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11. September 2018, 22:36 Uhr

Terrorvorwürfe in der Türkei

Medien melden erste Verurteilung eines Deutschen nach Putschversuch

In der Türkei ist einem Bericht zufolge erstmals ein Deutscher im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 verurteilt worden.

In der Türkei ist Medienberichten zufolge erstmals nach dem Putschversuch vor etwa zwei Jahren ein deutscher Staatsbürger wegen Terrorismusvorwürfen verurteilt worden. Der Mann müsse neun Jahre und neun Monate in einem türkischen Gefängnis verbringen, berichteten WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das Urteil.

Demnach hat die Staatsanwaltschaft den 55-Jährigen wegen "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" angeklagt. Der Mann habe die Terrorvorwürfe vehement zurückgewiesen. Er sei konkret beschuldigt worden, Mitglied in einem Unternehmerverein zu sein, der zur Organisation des Geistlichen Fethullah Gülen gehöre.

Urteil bereits im Juli 2017 gefällt

Die Regierung in Ankara hält Gülen für den Drahtzieher des Putschversuches vom Juli 2016. Dem verurteilten Deutschen wurde laut dem Medienbericht auch vorgeworfen, ein Konto bei einer Gülen-nahen Bank besessen und seine Kinder auf eine Gülen-nahe Schule geschickt zu haben. Das Urteil sei bereits im Juli 2017 gefällt worden, berichteten die Sender und die Zeitung weiter. Unklar sei, weshalb der Fall in der Zwischenzeit nicht öffentlich wurde. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es demnach, dass der Mann vom deutschen Konsulat in Izmir betreut werde.

Der Mann war dem Bericht zufolge aus der Türkei zum Studium nach Deutschland gegangen und lebte viele Jahre in Aachen. Mit seiner Frau, einer Ärztin, habe er drei Kinder. Er besitze allein die deutsche Staatsbürgerschaft. Er sei 2000 in die Türkei zurückgekehrt und habe in seinem Geburtsort eine Firma gegründet, die er bis zu seiner Verhaftung im April 2017 leitete.

Außer ihm sind derzeit noch sieben weitere Deutsche namentlich bekannt, die aus politischen Gründen in türkischer Haft sitzen. Bislang wurde jedoch keiner von ihnen verurteilt. Drei der Inhaftierten besitzen ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft.

Österreichischer Journalist in Türkei festgenommen

Unterdessen wurde am Mittwoch in Ankara ein österreichischer Journalist unter dem Vorwurf des "Terrorismus" verhaftet. Der Mitarbeiter des linksradikalen "re:volt magazin" veröffentliche unter anderem Beiträge über die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) protestierte gegen die Festnahme. Die österreichische ROG-Vorsitzende Rubina Möhring erklärte: "Andere politische Meinungen dürfen nicht Grundlage für Verhaftungen oder Einschüchterungen sein! In der Türkei passiert das gerade aber zunehmend." Der Österreicher müsse umgehend freigelassen werden.

Das Außenministerium in Wien bestätigte die Festnahme und teilte mit, die österreichische Botschaft in Ankara stehe in Kontakt mit den türkischen Behörden und den Angehörigen des Mannes.

cop/Reuters/AFP

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