Frist für Waffenruhe in Syrien: Erdogan droht Assad-Regime

Ruhig will der türkische Premier Erdogan auf die bevorstehende Waffenruhe in Syrien warten. Sollte die Gewalt nach Verstreichen der Frist jedoch andauern, droht er dem Regime in Damaskus mit "Schritten". Noch scheint kein Ende des Blutvergießens in Sicht: Allein am Samstag starben 100 Menschen.

Türkischer Premier Recep Tayyip Erdogan: Drohgebärde Richtung Damaskus Zur Großansicht
AFP

Türkischer Premier Recep Tayyip Erdogan: Drohgebärde Richtung Damaskus

Ankara - Deutliche Worte aus Ankara: Die Türkei wird nach Angaben ihres Ministerpräsidenten ruhig auf die Einhaltung einer Waffenruhe in Syrien bis zum 10. April warten. Sollte die Gewalt danach aber andauern, könnten gewisse "Schritte" unternommen werden, sagte Regierungschef Recep Tayyip Erdogan am Samstag.

Was das für "Schritte" wären, sagte Erdogan nicht. In der Vergangenheit hatte er jedoch darüber gesprochen, einen Schutzkorridor im Grenzgebiet auf syrischer Seite einzurichten. Eine solche Pufferzone, so das Kalkül, würde Zivilisten Schutz bieten und potentielle Deserteure in Assads Truppen zur Fahnenflucht ermutigen.

Erst vor wenigen Wochen hatte Erdogan gesagt, diese Option werde geprüft - eine deutliche Drohung Richtung Damaskus. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der türkische Premier eine solche Aktion ohne internationale Unterstützung wagt. Zumal sie schon seit einem Jahr immer wieder diskutiert wird. Sicher hingegen ist, dass Erdogans Land weiter eine führende Rolle bei dem Versuch spielen wird, den Konflikt zu lösen.

Allein am Freitag flüchteten nach türkischen Angaben 700 Syrer über die Grenze ins Nachbarland. Die Zahl der syrischen Flüchtlinge stieg damit auf mehr als 24.000. Sollte der Zustrom anhalten, hat die Türkei angekündigt, Hilfe der Vereinten Nationen anzufordern.

Zweifel an den Zusagen des Assad-Regimes

Ab kommenden Dienstag, 6 Uhr Ortszeit, sollen in Syrien die Waffen niedergelegt werden - knapp 13 Monate nach Beginn des Konflikts. Viele Diplomaten zweifeln an den Zusagen des Assad-Regimes, weil es bereits in der Vergangenheit Versprechen nicht gehalten hat. Nach Uno-Angaben haben Assads Truppen seit Beginn der Unruhen mehr als 9000 Menschen getötet. Syriens Regime spricht dagegen von 6044 Toten, darunter 2566 Soldaten und Polizisten.

Ungeachtet der bevorstehenden Waffenruhe geht das Regime in Syrien weiter brutal gegen die Opposition vor. Nach Angaben von Aktivisten sind allein am Samstag mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, darunter mindestens 87 Zivilpersonen.

40 Menschen wurden bei einem Sturm des syrischen Heeres auf das Dorf Latamneh in der zentralen Provinz Hama getötet, wie das in London ansässige Syrische Observatorium für Menschenrechte erklärte. In der nahegelegenen Provinz Homs wurden laut Aktivisten die gleichnamige Stadt sowie von Rebellen gehaltene Viertel von Rastan, Deir Baalabeh und Kusair beschossen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zuletzt die syrische Führung aufgefordert, umgehend und ohne Vorbedingungen alle Militäroperationen gegen die syrische Bevölkerung zu beenden. Trotz der Zusage von Damaskus, bis Dienstag alle Soldaten und schweren Waffen aus Bevölkerungszentren abzuziehen, dauere die Gewalt in einem "alarmierenden Ausmaß" an, sagte Ban in einer Erklärung, die das Büro des Uno-Chefs in der Nacht zum Samstag in New York veröffentlichte.

Der Generalsekretär erinnerte die syrische Regierung an ihre Zusage, den Einsatz von schweren Waffen in Wohngebieten zu stoppen. Dennoch habe die Armee "unschuldige Zivilisten, darunter Frauen und Kinder", angegriffen. Die vom Weltsicherheitsrat befürwortete Frist bis zum 10. April sei "keine Entschuldigung für fortgesetztes Töten", sagte Ban.

