Urteil in der Türkei "Cumhuriyet"-Mitarbeiter müssen ins Gefängnis

Ein türkisches Berufungsgericht hat die Urteile gegen frühere Journalisten und Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" bestätigt. Sie müssen mehrere Jahre in Haft.

Polizist von Cumhuriyet-Redaktion
AFP

Polizist von Cumhuriyet-Redaktion


Ihr Berufungsverfahren ist gescheitert - damit ist klar: Mehrere ehemalige Mitarbeiter der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" müssen ins Gefängnis. "Innerhalb weniger Tage" kämen sie in Haft, bestätigte am Montag ihr Anwalt.

Ein Gericht in Istanbul hatte zuvor den Einspruch von insgesamt 14 Angeklagten zurückgewiesen, die im vergangenen April zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Dabei handelt es sich um führende Journalisten und Mitarbeiter des regierungskritischen Blattes. Unter ihnen waren der Herausgeber Akin Atalay, Chefredakteur Murat Sabuncu und der Kolumnist Kadir Gürsel.

Die Angeklagten waren wegen der Unterstützung verschiedener Terrororganisationen zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und acht Jahren verurteilt worden. Jene Verurteilten, die mehr als fünf Jahre erhielten, können nun noch Einspruch vor dem Kassationsgericht einreichen. Das Verfahren von zwei abwesenden Angeklagten - darunter Ex-Chefredakteur Can Dündar, der im Exil in Deutschland lebt - wurde abgetrennt und wird fortgesetzt.

Prozess nicht das einzige Problem der Zeitung

Die "Cumhuriyet"-Mitarbeiter waren im Oktober 2016 unter dem Vorwurf festgenommen worden, die islamische Gülen-Bewegung, die kurdische PKK-Guerilla und die linksextreme Gruppierung DHKP-C zu unterstützen. International wurde der Prozess gegen die links-nationalistische Zeitung als politisch motivierter Versuch der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisiert, eine der letzten kritischen Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Allerdings war der Prozess zuletzt nicht das einzige Problem der traditionsreichen Zeitung. Nachdem es schon lange einen internen Kampf um die Ausrichtung des Blatts gegeben hatte, setzte sich im vergangenen September der ultranationalistische Flügel durch. Nach einem Wechsel in der Führung der Zeitung gab es eine Welle von Entlassungen und Kündigungen, in deren Zuge auch die meisten Angeklagten das Blatt verließen.

kev/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.