Korruption Erdogans Minister sollen 60 Millionen Dollar eingesteckt haben

Zum ersten Mal gibt es konkrete Zahlen in der türkischen Korruptionsaffäre: Rund 60 Millionen Dollar könnten Politiker der Regierung Erdogan angenommen haben - das meldet eine der Opposition nahe Zeitung. Vor allem ein Minister wird schwer beschuldigt.

Türkischer Premier Erdogan: Konkrete Vorwürfe gegen Minister
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Türkischer Premier Erdogan: Konkrete Vorwürfe gegen Minister


Ankara - Seit Wochen tobt der Korruptionsskandal in der Türkei, Minister müssen gehen, Polizeispitzen werden entmachtet. Bisher war jedoch noch offen, um was für Beträge es bei den Untreuevorwürfen gegen hohe Politiker geht. Nun sind offenbar erstmals konkrete Summen bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft wirft vier ehemaligen Ministern laut einem Pressebericht vor, zusammen mehr als 60 Millionen Dollar (rund 44 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern angenommen zu haben.

Das gehe aus den Anträgen der Justiz auf Aufhebung der parlamentarischen Immunität der Politiker hervor, meldete die Oppositionszeitung "Cumhuriyet" am Donnerstag. Noch ist offen, ob und wann das Parlament über die Anträge entscheiden wird. Derzeit liegen die Anträge beim Justizministerium.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan betrachtet die Ermittlungen als politisch motivierte Aktion regierungsfeindlicher Kräfte im Staatsapparat. Im Zuge der Affäre mussten jedoch schon mehrere Minister ihr Amt abgeben. Zudem ließ Erdogan zahlreiche hohe Polizisten und Ermittler zwangsversetzen.

Die Anträge richten sich gegen langjährige Minister der Regierung Erdogan, die nach Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe im Dezember zurückgetreten waren. Ex-Wirtschaftsminister Zafer Caglayan allein soll 52 Millionen Dollar eingesteckt haben, so das Blatt.

Weitere zehn Millionen Dollar gingen laut "Cumhuriyet" an Ex-Innenminister Muammer Güler, und 1,5 Millionen Dollar an den ehemaligen EU-Minister Egemen Bagis. Die Staatsanwaltschaft verlangt auch die Aufhebung der Immunität von Ex-Bauminister Erdogan Bayraktar; die genauen Vorwürfe gegen ihn blieben aber unklar.

Istanbuler Staatsanwälte hatten am 17. Dezember mehrere Dutzend Verdächtige festnehmen lassen, darunter auch die Söhne von zwei Ministern. Bei dem Skandal geht es unter anderem um die Bestechung von Politikern, mit der illegale Goldgeschäfte der staatlichen Halkbank mit Iran verheimlicht werden sollten, sowie um illegale Bauvorhaben.

jok/AFP



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insgesamt 23 Beiträge
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redbayer 16.01.2014
1. Nur
60 Millionen Bestechungsgelder? Offenbar trägt die Säuberung von Erdogan in Polizei und Justiz erste Früchte. Man findet nicht mehr soviel. Am Anfang war die Rede von Koffern und Reisetaschen voller Millionenbeträge, die bei Familienangehörigen der ehrenwerten Minister gefunden wurden. Jetzt muss man schon Kleckerbeträge zusammenzählen, um noch medienwirksame Zahlen zu bekommen. Für Erdoan wäre es besser er würde sich schnell mit der EU auf einen Beitritt einigen, dann würden die Millionen (hauptsächlich aus Deutschland) von selbst fließen und seine Minister bräuchten sich nicht mehr mühsam um Bestechungsgelder kümmern.
sergud 16.01.2014
2. Gegen seinen Sohn
wird auch ermittelt. Aber nicht mehr lange. Ich habe heute in der türkischen presse gelesen, dass der ermittelnde Staatsanwalt auch schon entlassen wurde. Ein Minister hat im Interview gesagt dass Erdogan Allah's Eigenschaften inne hätte. Ich frage mich was die geraucht haben. Türkei ist mittlerweile eine Bananen Republik. Was anderes fällt mir dazu nicht ein.
frubi 16.01.2014
3. .
Zitat von sysopAFPZum ersten Mal gibt es konkrete Zahlen in der türkischen Korruptionsaffäre: Rund 60 Millionen Euro könnten Politiker der Regierung Erdogan angenommen haben - das meldet eine der Opposition nahe Zeitung. Vor allem ein Minister wird schwer beschuldigt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-erdogans-minister-sollen-60-millionen-euro-veruntreut-haben-a-943904.html
Wie im jedem anderen LAnd auch. Bei uns nennt man das "Wechsel von Politik in die Wirtschaft".
sergud 16.01.2014
4. In der Wohnung
seines Sohnes (Erdogan) wurde unter Anderem eine Geldzählmaschiene sichergestellt. Ich kann euch versichern, auch inder Türkei gehört eine Geldzählmaschiene nicht zur Grundausstattung eines Privathaushaltes. ...Aber hat was... so viel Dreistigkeit.
optional_muenchen 16.01.2014
5. Nur!!
Zitat von redbayer60 Millionen Bestechungsgelder? Offenbar trägt die Säuberung von Erdogan in Polizei und Justiz erste Früchte. Man findet nicht mehr soviel. Am Anfang war die Rede von Koffern und Reisetaschen voller Millionenbeträge, die bei Familienangehörigen der ehrenwerten Minister gefunden wurden. Jetzt muss man schon Kleckerbeträge zusammenzählen, um noch medienwirksame Zahlen zu bekommen. Für Erdoan wäre es besser er würde sich schnell mit der EU auf einen Beitritt einigen, dann würden die Millionen (hauptsächlich aus Deutschland) von selbst fließen und seine Minister bräuchten sich nicht mehr mühsam um Bestechungsgelder kümmern.
ja redbayer, 60 Mio liegen derzeit auf dem Tisch. Die Staatsanwaltschaft hat eigentlich wesentlich größere Summen in petto, und auch Haftbefehle etc. erlassen. Aber Erdogans Polizei verweigert die Arbeit und geht den Strafanträgen einfach nicht nach. Erdogans Filius steckt bis über beide Ohren mit im Dreck, er sollte vor Gericht aussagen, aber Papa hat ihn schnell versteckt, und die Staatsanwaltschaft musste in die Röhre glotzen. Zuletzt wurde Bilal, der Sohn, im Dienstwagen von Erdogan gesichtet: Die Message: das Recht in der Türkei mache ich, nicht irgendwelche Staatsanwälte. So gesehen braucht Tayyip nicht in die EU, wenn er sich in der Türkei doch bald selbst zum Padisah ausruft...
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