Militäreinsatz in Syrien Hunderte Türken wegen Kriegskritik festgenommen

Der Vorwurf lautet "Terrorpropaganda": Binnen zwei Wochen sind in der Türkei 573 Menschen festgenommen worden. Sie hatten den türkischen Kampfeinsatz in Nordsyrien gegen dortige Kurdenverbände verurteilt.

Ärzteprotest für inhaftierte Kollegen in der Türkei
AFP

Ärzteprotest für inhaftierte Kollegen in der Türkei


Schon fast 600 Festnahmen wegen der "Operation Olivenzweig": In der Türkei sind in den vergangenen zwei Wochen Hunderte Menschen wegen Kritik an der Militäroffensive in Nordwestsyrien festgenommen worden. Ihnen wird "Terrorpropaganda" vorgeworfen.

Verdächtig macht sich in der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan bereits, wer sich für die Rechte der kurdischen Minderheit einsetzt. Wer brutale Polizei- und Militäreinsätze gegen militante Kurden kritisiert, kann dafür verhaftet und als "Terrorunterstützer" vor Gericht gestellt werden. Kritiker der Militärintervention hatte Erdogan "Verräter" genannt.

Wie das Innenministerium in Ankara nun mitteilte, seien die meisten Festnahmen wegen Äußerungen in den sozialen Medien erfolgt. 124 Menschen seien festgenommen worden, weil sie an Protesten teilgenommen hätten.

Türkischer Panzer in Nordsyrien
REUTERS

Türkischer Panzer in Nordsyrien

Die Türkei hatte am 20. Januar eine Offensive gegen die kurdische Miliz YPG in Nordwestsyrien begonnen. Seitdem geht die türkische Polizei immer wieder gegen Kritiker des Militäreinsatzes vor.

In der vergangenen Woche wurden mehrere führende Mitglieder der Türkischen Ärztevereinigung festgenommen, weil sie eine Erklärung gegen den Krieg unter dem Titel "Nein zum Krieg, Frieden jetzt" verbreitet hatten. Drei der Ärzte sind inzwischen wieder frei.

Die Türkei betrachtet die mit den USA verbündete Miliz YPG als syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Die PKK steht in der Türkei, der EU und den USA auf der Terrorliste.

cht/dpa

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