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Türkei: Polizei fasst mutmaßliche Schleuser des ertrunkenen Jungen

Die Bilder des kleinen Jungen, der ertrunken an einem türkischen Strand gefunden wurde, sorgten in ganz Europa für Trauer. Jetzt wurden vier seiner mutmaßlichen Schleuser festgenommen.

Polizist mit dem toten Jungen: Der Mann trägt das Kind vom Strand Zur Großansicht
AP

Polizist mit dem toten Jungen: Der Mann trägt das Kind vom Strand

In der türkischen Stadt Bodrum hat die Polizei nach Angaben türkischer Medien vier aus Syrien stammende Männer festgenommen. Sie werden verdächtigt, die Schleuser der Familie zu sein, deren rund dreijähriges Kind tot an einem türkischen Strand entdeckt wurde. Das berichteten die türkischen Nachrichtenagentur Dogan und DHA am Donnerstag. Die Männer sollen für den Tod von insgesamt zwölf Flüchtlingen verantwortlich sein. Ihnen werde vorgeworfen, den Tod mehrerer Menschen verursacht zu haben.

Das Foto des toten Alan Kurdi hatte ganz Europa erschüttert. Die Familie wollte offenbar nach Kanada auswandern. Doch beide Söhne und die Mutter ertranken im Meer.

Der Vater des ertrunkenen Flüchtlingskindes schilderte dem oppositionellen syrischen Radiosender Rosana FM den Tod seiner Familie. Das Boot sei auf der Fahrt von Bodrum zur griechischen Insel Kos bei hohem Wellengang gekentert, sagte Abdullah Kurdi. "Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch. Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten."

Weinend fügte der Vater hinzu, dass trotz seiner Bemühungen auch der andere Sohn gestorben sei. Als er sich dann um seine Ehefrau habe kümmern wollen, habe er sie tot vorgefunden. "Danach war ich drei Stunden im Wasser, bis die Küstenwache ankam und mich rettete."

Er habe den Schleusern 4000 Euro für die Überfahrt seiner Familie gezahlt. Der Menschenschmuggler an Bord sei nach Beginn des hohen Wellengang ins Wasser gesprungen, um sich in Sicherheit zu bringen, und habe die Flüchtlinge alleine gelassen.

Erdogan kritisiert EU

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte derweil die Flüchtlingspolitik der EU heftig. Die Europäische Union habe das Mittelmeer zu einem "Flüchtlings-Friedhof" gemacht, sagte er in Ankara. Die EU-Staaten trügen eine Mitverantwortung für den Tod unzähliger Menschen. "Es sind nicht nur die Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken. Es ist auch unsere Menschlichkeit."

"Die europäischen Länder, die das Mittelmeer in einen Flüchtlingsfriedhof verwandelt haben, sind mit verantwortlich für jeden einzelnen gestorbenen Flüchtling", sagte Erdogan bei einer Rede vor Geschäftsleuten aus Anlass des am Freitag stattfindenden Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der G-20-Staaten in der türkischen Hauptstadt.

Erdogan nahm auch Stellung zu dem ertrunkenen Jungen. "Die Leiche eines dreijährigen Kindes wurde an unserer Küste angespült. Muss nicht die gesamte Menschheit dafür verantwortlich gemacht werden?"

als/AFP/dpa

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