Türkei Erdogan lehnt Entschuldigung bei Armeniern ab

Der türkische Ministerpräsident Erdogan lehnt eine Entschuldigung bei den Armeniern für die an ihnen begangenen Massaker im Osmanischen Reich weiter ab. Eine von türkischen Intellektuellen veröffentlichte Petition, die die Armenier um Verzeihung bittet, wies er scharf zurück.


Ankara - Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat eine türkische Internetkampagne mit der Bitte um Verzeihung für Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich kritisiert. Er akzeptiere diese Initiative nicht, sagte Erdogan am Mittwoch. "Ich habe kein Verbrechen begangen, warum soll ich mich entschuldigen?", erklärte er

Premier Erdogan: "Warum soll ich mich entschuldigen?"
REUTERS

Premier Erdogan: "Warum soll ich mich entschuldigen?"

Eine Bitte um Verzeihung sei nicht logisch, weil diese von Tätern kommen müsse. Pensionierte türkische Diplomaten hatten die Initiative schon zuvor in einer Erklärung als falsch und schädlich für die nationalen Interessen der Türkei bezeichnet.

Türkische Intellektuelle bitten in einem seit Montag im Internet verbreiteten Aufruf um Verzeihung für Massaker. Mehr als 5000 Menschen unterzeichneten in den ersten 24 Stunden den Text, in dem um Entschuldigung für die "große Katastrophe" während des Ersten Weltkriegs gebeten wird. Als "Völkermord" werden die Taten nicht bezeichnet.

"Ich entschuldige mich", lautet die Überschrift des Aufrufs. "Mein Gewissen akzeptiert nicht, gegenüber der Leugnung der Großen Katastrophe, die den Armeniern des Osmanischen Reiches widerfahren ist, gleichgültig zu bleiben. Ich weise diese Ungerechtigkeit zurück und entschuldige mich bei meinen armenischen Brüdern und Schwestern, deren Gefühle und Schmerzen ich teile." Zu den Erstunterzeichnern gehört der deutsche Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir.

Armenien hat von der Türkei eine Anerkennung der Gewalttaten von 1915 als Völkermord verlangt. Bei Massakern im Osmanischen Reich sollen nach Schätzungen bis zu 1,8 Millionen Armenier ums Leben gekommen sein. Die Türkei geht dagegen von etwa 200.000 Toten aus und bestreitet den Vorwurf eines Völkermordes. Seit einigen Monaten sind die jahrzehntelangen Erzfeinde Türkei und Armenien um eine Normalisierung der Beziehungen bemüht.

amz/AP/dpa



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