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Umstrittener Präsident der Türkei: Erdogan nennt Geburtenkontrolle "Verrat"

Erdogan: Ein oder zwei Kinder seien "nicht genug" Zur Großansicht
AP

Erdogan: Ein oder zwei Kinder seien "nicht genug"

Recep Tayyip Erdogan äußert sich gern provokant. Jetzt hat der türkische Präsident auf der Hochzeitsfeier eines Freundes gesprochen - und Geburtenkontrolle als "Verrat" verurteilt.

Istanbul - Mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau hat Recep Tayyip Erdogan nicht viel im Sinn. Eine komplette Gleichstellung der Geschlechter sei "gegen die Natur", sagte der türkische Staatschef vor wenigen Wochen. Zudem habe der Islam für die Frau die Rolle der Mutter vorgesehen. Bei anderen Gelegenheiten verurteilte Erdogan Abtreibungen, die Pille danach und Kaiserschnitt-Operationen.

Jetzt legte der frühere Premier nach: Die Geburtenkontrolle bezeichnete er als eine Art Landesverrat. Damit werde der Stammbaum der Türken ausgetrocknet, warnt Erdogan in einem Video von einer Hochzeit seines Freundes und Geschäftsmannes Mustafa Kefeli, das am Montag von der Zeitung "Radikal" veröffentlicht wurde.

Erdogan, der Trauzeuge bei der Heirat des Geschäftsmanns war, forderte das Paar auf, mindestens drei Kinder zu bekommen. Die Förderer von Geburtenkontrolle seien darauf aus, "unsere Generation auszutrocknen", sagte der Präsident. Ein oder zwei Kinder seien "nicht genug", fordert er von dem Hochzeitspaar. Er selbst hat vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter.

"Eins ist gleichbedeutend mit Einsamkeit, zwei bedeutet Rivalität, drei Gleichgewicht und vier Wohlstand", sagte Erdogan. Dann setzte er noch hinzu: "Um den Rest kümmert sich Gott."

Der Präsident hat in der Vergangenheit schon öfter das Schrumpfen der Geburtenrate in seinem Land beklagt und auf die ökonomische Bedeutung einer wachsenden Bevölkerung hingewiesen. Erdogan hatte 2012 den Versuch gestartet, Abtreibungen für ungesetzlich zu erklären und erst nach öffentlichen Protesten von den Plänen abgesehen.

als/AFP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
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1. Türkischer Lebensborn?
fridagold 22.12.2014
Kann sich das Staatsoberhaupt bitte aus persönlichen Entscheidungen seiner Wähler (es sind keine Untertanen!) heraushalten?
2. Nicht so leicht
neuronensalat 22.12.2014
Wir hatten im Westen jede Menge Politiker und Priester, die in die Familienplanung hineinreden wollten. Klappt aber meistens nicht :-)
3. 4 bedeutet Wohlstand?
norman.schnalzger 22.12.2014
Bei seinem Gehalt, der Korruption und seinen Palästen, vielleicht.
4. Hoffnung nicht verlieren!
falke34 22.12.2014
Leider erfährt das türkische Volk oft nicht mehr die Wahrheit. Die Presse ist inzwischen fast komplett gleich geschaltet und die Gewaltenteilung aufgehoben worden. Ich hoffe deshalb für das türkische Vollk, dass es Herrn Erdogan schnell wieder los wird!
5. Es ist eine Auszeichnung, von Erdogan als
syracusa 22.12.2014
Erdogan nennt ja auch Korruptionsbekämpfung Verrat (und verfolgt die Polizisten und Staatsanwälte, die solchen "Verrat" begehen), und er nennt Pressefreiheit Verrat (und lässt Journalisten inhaftieren, die es wagen, was anderes als Lobhudeleien über ihn zu schreiben), und er nennt Gerechtigkeit Verrat (und entlässt Richter, die Urteile schreiben, die nicht in seinem Sinne sind), und er nennt Religionsfreiheit Verrat (und behindert die Religionsausübung aller nicht-sunnitischen Muslime und aller Nicht-Muslime sowieso), und er nennt die Gleichberechtigung der Geschlechter Verrat, und andere sexuelle Orientierungen als seine eigene sowieso. Ich würde das ganze kürzer formulieren: Erdogan verrät die Werte der Aufklärung, verrät Menschen- und Bürgerrechte, verrät Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Es ist eine Auszeichnung, von Erdogan als "Verräter" bezeichnet zu werden.
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