Festnahme von Osman Kavala Wie Erdogan die Zivilgesellschaft demontiert

Die türkische Regierung setzt ihren Feldzug gegen die Zivilgesellschaft fort: Nun ist Osman Kavala, Vorsitzender einer Kultur- und Menschenrechtsorganisation, in Haft. Seine Akte ist unter Verschluss.

Osman Kavala
AFP/ Photoshot/ NurPhoto

Osman Kavala

Von , Istanbul


Osman Kavala ist rastlos, ruhelos. Er ist ständig in der Türkei und in Europa unterwegs, um Projekte anzuschieben, Kooperationen zu beschließen, die türkische Zivilgesellschaft zu stärken.

Und so war er auch Anfang dieser Woche nicht in Istanbul, wo er lebt und wo seine Kultur- und Menschenrechtsorganisation "Anadolu Kültür" ihren Sitzt hat, sondern in Gaziantep, einer Stadt an der türkisch-syrischen Grenze. Kavala traf gemeinsam mit dem Goethe-Institut Partner aus der Region; es ging um künftige Kulturprojekte.

Auf dem Weg zurück nach Istanbul wurde Kavala am Mittwoch am Atatürk-Flughafen festgenommen. Sein Computer im Büro von "Anadolu Kültür" wurde beschlagnahmt. Kavala befindet sich nun für mindestens sieben Tage in Polizeigewahrsam. Erst danach soll entschieden werden, wie es mit ihm weitergeht.

Weiterer Schlag gegen die Zivilgesellschaft

Noch ist unklar, was genau die Behörden Kavala vorwerfen, die Antiterrorabteilung ermittelt. Die Akte zu dem Fall ist unter Verschluss gehalten, selbst Anwälte haben keinen Einblick.

Kavala gilt als einer der wichtigsten türkischen Intellektuellen. Er hat gemeinsam mit dem Literaturprofessor Murat Belge einst den Verlag Iletisim gegründet. Seine Organisation "Anadolu Kültür" ist an unzähligen Kultur- und Menschenrechtsprojekten in der Türkei beteiligt. Kavala ist auch in Europa hervorragend vernetzt. Er hat unter anderem mit dem Auswärtigen Amt zusammengearbeitet.

Die Festnahme Kavalas ist ein weiterer Schlag gegen die Zivilgesellschaft. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seit dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 rund 1400 Vereine und 139 Stiftungen per Dekret schließen lassen. Das Auswärtige Amt in Berlin wurde noch in der Nacht auf Donnerstag über den Vorgang informiert. Kati Piri, die Türkei-Berichterstatterin des Europaparlaments, kündigte an, sich für Kavala einzusetzen.

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