Türkei Geheimdienst holte 80 mutmaßliche Gülen-Anhänger aus dem Ausland

Dutzende Menschen hat der türkische Geheimdienst seit dem Putschversuch von 2016 aus dem Ausland zurückgeholt. Die Aktionen gegen die angeblichen Staatsfeinde sollen alle legal abgelaufen sein.

Mutmaßliche Gülen-Anhänger bei der Verhaftung
AFP

Mutmaßliche Gülen-Anhänger bei der Verhaftung


Die türkische Regierung ging nach dem Putschversuch von 2016 nicht nur im Land rigide gegen mutmaßliche Anhänger des Predigers Fethullah Gülen vor. Auch im Ausland soll der Geheimdienst (MIT) die angeblichen Staatsfeinde ausgemacht haben. Regierungsangaben zufolge war der MIT in 18 Ländern an der Rückführung von türkischen Staatsbürgern und mutmaßlichen Gülen-Anhängern beteiligt. Dutzende Personen sollen wieder in die Türkei geholt worden sein.

"Der MIT hat bislang 80 Fetö-Anhänger aus 18 Ländern eingepackt und in die Türkei gebracht", sagte Regierungssprecher Bekir Bozdag am Donnerstag dem Sender Habertürk. Als Fetö (Fetullahistische Terrororganisation) bezeichnet Ankara die Bewegung um den in den USA lebenden Gülen. Die türkische Regierung sieht ihn als Drahtzieher des Putschversuchs.

In der Vergangenheit gab es vereinzelt Berichte über entsprechende Einsätze des türkischen Geheimdienstes im Ausland, doch ist es das erste Mal, dass die türkische Regierung eine Zahl der in die Türkei zurückgeholten Gülen-Anhänger nennt.

Die MIT-Operationen im Ausland seien ein "großer Schlag" gegen die Gülen-Bewegung, sagte Bozdag weiter. Wie genau diese Aktionen abliefen, sagte er nicht. Der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, sagte auf Nachfrage von Journalisten in Ankara, die Türkei sei an keinerlei illegalen Aktivitäten beteiligt gewesen und verwies auf das Kosovo. Dort seien die Rückführungen in Absprache mit den lokalen Behörden erfolgt.

Verlängerung des Notstands "offenkundig notwendig"

Ende März waren sechs türkische Lehrer und mutmaßliche Gülen-Anhänger aus dem Kosovo, allerdings ohne Wissen des kosovarischen Regierungschefs, in die Türkei abgeschoben worden. Der damalige Innenminister Flamur Sefaj, dessen Ministerium die Abschiebung veranlasst hatte, musste daraufhin gehen. Außerdem wurde der kosovarische Geheimdienstchef entlassen. Ministerpräsident Ramush Haradinaj begründete die Entscheidung damit, dass beide ihn nicht über diesen "inakzeptablen" Einsatz informiert hätten.

In der Türkei gilt seit dem Putschversuch der Ausnahmezustand. Den nutzen die türkischen Behörden um gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger, aber auch gegen Oppositionelle vorzugehen. Der Notstand läuft am 19. April aus. Bozdag sagte aber, es sei offenkundig, dass eine erneute Verlängerung notwendig sei.

vks/dpa/AFP



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