Türkei Massenfestnahmen wegen Kritik an türkischer Syrien-Offensive

Mehr als 300 Menschen sind in der Türkei festgenommen worden, weil sie den türkischen Kriegseinsatz gegen Kurden in Nordsyrien kritisiert haben. Der Vorwurf: "Terrorpropaganda".

Türkischer Soldat in Syrien
AP

Türkischer Soldat in Syrien


Kritik an der türkischen Militäroffensive im kurdischen Teil Nordsyriens ist in Ankara unerwünscht. Das bekamen bislang mehr als 300 Menschen zu spüren, die im Internet den Kriegseinsatz der Türkei kritisierten. Sie wurden wegen "Terrorpropaganda" festgenommen.

Seit Beginn der Angriffe auf syrische Kurden in Afrin am 20. Januar ist laut türkischem Innenministerium die Zahl der Festnahmen auf 311 gestiegen. Bereits in den ersten Tagen waren bei landesweiten Razzien in Zusammenhang mit der "Operation Olivenzweig" Dutzende Verdächtige festgenommen worden.

Die Türkei hatte ihre Offensive mit Luftangriffen begonnen und rückte dann unterstützt von der Freien Syrischen Armee (FSA) mit Bodentruppen in Nordwestsyrien vor. Nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wurden seit Beginn des Einsatzes 20 türkische Soldaten und verbündete FSA-Kämpfer getötet.

Türkische Offensive im nordsyrischen Kurdengebiet
DER SPIEGEL

Türkische Offensive im nordsyrischen Kurdengebiet

Den jetzt in der Türkei Festgenommenen wird vorgeworfen, Stimmung für die von Ankara als Terrororganisation eingestuften kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu machen. Die Türkei betrachtet die YPG als syrischen Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans, die seit 1984 im Südosten Anatoliens gegen den Staat kämpft. Mit der Operation will Ankara die YPG aus Afrin vertreiben.

Die türkische Regierung hat wiederholt vor "Lügen und Propaganda" in Zusammenhang mit der Militäroperation gewarnt und ein Dossier mit Fotos aus den sozialen Netzwerken zusammengestellt, die laut türkischem Presseamt Fälschungen sind.

In der Türkei wird die Offensive von praktisch allen Medien unterstützt. Auch die beiden Oppositionsparteien CHP und MHP haben sich hinter das Vorgehen der Regierung gestellt. Die einzige Partei, die die Militäroperation in Afrin offen kritisiert, ist die prokurdische HDP. In einem Schreiben an die Uno und die EU rief sie die Staatengemeinschaft zum Handeln gegen die "Invasion" auf.

cht/AFP/dpa



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