Offensive gegen PKK Luftwaffe greift Kurden auf türkischem Boden an

Die Türkei setzt ihre Angriffe auf die kurdische PKK fort. Kampfjets flogen nun auch Angriffe über türkischem Boden. Die Rebellen hätten zuerst das Feuer eröffnet, heißt es in einer Erklärung.

Ein türkischer F-16-Jet: "Luftangriffe ausgeführt"
REUTERS

Ein türkischer F-16-Jet: "Luftangriffe ausgeführt"


Die Türkei geht seit Tagen mit Luftangriffen auf mutmaßliche Stellungen gegen die PKK im Norden Iraks vor - nun beschießt sie die Kurdenrebellen auch auf eigenem Boden. Kampfjets sollen am Dienstag Kurden im Südosten der Türkei angegriffen haben. "Zwei F-16-Jets haben um 15.10 Uhr Ortszeit (14.10 Uhr MESZ) Luftangriffe gegen die Terroristengruppe ausgeführt", teilten die türkischen Streitkräfte auf ihrer Internetseite mit.

Der Einsatz erfolgte nach Angaben Ankaras in der bergigen Region Sirnak nahe der Grenze zum Irak. Zuvor hätten die kurdischen Rebellen das Feuer auf türkische Sicherheitskräfte eröffnet, hieß es in der Erklärung der Armee weiter.

Ebenfalls am Dienstag war ein türkischer Unteroffizier im vorwiegend von Kurden bewohnten Südosten der Türkei erschossen worden. Die türkische Armee machte in einer Erklärung zu dem Vorfall die PKK dafür verantwortlich. Der Unteroffizier wurde demnach angegriffen, als er in Zivilkleidung vor einer Bank stand. Er sei im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Friedensprozess mit der PKK zuvor vorläufig für beendet erklärt. Erdogan sagte, es sei "unmöglich", einen Friedensprozess mit denjenigen fortzusetzen, die "die nationale Einheit" bedrohten. Seit 2012 liefen Friedensgespräche mit dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan.

Der Konflikt zwischen der Türkei und der kurdischen Arbeiterpartei war vergangene Woche eskaliert, nachdem es eine Serie von Anschlägen auf türkische Polizisten und Soldaten gegeben hatte. Die Regierung in Ankara macht dafür die PKK verantwortlich und flog seit Freitag Angriffe gegen deren Stellungen im Nordirak.

Türkische Angriffe gegen IS und PKK: Wie der Konflikt eskaliert
Montag, 20. Juli 2015

Bei dem Selbstmordanschlag vor dem Kulturzentrum in Suruc im Südosten der Türkei werden 32 Menschen getötet, die meisten davon Studenten. Rund hundert Menschen werden verletzt. Suruc liegt nur zehn Kilometer von der zerstörten syrischen Stadt Kobane entfernt. Den türkischen Behörden zufolge ist die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) für das Attentat verantwortlich.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Zwei türkische Polizisten werden in der Stadt Ceylanpinar getötet. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK bekennt sich zu den Morden. Sie seien als Vergeltung für das Attentat in Suruc verübt worden, heißt es in einer Erklärung. Viele Kurden werfen der türkischen Regierung schon lange vor, die Extremistenmiliz IS in Syrien heimlich zu unterstützen, um die Kurden zu schwächen. Die PKK kämpft seit Jahrzehnten für mehr Autonomie der Kurden.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Die Türkei verstärkt ihre Schutzmaßnahmen entlang der 900 Kilometer langen Grenze zu Syrien. Auf 150 Kilometern werde eine Mauer errichtet, kündigt die Regierung an. 20.000 Soldaten sind im Einsatz. Bei Gefechten in der türkischen Provinz Kilis an der Grenze zu Syrien sterben ein Soldat und ein IS-Kämpfer. Vier weitere Soldaten werden verletzt.

Freitag, 24. Juli 2015

Türkische Kampfjets bombardieren in den frühen Morgenstunden Stellungen des IS in Syrien. In der gesamten Türkei geht die Anti-Terror-Polizei mit einer groß angelegten Razzia gegen IS-Leute und kurdische Extremisten vor. Hunderte werden festgenommen. Präsident Recep Tayyip Erdogan erlaubt den USA, die Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge gegen den IS zu nutzen.

Samstag, 25. Juli 2015

Die Türkei fliegt neue Angriffe gegen den IS und erstmals offiziell auch gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Die spricht von einem Bruch der Waffenruhe und ruft zum Kampf auf. In Ankara geht die Polizei gegen Anti-Kriegs-Demonstranten vor.

Sonntag, 26. Juli 2015

Die Türkei bombardiert erneut Stellungen der PKK im Irak (Eine Analyse lesen Sie hier). Kanzlerin Angela Merkel appelliert in einem Telefonat mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, den Friedensprozess mit den Kurden nicht aufzugeben. Ankara erbittet eine Sondersitzung der Nato-Botschafter.

Montag, 27. Juli 2015

Die Kurden-Miliz YPG wirft der Türkei vor, Stellungen ihrer Einheiten in Syrien angegriffen zu haben. Dem syrischen Ableger der PKK zufolge werden sie von der türkischen Armee gezielt beschossen. Das Außenministerium in Ankara dementiert.

vks/AFP/Reuters

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insgesamt 41 Beiträge
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frankfurtbeat 28.07.2015
1.
super - genau so wird es RTE schaffen noch mehr Unruhe ins Land zu bringen - mehr aber auch nicht.
demokroete 28.07.2015
2. Nun beginnt wieder der Terrorkrieg der Kurden gegen die
türkische Regierung. Das war abzusehen. Nachdem sie sich im Nordirak und Nordsyrien eine ausreichende Basis geschaffen haben, können sie nun dank der Unterstützung und guten Bewaffnung aus Deutschland, ihren Kampf um ein unabhängiges Kurdistan in die Türkei tragen. Nur die Allerdümmsten haben geglaubt, dass die Kurden für den 'Westen' gegen den IS kämpfen.
go-west 28.07.2015
3. Der Nationalist Erdogan
handelt ähnlich wie Putin, also sollte man ähnlich mit ihm umgehen. Und anfangen, ihn als das zu sehen, was er wirklich ist: als Gegner anstatt Verbündeten. Das Spiel der Amerikaner gefällt mir übrigens auch nicht,; die Kurden werden also erneut zum Bauernopfer der Geschichte gemacht, nur um kurzfristig die Türken gegen den IS zu mobilisieren
mohsensalakh 28.07.2015
4. IS-Terroristen sollen ja auch unterstützt werden!
Von der Leien gab grünes Licht, USA zieht mit und Israel freut sich auf die Unterstützung ihrer Terroristen in der Region, die das gleiche machen sollen wie die Talibanen im Afghanistan: Assad vertreiben, Syrer in die Flucht schlagen und das leere Land der israelischen Armee freigeben.
v.papschke 28.07.2015
5. Es sieht so aus,
als ob Erdogan aus politischem Machtkalkül heraus das Leben tausender Kurden, aber auch der eigenen Bevölkerung aufs Spiel setzt. Und niemand weit und breit ist zu sehen, der ihn ernsthaft auffordert, dies zu unterlassen. Wo bleibt z.B. die Verantwortung der Politik Europas ? Von der NATO kann man das ja nicht erhoffen.
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