Berichterstattung über Türkei Erdogan-Berater attackiert deutsche Medien

Ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan hat deutschen Medien regierungsfeindliche Berichterstattung vorgeworfen. Er droht: Diese würden noch lernen, dass niemand "den türkischen Staat so schamlos angreifen" dürfe.

Ministerpräsident Erdogan: Bulut will "organische Verbindungen" zwischen deutschen und türkischen Medien untersuchen
AP/dpa

Ministerpräsident Erdogan: Bulut will "organische Verbindungen" zwischen deutschen und türkischen Medien untersuchen


Istanbul - Ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat deutschen Medien wegen der aus seiner Sicht zu kritischen Berichterstattung gedroht. Man habe zur Kenntnis genommen, dass "ein Teil der deutschen Medien" regierungsfeindlich berichte, schrieb Erdogan-Berater Yigit Bulut in seiner am Montag in der regierungsnahen Zeitung "Star" veröffentlichten Kolumne.

Diese Medien würden noch lernen, dass niemand "den türkischen Staat, die Regierung, den Ministerpräsidenten so schamlos angreifen" dürfe, schrieb Bulut. "Organische Verbindungen" eines Teils der deutschen Medien mit der Türkei müssten untersucht werden.

Konkrete Namen nannte Bulut nicht. Doch der Verweis auf "organische Verbindungen" zwischen deutschen und türkischen Medien ist eine Anspielung auf die Kooperation zwischen dem Axel-Springer-Verlag, der die "Bild"-Zeitung herausgibt, und dem türkischen Medienkonzern Dogan, der eine relativ regierungskritische Linie fährt.

Westliche Medien waren in der Vergangenheit bereits häufiger von der Regierung kritisiert worden. Während seines Auftritts in Köln vor gut einer Woche hatte Erdogan die Berichterstattung über das Bergwerksunglück von Soma in Deutschland bemängelt: Ein Teil der deutschen Medien habe versucht, das Unglück für sich auszuschlachten und die türkische Regierung beleidigt. Kritik am Umgang der türkischen Polizei mit Demonstrationen sei ebenfalls verfehlt, denn bei diesen handele es sich um "Terrorakte".

Bei einer Demonstration zum Jahrestag der Gezi-Proteste am Samstag war der Korrespondent des US-Senders CNN, Ivan Watson, während einer Live-Schalte vom Istanbuler Taksim-Platz vorübergehend von der Polizei festgesetzt worden.

sun/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ericstrip 02.06.2014
1. Erdogan droht...?
...auf welcher Grundlage?!?
billy23 02.06.2014
2. Die sind das nicht gewöhnt
Was erwarten sie den von Antidemokraten, die sind das nicht gewöhnt das man sie kritisiert..... Am besten nur loben ansonsten Schnautze halten.... Weiter so SPON ich als Türke bin sehr froh das es solche mutigen und unabhängige Medien gibt
viktord 02.06.2014
3. Was soll das?
Genauso gut könnte man manchen Kommentatoren hier unterstellen, Sie würden im Auftrag der türkischen Regierung auftreten... Was dort geschieht ist nunmal gegen jede Moral und Anstand! Wirtschaft hin oder her, wenn es gegen (!) Andersdenkende geht, gibt es einfach keine Entschuldigung!
eisenhower2.0 02.06.2014
4. Kopfschüttel
Langsam kann einem Angst und Bange werden.Das ist eine offene Drohung!!!!
docker 02.06.2014
5. Vielleicht
Zitat von sysopAP/dpaEin Berater des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan hat deutschen Medien regierungsfeindliche Berichterstattung vorgeworfen. Er droht: Diese würden noch lernen, dass niemand "den türkischen Staat so schamlos angreifen" dürfe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-erdogan-berater-bulut-droht-deutschen-medien-a-972878.html
Vielleicht sollte man den hinterfotzigen Arschtritt, der von Erdogan-Beratern so gerne an hilflosen Demonstranten ausgeübt wird, als allseits anerkannte diplomatische Geste akzeptieren und Erdogan bei nächster Gelegenheit in den Genuss derselben kommen lassen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.