Türkei Istanbuler Polizei vertreibt Besetzer gewaltsam

Schon länger hat die Polizei von Istanbul den Ruf, übertrieben gewaltsam gegen Demonstranten vorzugehen. Jetzt räumten Beamte einen Park im Zentrum der türkischen Metropole, mehrere Menschen sollen verletzt worden sein. Ministerpräsident Erdogan hat für die Besetzer wenig Verständnis.


Istanbul - Die türkische Polizei ist am Freitag mit Gewalt gegen Demonstranten in Istanbul vorgegangen, die gegen die Neugestaltung eines Parks im Stadtzentrum protestierten. Die Beamten räumten am frühen Morgen ein Lager von mehreren hundert Demonstranten im Gezi-Park am zentralen Taksim-Platz im europäischen Teil von Istanbul, wie Nachrichtensender meldeten. Dabei setzten sie Wasserwerfer und Tränengas ein.

Eine wachsende Zahl von Demonstranten hatte in den vergangenen Tagen den Park besetzt, um das Abholzen von Bäumen zu verhindern. Mehrere Medien berichteten, die Demonstranten hätten Steine auf die Polizei geworfen. Die Beamten riegelten den Park ab, um eine Rückkehr der Protestierenden zu verhindern. Bei den Auseinandersetzungen soll es Verletzte und Festnahmen gegeben haben. Mehrere Menschen wurden verletzt. Mindestens zwei Menschen, darunter ein bekannter Journalist, wurden von einem Tränengasbehälter am Kopf verletzt. Auch zwei Abgeordnete der Opposition mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Der Istanbuler Polizei wird seit längerem vorgeworfen, auch bei friedlichen Protesten mit übertriebener Härte zu reagieren. Der Taksim-Platz soll neu gestaltet werden. Unter anderem ist auf dem Gelände des Parks ein Kasernengebäude aus dem 18. Jahrhundert geplant, in dem ein Einkaufszentrum untergebracht werden soll. Die Protestbewegung kritisiert, dass die Umgestaltung eine der letzten Grünflächen im Stadtzentrum vernichten würde.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte gesagt, die Entscheidung für den Abriss des Parks sei gefallen, "egal was die Demonstranten tun". Viele richteten ihren Protest auch allgemein gegen Erdogans Regierung, die von ihnen zunehmend als autoritär und kompromisslos wahrgenommen wird.

ade/AFP/AP



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