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Türkei gegen "Islamischen Staat": Erdogan für Einsatz von Bodentruppen in Syrien

Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien: Noch sind sie nur Zuschauer Zur Großansicht
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Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien: Noch sind sie nur Zuschauer

Kämpfer der Terrormiliz IS nähern sich der türkisch-syrischen Grenze. Mit Luftangriffen allein könne man sie nicht stoppen, sagt der türkische Präsident Erdogan. Das Parlament in Ankara soll am Donnerstag über einen Einsatz entscheiden.

Istanbul - Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich für den Einsatz von Bodentruppen in Syrien ausgesprochen. Luftangriffe allein reichten für eine dauerhafte Lösung im Anti-Terror-Kampf nicht aus, sagte er Journalisten der Zeitung "Hürriyet" auf der gemeinsamen Rückreise von der Uno-Generalversammlung in New York.

Erdogan wich allerdings der Frage aus, ob sich auch die Türkei an Bodeneinsätzen beteiligen würde. "Die Türkei wird alles tun, was ihre Pflicht ist", sagte er. "Wir werden dort sein, wo wir sein müssen."

Das Parlament in Ankara soll am Donnerstag darüber entscheiden, ob sich die Türkei der von den USA angeführten Koalition gegen die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) anschließt. Erdogan hatte schon in seiner Rede vor der Uno-Generalversammlung in New York eine militärische Unterstützung seines Landes im Kampf gegen die Terrormiliz in Aussicht gestellt.

Die Dschihadisten stehen an mehreren Stellen bereits direkt an der mehr als 900 Kilometer langen Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Die grenznahe Stadt Ain al-Arab, die von den kurdischen Einwohner Kobane genannt wird, steht derzeit unter schwerem Beschuss. Innerhalb weniger Tage sollen von dort 150.000 Kurden in die Türkei geflüchtet sein. Nach Schätzungen der Uno könnte die Zahl der Flüchtlinge bald auf 400.000 steigen.

"Kurden würden Pufferzone als Besatzung betrachten"

Um die türkisch-syrische Grenze zu sichern und die Flüchtlinge zu schützen, müssten Puffer- und Flugverbotszonen eingerichtet werden, sagte Erdogan laut "Hürriyet". Auch dazu seien Bodentruppen erforderlich. Ähnlich hatte sich zuvor US-Generalstabschef Martin Dempsey geäußert: Für einen Sieg über den IS seien am Boden bis zu 15.000 Mann nötig.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Montagsausgabe berichtet, haben Kurdenpolitiker in der Türkei bereits deutlich gemacht, dass sie keine von der türkischen Armee gesicherten "Pufferzonen" an der Grenze zu Syrien wollen. "Die Kurden würden dies als Besatzung betrachten", sagte Atilla Yazar, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation IHD, der Zeitung.

Zwischen der Türkei und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gibt es zwar einen Friedensprozess, doch dieser ist zerbrechlich. Türkische Nationalisten, aber auch westliche Kritiker der Waffenhilfe für die Kurden befürchten, dass die Waffen für die kurdische Peschmerga-Armee letztlich bei der PKK landen. Die wichtigste Kurdenmiliz in Nordsyrien, die YPG, ist eine Schwesterorganisation der PKK.

"Für die türkische Armee ist es sehr schwierig", sagte ein Soldat an der türkisch-syrischen Grenze der Nachrichtenagentur Reuters. "Der 'Islamische Staat' ist sehr gefährlich. Aber die YPG ist auch sehr gefährlich."

Dass sich die Türkei bislang nicht offiziell am Kampf gegen den IS beteiligt, hat auch mit dem außenpolitischen Dilemma zu tun, in das sich das Land manövriert hat: Die Regierung hat sich frühzeitig gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad gestellt und so gut wie alle Kräfte unterstützt, die gegen ihn kämpften - auch radikale Islamisten. Das militärische Eingreifen gegen den IS könnte nun das Assad-Regime stärken.

vet/AFP/Reuters

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Flugverbotszone
schmuella 29.09.2014
Wozu eine Flugverbotszone? Haben die IS-Terrormilizin neuerdings Kampfflugzeuge im Einsatz? Sieht mehr nach einer Maßnahme aus, die zum Ziel hat, Assad langfristig zu stürzen. Kombiniert mit einer vom Westen gut ausgebildeten und miltitärisch aufgerüsteten Opposition und "gezielten Luftschlägen" gegen die syrische Armee, wird der amerikanische Traum vielleicht doch noch Wirklichkeit.
2. Scheinheilig
WeißeTaube 29.09.2014
Wer tatsächlich glaubt, dass es Erdogan um die IS geht, irrt sich gewaltig. Diese Rechtfertigung kommt der Türkei perfekt gelegen. Sie würden die Kurden im Norden schwächen und ihre Fortschritte für die Autonomie in Gefahr bringen und gleichzeitig würden sie auch Assad versuchen militärisch zu schwächen. Und all das unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung, weshalb dieses Eingreifen von einigen auch als richtig empfunden wird.
3. Flugverbotszone?
tradepro 29.09.2014
Wozu eine Flugverbotszone? Verfuegt die IS ueber Flugzeuge? Ein trauriges Schauspiel was hier abgeht. Aus welchen Gruenden auch immer will man der IS nicht Herr werden. Kann mir doch keiner erzaehlen dass die westliche Welt der IS nicht Einhalt gebieten kann.
4.
tommyonafloat 29.09.2014
Wie oft muss eigentlich noch betont werden, dass die Stadt "von den Kurden Kobane genannt wird"?! Seit Tagen werden ZDF, ARD und diverse Blättchen nicht müde, das in jedem Beitrag noch einmal hervorzuheben... einigt euch doch einfach intern auf einen Ortsnamen und gut is!
5. Nato Beistands Situation moeglich ?
aufachse 29.09.2014
Moegliche Situation: Die Tuerkei marschiert direkt ueber ihre Grenze nach Syrien mit ihrer Armee ein, um gegen ISIS zu kaempfen. Waehrend des Kampfes stellt sich jedoch heraus, dass Isis wieder einermal unterschaetzt wurde und nun muss sich die Tuerkische Armee zurueckziehen. Isis folgt und marschiert nun in Tuerkei ein. Gilt dann eigentlich noch der Beistands Pakt fuer alle anderen Nato Mitglieder ? In diesem Falle heatte die Tuerkei ja den ersten Schritt gemacht. Aber die Tuerkei ist auch Nato Mitglied. Muessen deutsche Lanzer dann mit an die Front ? Wie sieht es damit aus, Freunde ?
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US-Bodentruppen in Syrien: Das hypothetische Szenario

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