Mit Panzern aus Deutschland Türkei kämpft in Syrien gemeinsam mit Terroristen

In Deutschland gilt Ahrar al-Scham als Terrororganisation - in Syrien kämpft sie an der Seite der türkischen Armee. Mit dabei: Panzer aus deutscher Produktion. Nach SPIEGEL-Informationen erlaubte Berlin jüngst Ersatzteillieferungen an Ankara.

"Leopard 2" bei einer Übung
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"Leopard 2" bei einer Übung


Die Offensive der türkischen Armee in Nordsyrien gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ist für die deutsche Bundesregierung äußerst heikel. Denn seit Beginn der Invasion kämpfen die Truppen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan an vorderster Front mit deutschem Gerät: "Leopard"-Panzern vom Typ 2A4, dem Stolz deutscher Wehrtechnik.

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Heft 4/2017
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Zunächst kursierten Propaganda-Videos aus Syrien, die die Kampfkraft des 62 Tonnen schweren Gefährts eindrucksvoll belegten: Zu sehen war, wie "Leopard"-Geschosse Autos des IS zerstörten. Doch dann änderte sich die Lage, als die Dschihadisten Videos ins Netz stellten, die abgeschossene "Leopard" zeigen. Zehn Panzer aus deutscher Produktion wollen die Terroristen zerstört haben, das jedenfalls reklamiert der IS für sich. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Bundesregierung sorgt aber nach SPIEGEL-Informationen auch dafür, dass der Nachschub an Ersatzteilen für Kampfpanzer in die Türkei nicht versiegt. Im vergangenen halben Jahr hat die Bundesregierung der Lieferung von Ersatzteilen für gepanzerte Fahrzeuge im Wert von rund einer halben Million Euro an die Türkei zugestimmt, darunter auch für Kampfpanzer. Das steht in einer als geheim eingestuften Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage des Linken-Abgeordneten Jan van Aken.

Zu den Rüstungslieferungen gehören unter anderem Triebradringe und Teile von Motoren. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium von Sigmar Gabriel (SPD) rechtfertigt die Lieferungen mit dem Status der Türkei als Nato-Mitglied.

Heikel ist diese Rüstungshilfe vor allem wegen eines der acht Verbündeten, die sich die türkische Armee für ihre Offensive auf die Stadt al-Bab in Nordsyrien ausgewählt hat. Der Bundesregierung liegen Informationen vor, dass die türkische Armee in ihrem Angriff gegen den IS gemeinsam mit der als Terrororganisation gelisteten Vereinigung Ahrar al-Scham kämpft. So steht es in der Antwort der Bundesregierung an van Aken.

In Deutschland ist die Mitgliedschaft in dieser Organisation strafbar, die Justizbehörden führen mehrere Gerichtsverfahren gegen Mitglieder von Ahrar al-Scham. Die Terrormiliz ist eine islamistisch-salafistische Gruppierung, die neben der Freien Syrischen Armee zur den wichtigsten bewaffneten Widerstandsgruppen gegen das Regime von Syriens Präsident Baschar al-Assad zählt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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quark2@mailinator.com 21.01.2017
1.
Nachdem sowohl die syrische als auch die irakische Regierung erklärt haben, türkische Truppen wären nicht willkommen - und die Türkei dort weiter aktiv ist, sollte man doch mal klar von Invasionen dre Türkei in die Nachbarländer sprechen - und laut die Frage stellen, wieso derat vom Völkerrecht nicht gedeckte Übergriffe von deutschen Luftabwehrraketen beschützt werden. Man sollte doch meinen, daß es sich verbietet, eigene Truppen zur Unterstützung von Ländern zu entsenden, die ihrerseits Angriffskriege gegen ihre Nachbarländer führen.
Jimbofeider 1 21.01.2017
2. Waffen
Wer blickt den bei den ständig wechselnen Bündnissen noch durch. Wer heute Freund ist morgen Feind.Wie schon gehabt. Für Deutschland gibt es wirklich nur einen Weg, schluss mit den Waffenexporten egal an wen. Und das ist wirklich Alternativlos!
felix38 21.01.2017
3. Was denn nun?
Lange Zeit wurde die Türkei kritisiert und unter Druck gesetzt, warum Sie denn nicht in Syrien eingreift. Jetzt wo man den IS erfolgreich in Syrien bekämpft, ist das auf einmal doch nicht so toll. Ja was denn nun? Die Türkei kann anscheinend machen was sie will, auf jeden Fall ist es falsch.
gunpot 21.01.2017
4. keine Bedenken, solange
die Panzer gegen den IS eingesetzt werden. Doch Bedenken? Ja, dann streicht doch bitte die von der Luftwaffe geleisteten Aufklärungsflüge über Syrien.
DerBaske 21.01.2017
5. Wow...
Die Türken kämpfen mit Terroristen zusammen? Was für eine unglaubliche Aufdeckung. Was für eine Überraschung. Erst kürzlich habe ich gelesen, dass diese Terroristen jahrelang durch und über die Türkei unbehelligt ein-, aus- und wieder zurückreisen durften. Samt Bewaffnung. Fehlt nur noch die Enthüllung, dass die Türkei NATO-Partner ist und am Ende alle davon wussten... oder, noch schlimmer, alle da mitgemacht haben. Gruselige Vorstellung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Westen so weit geht...
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