aar/dapd/dpa

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1. Frage nach russischer Haltung
verbal_akrobat 07.04.2012
Zitat von sysopAFPRuhig will der türkische Premier Erdogan auf die bevorstehende Waffenruhe in Syrien warten. Sollte die Gewalt nach Verstreichen der Frist jedoch andauern, droht er dem Regime in Damaskus mit "Schritten". Noch scheint kein Ende des Blutvergießens in Sicht: Allein am Samstag starben 100 Menschen. Frist für Waffenruhe in Syrien: Erdogan droht Assad-Regime - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826309,00.html)
Assad; der einzige Freund von Mahmūd Ahmadī-Nežād und mit größter Waffenkäufer im russischen Putin Land. Egal, trotzdem rein...
2. Türkei vs Assad...
glücklicher südtiroler 07.04.2012
Zitat von sysopAFPRuhig will der türkische Premier Erdogan auf die bevorstehende Waffenruhe in Syrien warten. Sollte die Gewalt nach Verstreichen der Frist jedoch andauern, droht er dem Regime in Damaskus mit "Schritten". Noch scheint kein Ende des Blutvergießens in Sicht: Allein am Samstag starben 100 Menschen. Frist für Waffenruhe in Syrien: Erdogan droht Assad-Regime - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826309,00.html)
Assad fürchtet die nahen und mächtigen Türken weit mehr als den kriegsmüden Westen, der sich gerne hinter dem Veto Rußlands und Chinas versteckt. Vor vielen Jahre hatte die Türkei einmal den Syrern das Wasser abgedreht(um den eigenen Staudamm zu befüllen). Gleichfalls haben die Türken schon einmal den Syrern mit krieg gedroht. Damals hatte die Syrische Führung der PKK Unterschlupf, Camps und einen sicheren Rückzugsraum geboten. Also, Damaskus weis daß aus Ankara nicht nur leere Worte kommen. Im Westen ist die Empörung groß, aber er wird keinen Finger rühren. Dazu ist der Westen, speziell Europa, derzeit zuviel mit sich selbst beschäftigt. Man fürchtet dort eher einen Konflikt. Die Türken aber erkennen die Syrische Tragödie als Chance das eigene Gewicht in der Region zu erhöhen. Der Westen sollte sich dazu aufraffen, Ankara zu ermutigen in Nordsyrien einen Pufferstreifen einzurichten. Er könnte der Bevölkerung wirklich helfen und vielleicht eine Initialzündung Richtung Sturz Assads auslösen. Ansonsten wird das Land in einen Bürgerkrieg versinken oder Assad wird es gelingen eine Friedhofsruhe herzustellen. Denke es führt kein Weg drum herum. Der Westen zieht sich aus dieser Gegend eher zurück. Der US-Rückzug aus dem Irak ist ein Symptom dafür. Besser eine größere Macht nimmt den Platz ein. Das können nur die Türken sein. Die anderen fallen aus, die einen sind zu klein und der Iran steckt mitten im Iranatomkonflikt. Die Verschiebung sollte man begleiten anstatt sie zu konterkarieren. Europa ist erst wieder stark wenn die eigenen Problem gelöst sind. NO kann aber nicht warten. Und die USA können und sollen nicht alles alleine erledigen... Schian Gruaß...
3. Der Nebel verzieht sich langsam
laudato 08.04.2012
Zitat von sysopAFPRuhig will der türkische Premier Erdogan auf die bevorstehende Waffenruhe in Syrien warten. Sollte die Gewalt nach Verstreichen der Frist jedoch andauern, droht er dem Regime in Damaskus mit "Schritten". Noch scheint kein Ende des Blutvergießens in Sicht: Allein am Samstag starben 100 Menschen. Frist für Waffenruhe in Syrien: Erdogan droht Assad-Regime - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826309,00.html)
Es hat ein wenig gedauert , aber nun bekommt die ganze Sache Konturen , der grosse Nachbar will sich breit machen , nein mehr er will in das Gebiet bestimmen , nach Egypten und Lybien wo nur Berater geschickt worden sind , in Syrien soll ganze Arbeit geleistet werden , der Traum die kleine Amerika am Bosporus zu werden rückt langsam näher , jetzt ist es den Naiven Europäer langsam klar was sich hinter Syrienkonferenzen oder Fluchtlingslager sich verbirgt Sollte es gelingen können die Christliche Minderheiten schon jetzt einpacken.
4. "Schritte"...?!
crispychicken 08.04.2012
Zitat von sysopAFPRuhig will der türkische Premier Erdogan auf die bevorstehende Waffenruhe in Syrien warten. Sollte die Gewalt nach Verstreichen der Frist jedoch andauern, droht er dem Regime in Damaskus mit "Schritten". Noch scheint kein Ende des Blutvergießens in Sicht: Allein am Samstag starben 100 Menschen. Frist für Waffenruhe in Syrien: Erdogan droht Assad-Regime - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826309,00.html)
Oh! Man möchte noch etwas "warten", und dann unternimmt man "Schritte"..!!! Schön, dass ENDLICH etwas passiert.....
5.
einzelkönig 08.04.2012
Zitat von sysopAFPRuhig will der türkische Premier Erdogan auf die bevorstehende Waffenruhe in Syrien warten. Sollte die Gewalt nach Verstreichen der Frist jedoch andauern, droht er dem Regime in Damaskus mit "Schritten". Noch scheint kein Ende des Blutvergießens in Sicht: Allein am Samstag starben 100 Menschen. Frist für Waffenruhe in Syrien: Erdogan droht Assad-Regime - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826309,00.html)
Als direkte Nachbarn müssen sie früher oder später reagieren. Wenn tausende Verfolgte in die Türkei fliehen, dann bleibt eine Reaktion (schon allein wegen der Kosten, welche dem türkischen Staat deswegen entstehen) nicht aus. Die Massenflucht ist nur ein weiteres Indiz für Assads völkerrechtsverletzendes Vorgehen gegen das eigene Volk. Assad stellt sich damit in eine Reihe mit Hitler, Stalin, Mao...
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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