Deutsche Vertretungen in der Türkei Mehrere Nachrichtendienste warnten vor Attentat

Die deutschen Vertretungen in Ankara und Istanbul sind geschlossen, auch die Deutschen Schulen. Gleich drei ausländische Dienste warnten nach SPIEGEL-Informationen vor einem islamistischen Anschlag.

Türkischer Polizist vor geschlossenem deutschen Generalkonsulat in Istanbul
REUTERS

Türkischer Polizist vor geschlossenem deutschen Generalkonsulat in Istanbul


Der Schließung der deutschen Botschaft in Ankara ging offenbar eine eindringliche Warnung gleich dreier ausländischer Nachrichtendienste voraus. Nach SPIEGEL-Informationen teilten die US-amerikanische CIA, der türkische Geheimdienst MIT und der Sicherheitsapparat der kurdischen Peschmerga am Mittwoch dem Bundesnachrichtendienst mit, aus dem Umfeld des "Islamischen Staats" (IS) sei ein Selbstmordanschlag auf deutsche diplomatische Vertretungen oder deutsche Schulen in der Türkei geplant. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Übermittelt wurden auch ein Foto und der Name eines angeblich für den Anschlag vorgesehenen Täters. Als möglicher Zeitpunkt des Attentats wurden die Tage bis zum Sonntag genannt. Nach der Meldung tagte der Krisenstab des Auswärtigen Amts. Die Sicherheitsdienste stuften die Meldung als glaubhaft ein; die Bundesregierung beschloss, mehrere Einrichtungen in der Türkei vorläufig zu schließen. Dies geschah am Donnerstag, Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach in diesem Zusammenhang "von sehr konkreten Hinweisen".

Terrorwarnung auch für Nato-Airbase in Incirlik

Auch für die Nato-Airbase in Incirlik nahe der südtürkischen Stadt Adana gilt seit dem 10. März eine Terrorwarnung. Auf dem Gelände sind zurzeit sechs "Tornados", ein Tankflugzeug und 226 Soldaten der Bundeswehr stationiert, die Teil der internationalen Anti-IS-Mission sind. Bei einer Kontrolle waren vor Kurzem in einem Fahrzeug Waffen, darunter Dutzende Panzerfäuste, entdeckt worden. Die Türkei habe in Absprache mit ihren Partnern "aufgrund von sicherheitsrelevanten Ereignissen und Informationen die höchste Sicherheitsstufe" ausgerufen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Der Luftwaffenstützpunkt ist inzwischen für Zivilisten praktisch gesperrt, die militärischen Einsätze sind bislang nicht beeinträchtigt.

Auswärtiges Amt verteidigt Maßnahme

Die Vertretungen in der Türkei bleiben aus Sorge vor Terroranschlägen zunächst weiter geschlossen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wird die Botschaft in Ankara sowie das Generalkonsulat in Istanbul am Montag wieder öffnen. Das Goethe-Institut in Istanbul bleibt auch am Montag noch geschlossen.

Die stellvertretende Ministeriumssprecherin Sawsan Chebli verteidigte die Schließung gegen Kritik aus der Türkei. Es habe einen Warnhinweis der deutschen Sicherheitsbehörden auf einen "unmittelbar bevorstehenden Angriff" gegeben. Die Schließung sei deshalb "angemessen, richtig und notwendig". Im Januar hatte ein Selbstmordattentäter in Istanbul zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen.

Nach der Schließung deutscher Einrichtungen sind nach einem türkischen Medienbericht Ermittlungen gegen die Deutsche Schule in Istanbul eingeleitet worden. Die Schule habe die Entscheidung zur Schließung eigenmächtig getroffen, obwohl sie dem türkischen Bildungsministerium unterstellt sei, berichtete die regierungsnahe Zeitung "Sabah" am Freitag. Deutschland trage mit der "skandalösen Entscheidung" dazu bei, die Bevölkerung nervös zu machen.

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