Eklat um Sicherheitskräfte Wo Erdogans Bodyguards zuschlagen

Mit Tritten und Schlägen gingen Sicherheitskräfte von Recep Tayyip Erdogan im Mai gegen Demonstranten in den USA vor. Der Fall hat ein diplomatisches Nachspiel - der erste Aussetzer dieser Art war es nicht.

AP/ Voice of America

Washington, am 16. Mai 2017: Mitten am Tag tobt auf perfekt gemähtem Rasen eine Schlägerei am Sheridon Circle. Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan demonstrierten zuvor friedlich - bis sie auf dessen Anhänger und Sicherheitskräfte stießen. Videos zeigen, wie Erdogans Bodyguards auf Demonstranten einschlagen, am Boden liegende Personen treten. Die Prügelei wird nur mit großer Mühe von der US-amerikanischen Polizei gestoppt. Zwölf Menschen erleiden Verletzungen.

Der türkische Präsident selbst sah aus einiger Entfernung aus dem Auto zu. Ein weiteres Video zeigt, wie Erdogan zuvor seinen Sicherheitskräften Anweisungen gibt. Daraufhin bewegen sich diese auf die Demonstranten zu und schlagen auf sie ein.

Am Donnerstag hat die US-Justiz Haftbefehl gegen zwölf Mitarbeiter des Sicherheitsteams erlassen. US-Außenminister Rex Tillerson begrüßte die Entscheidung als "klares Zeichen". Erdogan dagegen kritisierte die Haftbefehle scharf. Seine Regierung werde politisch und juristisch reagieren, so der türkische Präsident.

Nun läuft das diplomatische Nachspiel: US-Botschafter John Bass wurde vom türkischen Außenministerium einbestellt. Es fehle die rechtliche Grundlage für die Haftbefehle, so der Vorwurf. Zudem hätten die lokalen Behörden es nicht geschafft, mit Blick auf die sogenannten Demonstranten geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.

Für die türkisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet das nichts Gutes. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten war bereits angespannt seit Barack Obamas Entscheidung die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG mit Waffen im Kampf gegen die Miliz "Islamischer Staat" in Syrien zu unterstützen. Ankara stuft die YPG als Terrorgruppe ein und verurteilt die US-Hilfe scharf.

Wo Erdogans Sicherheitskräfte noch negativ aufgefallen sind:

Die Prügelei in Washington ist nicht der erste Vorfall, bei dem Mitarbeiter von Erdogans Sicherheitsteam im Ausland mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen sind:

  • Soma (Türkei) - Mai 2014: Es ist der Ort des schweren Minenunglücks mit 301 Toten. Der enge Berater Erdogans, Yusuf Yerkel, tritt mit Wucht einen regierungskritischen Demonstranten, während militärische Kräfte diesen festhalten. Das Foto wurde zum Symbol für den Umgang der Regierung mit der Bergbaukatastrophe.
  • Brüssel - Oktober 2015: Bei einem Besuch Erdogans in der belgischen Hauptstadt geraten seine Bodyguards und die belgische Polizei am Brüsseler Place Stéphanie aneinander. Am nächsten Tag gibt es eine erneute Auseinandersetzung. Im Val Duchesse Chateau streiten sich Erdogans Mitarbeiter und das belgische Sicherheitspersonal um die Frage, wer für die Absicherung der Räume zuständig sei, in denen Erdogan sich aufhalten würde. Es kommt zu Handgreiflichkeiten.
  • Ecuador - Februar 2016: Während einer Konferenz, die der türkische Präsident in Quito am National Higher Studies Institute besucht, rufen Frauen "Raus aus Ecuador, Erdogan". Die Bodyguards dulden den Protest wenige Sekunden, bevor sie die Frauen rabiat niederdrücken und aus dem Saal zerren. Erdogan kommentiert das Geschehen mit den Worten: "Wie wir sehen, gibt es manchmal respektlose Menschen. Respektlosigkeit erhält immer die angemessene Antwort." Kurdische Demonstranten, die sich versammelt hatten, sollen die Securitys ebenfalls angegriffen haben. In dem Gemenge brechen sie dem ecuadorianischen Parlamentsmitglied, Diego Vintimilla, laut dessen Aussage die Nase.
  • Washington - April 2016: Während eines Vortrags Erdogans am Brookings Institution in Washington attackieren die Bodyguards des Präsidenten friedliche Demonstranten auf der Straße. Sie beschimpfen Journalisten und werfen einen Reporter aus dem Saal.
Vorfall in Soma (Türkei, 2014)
DPA/ Depo Photos

Vorfall in Soma (Türkei, 2014)

Auch beim anstehenden G-20-Gipfel wird Erdogan wieder mit seinem Security-Team bei einer internationalen Großveranstaltung auftreten. Wobei er dieses Mal sein Team vergrößern dürfte. In Hamburg sind deutlich mehr Demonstranten zu erwarten als in Washington.

rap



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