Muslimische Minderheit Türkei kritisiert Chinas Umgang mit Uiguren

Die türkische Regierung wirft China vor, die Uiguren in Umerziehungslagern einer Gehirnwäsche zu unterziehen - Peking verweist dagegen auf den Kampf gegen Terrorismus.

Demonstranten mit uigurischen Flaggen vor dem Bundeskanzleramt
DPA

Demonstranten mit uigurischen Flaggen vor dem Bundeskanzleramt


Mit scharfen Worten hat die türkische Regierung von China die Schließung der Umerziehungslager für Uiguren in der westlichen Provinz Xinjiang verlangt. Die Zwangsinternierung der muslimischen Minderheit sei eine "Schande für die Menschheit", erklärte Außenministeriumssprecher Hami Aksoy am Samstag. "Es ist kein Geheimnis mehr, dass mehr als eine Million Uiguren willkürlich festgenommen wurden, dass sie in Gefängnissen und Konzentrationslagern gefoltert und politischer Gehirnwäsche unterzogen werden."

Die Regierung in Ankara rief die internationale Gemeinschaft und UN-Generalsekretär Antonio Guterres zum Handeln auf. Chinas Regierung spricht dagegen von notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, um gegen islamistische Aufständische vorzugehen und den Frieden in der Unruheregion Xinjiang wiederherzustellen.

Eine Million Uiguren in Umerziehungslagern

Ein UN-Menschenrechtsgremium hatte im vergangenen Jahr berichtet, mehr als eine Million Angehörige des Uiguren-Volkes würden in chinesischen Einrichtungen festgehalten, die geheimen Internierungslagern ähnelten. Chinas Führung hatte die Existenz von Umerziehungslagern für Muslime in Xinjiang lange Zeit bestritten, im Oktober wurden sie dann per Gesetz nachträglich legalisiert.

Damit ist die Inhaftierung Verdächtiger ohne Gerichtsverfahren erlaubt sowie "ideologische Erziehung gegen Extremismus, psychologische Behandlung und Verhaltenskorrekturen". Peking rechtfertigt sein Vorgehen mit extremistischen Strömungen in Xinjiang und macht die Uiguren für blutige Unruhen und Terroranschläge verantwortlich. Dort sind bei Unruhen in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen ums Leben gekommen.

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Uiguren in China: Angst vor dem Lager

Die Uiguren sind ein muslimisches Turkvolk, das im ehemaligen Ostturkestan beheimatet ist. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking verleibten die Kommunisten die Region der Volksrepublik ein. Heute gilt sie wegen der Spannungen zwischen Uiguren und Han-Chinesen als Konfliktherd. Die Uiguren fühlen sich mit der Türkei kulturell und religiös verbunden und beklagen gewaltsame Unterdrückung, während ihnen die Chinesen Separatismus vorwerfen.

ene/dpa/Reuters/AFP

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