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Türkei: Tote und Verwundete bei Anschlag in Istanbul

Auf der beliebtesten Einkaufsstraße im Zentrum Istanbuls hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.

In der beliebtesten Einkaufsstraße Istanbuls hat es am Morgen eine heftige Explosion gegeben. Der Gouverneur von Istanbul sprach von fünf Todesopfern, laut dem türkischen Gesundheitsministerium gibt es zudem mindestens 36 Verletzte - sieben davon seien schwer verwundet.

Ein Selbstmordattentäter habe in der Istiklal-Straße ("Unabhängigkeits-Straße") im europäischen Teil der Metropole Passanten mit in den Tod gerissen, sagte der Gouverneur - Gerüchte über weitere Anschläge in Istanbul seien jedoch falsch.

Insgesamt zwölf Verletzte sind laut türkischem Gesundheitsministerium Ausländer. Mehrere Verwundete seien israelische Staatsbürger, teilte das israelische Außenministerium mit. Laut Auswärtigem Amt befinden sich unter den Opfern keine Deutsche. Diese werde nun im Krankenhaus behandelt. In weiteren Kliniken würden fünf Israelis, zwei Iren sowie je eine Person aus Island, dem Iran und Dubai versorgt.

Das Außenministerium rät deutschen Touristen in der türkischen Metropole, zunächst in ihren Hotels zu bleiben. Dort sollten sie sich über die Medien und die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts informiert halten, teilte das Ministerium mit. Anweisungen der türkischen Sicherheitskräfte sei unbedingt Folge zu leisten.

Krankenwagen und ein Großaufgebot der Polizei sind zum Ort der Detonation gekommen, auf Fernsehbildern von "Hürriyet TV " war der Abtransport von Verwundeten in der belebten Straße zu sehen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf einen Zeugen, dass Polizeihelikopter über dem Stadtzentrum kreisten. Die Polizei riegelte das Gebiet weiträumig ab. In der Nähe des Explosionsortes befindet sich ein Einkaufszentrum und das Bezirksamt.

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Fotostrecke: Terror in der Unabhängigkeitsstraße
Der Attentäter habe seinen Sprengsatz ursprünglich an einem Ort mit noch deutlich mehr Passanten detonieren lassen wollen, sagte ein Vertreter der türkischen Behörden laut der Agentur Reuters. Die Polizei habe ihn von diesem Vorhaben jedoch abgebracht, sodass es vergleichsweise wenige Todesopfer gebe.

Verantwortlich für den Anschlag könnte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder eine ihr nahestehende Gruppierung sein, hieß es weiter. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuolu sagte demnach, der Kampf gegen den Terrorismus werde mit voller Härte fortgeführt. Türkische Sicherheitskräfte hätten bereits drei kurdische PKK-Kämpfer an der Grenze zu Syrien gefasst oder getötet, zitiert die Agentur Reuters einen Beamten. Sie hätten weitere Anschläge geplant.

"Der Terror hat sein hässliches Gesicht gezeigt", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

Die Frontfrau der britischen Pop-Band Skunk Anansie wurde nach eigenen Worten Zeugin des tödlichen Anschlags. "Massive Bombenexplosion vor unserem Hotel", schrieb Skin auf Twitter. "Ich bin ok, sehr erschüttert, tote Menschen, schreckliche Szenen." Das Gebäude habe gezittert und viele Menschen seien verletzt. "Die Stadt ist gesperrt, überall bewaffnete Polizisten in Zivil, beängstigende Zeiten."

Am Donnerstag hatte Deutschland seine diplomatischen Vertretungen in Ankara und Istanbul wegen "sehr konkreter Hinweise" auf geplante Terroranschläge geschlossen. Die Warnungen waren nach Informationen von SPIEGEL ONLINE so konkret, dass sich das Auswärtige Amt sehr schnell zur Schließung von Botschaft, Konsulat und Deutscher Schule entschied. Die deutsche Schule liegt nur wenige Gehminuten von der Istiklal-Straße entfernt.

Die Sicherheitslage in der Türkei ist derzeit äußerst angespannt, immer wieder kommt es in dem Land zu Attentaten. Vor dem kurdischen Neujahrsfest Newroz am Montag wächst die Sorge vor weiteren Anschlägen. Erst am vergangenen Sonntag waren in der türkischen Hauptstadt Ankara bei einem Anschlag 37 Menschen getötet worden. Die PKK-nahe Splittergruppe "Freiheitsfalken Kurdistans", kurz Tak, übernahm die Verantwortung für das Attentat.

mxw/AP/AFP/Reuters/dpa

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Regierungschef: Ahmet Davutoglu (zurückgetreten); Binali Yildirim (designiert)

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