Human Rights Watch Türkische Soldaten schießen angeblich auf Flüchtlingskinder

Auf der Flucht vor dem Krieg in Syrien werden Menschen an der Grenze von türkischen Soldaten beschossen: Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen die Türkei.

Kinder im syrischen Kobane
AFP

Kinder im syrischen Kobane


Seit August ist die Grenze zwischen der Türkei und Syrien geschlossen, und seitdem gehen türkische Sicherheitskräfte dort offenbar rücksichtslos gegen Männer, Frauen und Kinder vor, die auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg sind. In einem neuen Bericht erhebt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) jetzt schwere Vorwürfe gegen die Türkei. Auf Flüchtlinge werde geschossen und sie würden misshandelt.

Allein zwischen März und April kam es demnach zu schweren Übergriffen von türkischen Sicherheitskräften gegen Asylsuchende, aber auch Schmuggler. Fünf Menschen seien dabei getötet worden, darunter war dem Bericht zufolge ein Kind. 14 andere Personen seien verletzt worden.

Es sei "erschreckend", wie rücksichtslos die Grenzsoldaten auf ohnehin traumatisierte Flüchtlinge das Feuer eröffneten, sagte HRW-Sprecher Gerry Simpson über das Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte. Er forderte die Regierung in Ankara auf, die Anwendung exzessiver Gewalt gegen Flüchtlinge zu stoppen und die Vorfälle zu untersuchen. Die Grenze zu Syrien müsse wieder geöffnet werden.

In dem Bericht kommen mehrere Zeugen zu Wort, die über die schrecklichen Ereignisse an der Grenze berichten. So schildert ein Mann aus dem umkämpften Aleppo, wie er mit seiner Familie versuchte, in die Türkei zu gelangen. Ein Schleuser sollte die insgesamt 20 Personen über die Grenze bringen. Doch als die Gruppe nur rund 500 Meter von der Grenze entfernt war, hörte sie plötzlich Schüsse aus automatischen Waffen.

"Die Kugeln landeten überall um uns herum. Die Frauen und Kinder fingen an zu schreien, aber trotzdem wurde weiter geschossen", berichtet der Mann. "Wir warfen uns auf den Boden, versuchten die Kinder zu schützen. Ich lag nahe an meiner Schwester und meinem Cousin. Doch während wir lagen, wurden sie von den Kugeln getroffen. Sie hörten auf zu schreien und zu rufen. Ich wusste sofort, dass sie tot waren."

Human Rights Watch hatte die Türkei im vergangenen Monat aufgefordert, ihre Grenze für die Flüchtlinge zu öffnen. "Die ganze Welt redet davon, den IS zu bekämpfen. Aber jene, die am meisten vom IS bedroht werden, sitzen in der Falle", sagte Simpson. Die Türkei hatte damals an der Grenze mit dem Bau einer mehr als 900 Kilometer langen Betonmauer begonnen. Zuvor hatte die Regierung in Ankara mehrfach davon gesprochen, eine Schutzzone für syrische Zivilisten an der türkischen Grenze errichten zu wollen.

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