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Türkei: Ex-Fußballstar Sükür soll wegen Beleidigung Erdogans in Haft

Galatasaray-Spieler Korkmaz (l.) und Sükür (r.) 2000 beim Sieg im Endspiel des UEFA-Pokals: Dem Rekordtorschützen drohen vier Jahre Haft Zur Großansicht
dpa

Galatasaray-Spieler Korkmaz (l.) und Sükür (r.) 2000 beim Sieg im Endspiel des UEFA-Pokals: Dem Rekordtorschützen drohen vier Jahre Haft

Die türkische Justiz geht gegen einen der prominentesten Bürger des Landes vor: Ex-Fußballstar Hakan Sükür wird wegen Präsidentenbeleidigung angeklagt. Ihm drohen vier Jahre Haft.

Wenn in der Türkei vom "Bullen vom Bosporus" die Rede ist, geht es ausnahmsweise mal nicht um Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Diesen Spitznamen hat sich vielmehr Hakan Sükür während seiner fast zwanzigjährigen Fußballkarriere erworben.

Nun steht der frühere Stürmer im Visier der türkischen Justiz: Der 44-Jährige wird angeklagt, weil er über Twitter beleidigende Aussagen über Staatspräsident Erdogan verbreitet haben soll. Auf welche Tweets sich die Staatsanwaltschaft konkret bezieht, ist bislang unklar. Nach dem Willen der Anklagebehörde soll Sükür bis zu vier Jahre ins Gefängnis.

Mit Galatasaray Istanbul gewann der 1,90-Meter-Hüne im Jahr 2000 den Uefa-Cup. Zwei Jahre später erzielte er das schnellste Tor der WM-Geschichte - eines von insgesamt 51 im Trikot der türkischen Nationalmannschaft. Damit ist Sükür Rekordtorschütze seines Landes.

Ex-Fußballer Sükür: Prozess wegen Präsidentenbeleidigung Zur Großansicht
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Ex-Fußballer Sükür: Prozess wegen Präsidentenbeleidigung

Nachdem Sükür 2008 seine Fußballkarriere beendet hatte, holte ihn Erdogan in die Politik. 2011 zog er für die Regierungspartei AKP in Istanbul ins Parlament ein.

Ende 2013 verkündete Sükür seinen Austritt aus der AKP. Auslöser war der Umgang der Regierung mit der sogenannten Gülen-Bewegung. In seiner Austrittserklärung warf Sükür der AKP "feindliche Schritte" gegen die Anhängerschaft des türkischen Predigers Fethullah Gülen vor.

Seit mehreren Jahren beschuldigt Erdogan die Gülen-Bewegung, den Staat unterwandern und die Regierung stürzen zu wollen. Der Zorn richtet sich nun auch gegen den Gülen-Anhänger Sükür.

Der Prozess soll in den kommenden Wochen beginnen. Ob Sükür dann vor Gericht erscheinen wird, ist offen. Der frühere Fußballer hält sich laut Medienberichten in den USA auf. Seine Anwälte bestreiten die Vorwürfe.

Seit Erdogans Amtsantritt als Staatschef vor anderthalb Jahren sind mehr als hundert Verfahren wegen angeblicher Präsidentenbeleidigung eingeleitet worden. Kritiker werfen der Regierung eine zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit vor.

syd/AFP

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