Türkei Kurdische Rebellen töten Soldaten und Polizisten

Es war einer der blutigsten Angriffe der kurdischen Rebellen seit Jahren: Im Grenzgebiet zum Irak attackierten sie türkische Sicherheitskräfte, mehr als 20 Soldaten und Polizisten wurden dabei getötet. Premierminister Erdogan sagte eine geplante Auslandsreise ab.


Ankara - Kurdische Rebellen haben ihre Attacken gegen staatliche Einrichtungen im türkischen Grenzgebiet verstärkt: Sie eröffneten in der Nacht das Feuer auf mehrere Polizei- und Militärstationen in der Provinz Hakkari, in der Nähe der irakischen Grenze. Die Attacken in den Ortschaften Cukurca und Yüksekova erfolgten zeitgleich, bestätigte Gouverneur Muammer Türker gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Dabei wurden nach übereinstimmenden Agenturberichten 26 Menschen getötet.

Es sollen Beobachtern zufolge die schwersten Verluste für die türkische Arme sein, seitdem die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Jahr 1984 den bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat aufnahm.

Mindestens 18 weitere Soldaten wurden bei den Angriffen verletzt. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan und sein Außenminister Ahmet Davutoglu sagten geplante Auslandsreisen ab.

Bericht über Einmarsch im Nordirak

Nach dem Angriff sind türkische Truppen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in den Nordirak einmarschiert, um dort kurdische Rebellen zu jagen. Die türkische Luftwaffe bombardierte noch in der Nacht nach Berichten türkischer Medien Ziele der Rebellen.

Bereits am Dienstag hatte eine Bombe den Südosten der Türkei erschüttert: Bei der Explosion kamen fünf Polizisten und drei Zivilpersonen ums Leben, unter ihnen ein vierjähriges Mädchen und ein 13-jähriger Junge. Das Ziel des Anschlags in der Stadt Güroymak in der Provinz Bitlis war vermutlich ein Polizeifahrzeug, wie ein Behördensprecher sagte. Die Zivilpersonen seien in einem Lastwagen dahinter gefahren. Der Anschlag ereignete sich wenige Stunden nach einer Serie von Polizeirazzien gegen Dutzende mutmaßliche Anhänger kurdischer Rebellen im ganzen Land.

In den vergangen Monaten ist es vermehrt zu Anschlägen kurdischer Rebellen gekommen. Sie kämpfen für Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. Seit 1984 fielen dem Konflikt Zehntausende Menschen zum Opfer. Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat. Die EU fordert von ihrem Beitrittskandidaten Türkei, den Kurden mehr Rechte zu geben.

heb/Reuters/AP/AFP/dapd



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.