"Gedicht des Meisters" Ehemalige Miss Türkei wegen Präsidentenbeleidigung verurteilt

Der türkische Präsident Erdogan ist erneut juristisch gegen angebliche Verunglimpfungen vorgegangen. Diesmal traf es eine Schönheitskönigin.

Merve Büyüksarac
AP

Merve Büyüksarac


Sie postete ein Erdogan-kritisches Gedicht auf ihrem Instagram-Profil - dafür ist die ehemalige Miss Türkei, Merve Büyüksarac, jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Ein türkisches Gericht sah es als erwiesen an, dass das Model damit den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan persönlich beleidigt habe, teilte die Nachrichtenagentur DHA mit. Die Strafe von 13 Monaten Gefängnis setzte es zur Bewährung aus.

In dem Text mit dem Titel "Ustanin Siiri" (Das Gedicht des Meisters) geht es um Bestechung. Im Dezember 2013 war gegen Vertraute des damaligen Ministerpräsidenten Erdogan wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt worden. Unter Verdacht geriet auch Erdogans Sohn Bilal, der in dem Gedicht namentlich erwähnt wird.

Die 27-jährige Büyüksarac, die 2006 zur Miss Türkei gewählt worden war, verteidigte sich vor Gericht mit dem Hinweis, dass die aus einem Satiremagazin stammenden Verse fast eine Million Mal in sozialen Netzwerken verbreitet worden seien. Erdogans Anwalt argumentierte dagegen, das Gedicht, das abgewandelte Zitate der türkischen Nationalhymne enthält, beleidige den Präsidenten persönlich. Erdogan wird von seinen Anhängern als "Großer Meister" verehrt.

Das Gedicht wurde inzwischen aus dem Instagram-Profil des Models gelöscht.

Seit seinem Amtsantritt als Präsident vor knapp zwei Jahren hat Erdogan fast 2000 Beleidigungsklagen gegen Journalisten, Studenten und andere Bürger angestrengt. Kritiker werfen ihm vor, damit die Meinungsfreiheit im Land immer weiter einzuschränken.

Erdogan sagt dagegen, er wehre sich lediglich gegen ehrverletzende Angriffe. In Deutschland geht Erdogan derzeit juristisch gegen ein Schmähgedicht des ZDF-Satirikers Jan Böhmermann vor.

vks/dpa/AFP



insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
smendrik 31.05.2016
1. Inhalt des Gedichtes?
Hätte da nur ne bescheidene Bitte an SpON: Ist es möglich, das GEdicht im orginal und in einer deutschen Übersetzung auf SpON zu veröffentlichen? Ich würde mir gerne mal selbst eine Meinung bilden, ob dieses Gedicht eine Majestätsbeleidigung ist. Vielen herzlichen Dank im Voraus, Smendrik
antonwitt 31.05.2016
2. Erdogan
entwickelt sich mehr und mehr zum Berufsbeleidigten. Hat er nichts anderes zu tun, als sich in die Befindlichkeiten anderer Menschen und Länder einzumischen? Oder dient dies alles nur als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Richter, Anwälte und Zeugen, da andere Berufsbereiche wegfallen (z.B. Tourismus...). Ansonsten beginnt die Berichterstattung über den Sultan vom Bosporus langsam zu langweilen. Vielleicht ein paar Artikel über Bereiche, in denen er sich noch nicht eingemischt hat.
larsmach 31.05.2016
3. Türkei wird zur Karikatur ihrer selbst
Am "Großen Meister" müssen Karikaturisten und Satiriker schier verzweifeln: An dessen karikaturistische Leistung kommt keiner von ihnen heran!
yiogio 31.05.2016
4.
"Ihr kommt alle auf meiner schwarzen Liste!". Also in der Serie Stromberg war es noch lustig! Hier wirkt es lächerlich und krank. Wie sensibel muss man denn sein, um nicht über so etwas zu stehen?
pierrotlalune 31.05.2016
5.
ehrverletzende Angriffe, 2000 Beleidigungen in 2 Jahren, oder in 720 Tagen, spricht 3 Beleidigungen am Tag, die er anzeigt. Was macht Erdogan eigentlich den ganzen Tag, hat er nichts anderes zu tun. Ich meine alleine die Schreiben aufsetzen, zur Post bringen, oder persönlich abgeben, da geht doch viel Zeit drauf. Dann noch Zeit für ein Gespräch mit der duckenden devoten Kanzlerin, wo er die hiesige Regierung auf den gesunden Menschenverstand, hinweist. Also wenn das gesunder Menschenverstand was der Mann da veranstaltet, dann weiss ich bald nicht mehr wer drinne sitzt oder wer draußen, wo ist hier die Anstalt? Zum Ehrgefühl, noch soviel, dass auch hier Morde und andere fiese Sachen aus verletztem "Ehrgefühl" geschehen. Ich denke dass solche mittelalterliche Weltanschauung nicht zur heutigen Zeit passen und auch nicht zu den schrecklichen Ereignissen die im Nachabarland Syrien geschehen, dort geht es eigentlich auch um die Ehre. Ehret Ehret.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.