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Eskalation an syrisch-türkischer Grenze: Türkei lässt USA Luftwaffenstützpunkt im Kampf gegen IS nutzen

Türkische Soldaten: Kämpfe an der Grenze zu Syrien Zur Großansicht
AFP

Türkische Soldaten: Kämpfe an der Grenze zu Syrien

Der Konflikt an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien verschärft sich: Bei Gefechten sind offenbar ein Soldat und ein IS-Kämpfer getötet worden. Nun will die US-Luftwaffe Angriffe fliegen - mit Erlaubnis der Türkei.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat der von den USA geführten Militärallianz erlaubt, vom US-Luftwaffenstützpunkt in Incirlik aus einen Luftangriff gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu fliegen.

Dies berichten übereinstimmend die Nachrichtenagenturen Reuters und AP unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium. Auch habe es ein Telefonat zwischen Erdogan und Präsident Barack Obama gegeben, das bereits am Mittwoch stattgefunden haben soll. Das Weiße Haus habe sich bislang nicht zu den Plänen geäußert und lediglich bestätigt, dass Obama und Erdogan die Zusammenarbeit in der Bekämpfung des IS vertiefen wollten.

Der Luftwaffenstützpunkt Incirlik gehört der türkischen Luftwaffe, wird aber hauptsächlich von der US Air-Force als Drehkreuz in den Irak und Afghanistan genutzt. Die USA haben laut den Nachrichtenagenturen bereits schon vor Monaten versucht, den Luftwaffenstützpunkt im Süden der Türkei für einen Bombenangriff gegen die IS-Milizen zu nutzen. Die Türkei habe aber dies aber verhindert. Wegen der Gefechte an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien habe Erdogan nun die Erlaubnis erteilt.

Die türkischen Streitkräfte liefern sich an der Grenze zu Syrien Kämpfe mit der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Nach Angaben eines Regierungsvertreters ist dabei ein Soldat getötet worden. Auch ein IS-Kämpfer starb Medienberichten zufolge bei den Gefechten in der Grenzregion Kilis. Die Extremisten hätten das Feuer von Syrien aus eröffnet, heißt es aus den Reihen der Armee. Daraufhin habe die türkische Armee zurückgeschossen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) stellt den Beginn der Kämpfe anders da: Die Kämpfe hätten begonnen, nachdem türkische Soldaten auf einen Zivilisten geschossen hätten, der von Syrien in die Türkei gelangen habe. Bei den Gefechten seien zwei IS-Kämpfer getötet worden, berichtete die Beobachtungsstelle ohne konkrete Quelle weiter. Die Angaben der SOHR konnten zwar zunächst nicht überprüft werden, gelten aber in der Regel als verlässlich.

Darüber hinaus ist von zwei bis vier verletzten Soldaten die Rede.

Der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge feuerten türkische Kräfte fünf Geschosse auf IS-Stellungen ab. Der IS kontrolliert das Grenzgebiet im Norden der syrischen Provinz Aleppo. Außerdem entsandte Ankara offenbar Militärflugzeuge in Richtung des umkämpften Gebietes. Die Lage entlang der Grenze hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Am Montag wurden bei einem Selbstmordanschlag im türkischen Grenzort Suruc 32 Menschen getötet. Die Behörden vermuten, dass der IS dafür verantwortlich ist.

Die Türkei plant, die Grenze zu Syrien stärker zu sichern. Nach dem Selbstmordanschlag war es in der osttürkischen Stadt Diyarbakir zu Unruhen gekommen. Dabei sind am Donnerstag nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein Polizist erschossen und zwei weitere verletzt worden. Bereits am Mittwoch waren an der syrischen Grenze zwei Polizisten von Mitgliedern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet worden.

Viele Kurden werfen Ankara vor, den IS aus taktischen Gründen heimlich zu unterstützen, um die Kurden zu schwächen. Die Türkei hat dies stets zurückgewiesen. In Syrien und dem Irak bekämpfen sich IS und kurdische Gruppen.

kev/AFP/AP/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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1. Ich hoffe mal nicht...
Wicked 23.07.2015
... das die Türkei daraus noch ein Bündnisfall macht. Das es soweit gekommen ist, ist fahrlässig von Herrn Erdogan herbeigeführt worden. Die Suppe soll er mal schön selber auslöffeln.
2.
kumi-ori 23.07.2015
Bei allen schweren Verlusten, die die Kurden erleiden, den kurdischen Separationsbestrebungen konnte nichts besseres passieren als die Aufweichung der territorialen Integrität von Syrien und Irak. Schließlich ist nur durch einen zusammenhängenden kurdischen Riegel im Norden eine Basis für die Befreiung der Menschen in Mossul und Al Rakka gegeben. Ich kann verstehen, dass Erdogan in einer unbequemen Situation ist. Wenn sich ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet in Syrien und dem Irak etabliert, dann ist die Gebietsaufteilung nach den Verträgen von Lausanne praktisch hinfällig und damit auch das tradierte Selbstverständnis der türkischen Nation. Wenn er andererseits die Gotteskrieger gewähren lässt, dann weiß er sehr gut, dass er selbst bald einen Kopf kürzer sein wird. So viel kann er gar nicht frömmeln, dass er vom Wüten der Eiferer verschont würde. Es wäre wünschenswert, dass sich jetzt die türkische und die kurdische Seite zusammensetzt und jeder deutlich macht, welche Ziele er verfolgt. Ein Bürgerkrieg innerhalb der Türkei wäre verheerend für alle.
3. Eiskaltes Kalkül
KJB 23.07.2015
Eiskaltes Kalkül des IS. Erdogan ist gegen Asad aber auch gegen eine militärische Intervention in Syrien. Wenn der IS die Türkei dazu bringt eine militärische Pufferzone auf Syrischem Gebiet zu errichten steckt die Türkei mitten in einem Krieg. Dazu kommt das die Syrisch-Türkische Grenze endlos lang ist.
4. Nein - ein Bündnisfall muss her ...
retterdernation 23.07.2015
gegen den IS - und dieses Bündnis muss von der Türkei aus operieren. Das würde die Situation in dieser Region mindestens für die Kurden verbessern. Und nur damit kann man diesen barbarischen Kopfabschneidern des IS beikommen. Kontrollieren die Türken alleine das Gebiet - geht das offensichtliche Doppelspiel weiter, dass die Türken dort unten betreiben. Das wird auch der Grund sein, dass die Türkei den Bündnisfall nicht ausrufen wird. Zu eng sind die Verpflechtungen mit den Steinzeitkriegern. Oder warum wandern Millionen Barrel Öl aus dem IS-Gebiet über die Türkei ins Ausland...
5. Bündnisfall?
festuca 23.07.2015
Doch nicht, solange nur einige Bewaffnete einsickern, das ist "erweiterte Polizeiarbeit". Die Türkei hat ihn bekanntlich auch nicht beansprucht, als früher ständig PKK-Kämpfer aus dem Irak/Iran ins Land kamen. Solange nicht Damaskus oder Teheran an der Grenze massiv aufmarschieren, wird das auch nie passieren.
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