Politik

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Militäroffensive

Türkische Jets bombardieren kurdische Stellungen

Erst massiver Beschuss am Boden, nun aus der Luft: Die Türkei hat kurdische Stellungen in Syrien mit Kampfjets angegriffen. Die Militäroperation habe "de facto im Feld begonnen", sagte Erdogan.

REUTERS

Türkischer Kampfjet über Grenzgebiet

Samstag, 20.01.2018   16:41 Uhr

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Einen Tag nach dem massiven Beschuss kurdischer Dörfer in Syrien hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Beginn der Militäroffensive in der Region Afrin offiziell verkündet. "Die Afrin-Operation hat de facto im Feld begonnen", so Erdogan.

Auch aus der Luft griff die Türkei am Samstag Kurden an. Kampfjets bombardierten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Beobachtungsstellungen der Kurdenmiliz YPG. Auch die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Luftangriffen, mindestens zehn türkische Kampfflugzeuge seien daran beteiligt gewesen. Ein Sprecher der kurdischen Truppen in Afrin sprach von Raketeneinschlägen. Laut Anadolu drangen auch mit der Türkei verbündete Rebellen nach Afrin vor. Dafür gab es zunächst aber keine Bestätigung.

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Erdogan hatte die Militäroffensive zu Beginn der Woche angekündigt und gesagt, er wolle Truppen nach Afrin schicken, um YPG-Kämpfer zu vertreiben. "Wir werden sämtliche Terrornester in Syrien Stück für Stück ausrotten, beginnend mit Afrin", sagte er vor Parteifreunden. Das Militär rief Panzer und Artillerie an der Grenze zu Syrien zusammen. Bislang gibt es allerdings noch keine Berichte über den Einmarsch türkischer Truppen in Syrien.

Am Samstag bekräftigte Erdogan noch einmal, dass er nach Afrin die Region um die Stadt Manbidsch angreifen wolle. Von Westen her werde der "Terrorkorridor" schrittweise zerstört, kündigte Erdogan an. (Lesen Sie hier mehr über den geplanten Einmarsch der Türkei.)

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Mit der Militäroffensive will die Türkei verhindern, dass die Kurden im Nordwesten Syriens eine Autonomieregion errichten. Präsident Erdogan betrachtet die YPG-Miliz als syrischen Ableger der kurdischen Terrororganisation PKK, die in der Türkei immer wieder Anschläge verübt.

Die Militäroffensive richtet sich allerdings nicht nur gegen die Kurden, sondern auch gegen die USA. Die US-Regierung unterstützt die YPG in Syrien und schätzt sie als Partner im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" - auch dauerhaft: Die USA haben angekündigt, im Nordwesten Syriens eine Grenzschutztruppe unter Führung der YPG etablieren zu wollen.

Ein Einmarsch des türkischen Militärs in Afrin würde nicht nur das türkisch-amerikanische Verhältnis weiter belasten, sondern könnte die gesamte Region destabilisieren. Die YPG hat im Falle eines türkischen Angriffs bereits Vergeltung angekündigt: "Es ist unser Schicksal, die Region von Erdogan zu befreien", sagte YPG-Kommandant Sipan Hemo der prokurdischen Nachrichtenagentur Firat. Die PKK droht damit, den Krieg auf die türkischen Städte auszuweiten.

brk/dpa/Reuters

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