Türkische Medien über Reisehinweis "Die Deutschen toben"

Medien in der Türkei reagieren empört auf den Reisehinweis der Bundesregierung. In einer Schlagzeile wird Deutschland im Erdogan-Duktus mit "Hans" angesprochen.


Mit Empörung haben einige türkische Medien, die der Regierung von Recep Tayyip Erdogan nahestehen, auf die verschärfte Türkei-Politik der Bundesregierung reagiert. "Bei uns ist die Justiz unabhängig, Hans", lautete die Schlagzeile auf dem Titel der Zeitung "Türkiye" am Freitag. Mit "Hans" umschreibt Staatspräsident Erdogan regelmäßig die Deutschen.

Die türkische Zeitung "Aksam" schrieb: "Die Deutschen toben", was auch als "Die Deutschen sind tollwütig geworden" übersetzt werden kann.

Als Reaktion auf die Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner und anderer hatte das Auswärtige Amt neue Reisehinweise für die Türkei ausgegeben. Türkeireisenden wird nun zum Beispiel empfohlen, sich bei der Botschaft oder bei Konsulaten registrieren zu lassen. Gabriel sprach von einer "Neuausrichtung" der Politik der Bundesregierung gegenüber Ankara.

Die Türkei wies dieses Vorgehen als unangemessen und unannehmbar zurück. In der Presse fand die Entscheidung der Bundesregierung ein ähnliches Echo - zumindest bei den Medien, die Erdogan nahestehen. So titelte die Zeitung "Star": "Neues EU-Kriterium: Freiheit für Agenten". Darunter zeigte das Blatt Fotos des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Steudtner, die beide in Untersuchungshaft sind.

mho/dpa

insgesamt 123 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
oli h 21.07.2017
1. Genau darum geht es!
Erdogan ist dabei ein Feindbild aufzubauen, das benötigt er um seine Bürger davon abzulenken dass sie ihre Bürgerrechte verlieren. Ich denke man versteht Erdogans Entscheidungen besser wenn man sie aus innenpolitischer Sicht betrachtet. Vielleicht hat er ja gar nichts gegen Deutschland persönlich aber einer muss halt der Schurkenstaat sein.
ulmer_optimist 21.07.2017
2. Ruhig bleiben, Mehmet
Die Hitze in der Türkei scheint den Politikern dort aufs Gemüt zu schlagen. Tatsache ist doch, dass in der Türkei offensichtlich eine Reihe Menschen im Knast sitzen, die aus unserer Perspektive nicht hineingehören. Tatsache ist auch, dass über die Hälfte der türkischen Bevölkerung bei Wahlen diese Politik unterstützt hat und vermutlich auch heute noch unterstützt. Und dass offenbar türkischstämmige Mitbürger in Deutschland aufgehetzt werden. Da liegt es schon nahe, dass es für Deutsche nicht mehr ganz problemlos ist, in die Türkei zu reisen, um sich dort dann von manchen Menschen mindestens beschimpfen zu lassen. Es ist auch klar, dass man nicht gegen ein Land wettern kann, dann aber möchte, dass dessen Bürger zu einem in Urlaub kommen.
MisterD 21.07.2017
3. Ein Reisehinweis ist noch zu wenig...
Es hätte eine Reisewarnung sein müssen. Ich halte eine Reise in die Türkei derzeit für gefährlicher als eine Reise nach China oder andere autoritäre Staaten... Urlaub dort steht außer Frage, ich würde mich im Moment sogar beruflich weigern, einen Fuß in die Türkei zu setzen. Schade, dass die Bundesregierung sich vor ihrer Verantwortung drückt, denn mit einer Reisewarnung hätten Betroffene deutlich bessere Möglichkeiten, eine Reise in die Türkei zu vermeiden bzw. kostenfrei zu stornieren...
xylitol 21.07.2017
4. Diskriminierung ist widerlich
Als ich vor Jahren auf Teneriifa unterwegs war, habe ich aus Gruppen mir gegenüber das Wort "Hans" gehört und fand es widerlich. Gerade die Türken, die so sensibel auf jegliche Äusserung reagieren, sollten hier vorsichtig sein. Wer sich wie eine Diva aufführt, ist eh nicht Ernst zu nehmen...
cmann 21.07.2017
5. Ich bin mal gespannt,
wenn deutsche Touristikunternehmen die Hinweise befolgen und die Türkei aus den Reiseangeboten streichen. Die Tourismus Branche in der Türkei ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und wie es aussieht werden Russland und einige Arabische Staaten die entstehenden Umsatzlücken wohl kaum schließen können. Ob dann Erdogan immer noch der große Sultan bleibt und die bösen Deutschen die Schuldigen sind die einfach nicht mehr unter den Umständen keinen Urlaub mehr im Erdoland machen wollen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.