa. Eine Anklageschrift? Gebe es immer noch nicht.

Altayli sitzt wegen Terrorvorwürfen im Hochsicherheitsgefängnis Sincan in Ankara ein. Er sei weiter in Einzelhaft, sagt seine Tochter. Es gehe ihm schlecht. Atayli war im vergangenen Jahr in Antalya festgenommen worden, wo die Familie eine Ferienanlage betreibt. Nach dem Protokoll der Gerichtsverhandlung zur U-Haft wird er verdächtigt, für die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen Straftaten begangen zu haben. Altayli weist alle Vorwürfe zurück. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.

"Wir haben Angst, dass ihm was passiert, während er in Einzelhaft ist und niemand hinschaut", sagte die Tochter. Ihr Vater habe sehr abgenommen, sein Blutdruck sei hoch, und er habe Schilddrüsen- und Magenprobleme. "Er hatte schon zwei Magenblutungen in seinem Leben. Eine weitere würde er vielleicht nicht überleben, sagen die Ärzte." Die Tochter fordert, dass die Haftbedingungen des Vaters gelockert werden und sein Status als "gefährlicher Häftling" geändert wird.

Immer wieder wechselt der Staatsanwalt

Am 20. August wird Altayli genau ein Jahr in Haft sein. Zweimal habe schon der Staatsanwalt gewechselt, jetzt sei der dritte dran, sagt Tochter Zehra Der. Jeder Wechsel verlängere den Prozess. "Ich glaube, das wird systematisch so gemacht. Denn jedes Mal, wenn wir nach einer Anklageschrift oder dem Prozess fragen, können die Staatsanwälte sagen, dass sie noch neu sind oder sich noch einlesen müssen", sagte sie.

Zudem hofft die Tochter darauf, dass die Bundesregierung weiter Druck ausübt, um ihren Vater und andere deutsche Häftlinge freizubekommen. Außenminister Heiko Maas hatte Ankara zuletzt die Freilassung des US-Pastors nahegelegt. Brunson steht wegen Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest. Er war im Oktober 2016 in der Türkei festgenommen worden. Zwischenzeitlich hatte Ankara den USA vergeblich einen Gefangenenaustausch von Brunson gegen Gülen vorgeschlagen.

Um den Druck auf die Türkei zu erhöhen, hatte US-Präsident Donald Trump am Freitag einige Strafzölle gegen die Türkei verdoppelt. Die türkische Lira brach daraufhin auf neue Tiefstände ein. Der türkische Präsident Erdogan wiederum kündigte einen Boykott auf elektronische Produkte aus den USA an.

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Maas verwies auch darauf, dass auch deutsche Staatsbürger aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert seien. Es sei wünschenswert, wenn die Türkei nicht nur den Fall Brunson, sondern auch die deutschen Fälle lösen würde. "Es ist gut, dass der Außenminister die Deutschen in türkischen Gefängnissen angesprochen hat", sagte Zehra Der.

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren sind auch Dutzende Deutsche festgenommen worden. Das hatte zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt. Nach offiziellen Angaben aus der vergangenen Woche sitzen derzeit noch sieben Deutsche aus "politischen Gründen" in Haft. Ihr Schicksal wird unter anderem bei einem Besuch Erdogans in Deutschland Ende September Thema sein.

aev/dpa

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