"Operation Olivenzweig" Türkei nimmt Hunderte Gegner der Syrienoffensive fest

Im Januar startete die Türkei die Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien. Seither hat sie 786 eigene Bürger festgenommen. Dabei hatten sie bloß demonstriert oder in sozialen Medien Kritik geäußert.

Demonstration in Istanbul
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Demonstration in Istanbul


Die Türkei bekämpft seit etwa einem Monat die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien. Die sogenannte "Operation Olivenzweig" stößt nicht nur bei türkischen Regierungsanhängern auf Zustimmung, sondern auch bei Oppositionellen, die sonst wenig mit dem Kurs von Präsident Recep Tayyip Erdogan anfangen können. Wer sich trotz dieses nationalistischen Taumels gegen die Militäroffensive ausspricht, muss die türkischen Behörden fürchten.

In den vergangen vier Wochen wurden insgesamt 786 Menschen in der Türkei wegen "Terrorpropaganda" festgenommen. 587 davon seien in dem Zeitraum wegen Äußerungen in den sozialen Medien in Gewahrsam genommen worden, teilte das Innenministerium mit. Der Rest sei festgenommen worden, weil sie an Protesten teilgenommen hätten.

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Türkische Offensive: Mit "Leopard"-Panzern gegen Kurden

Die türkische Armee hatte am 20. Januar eine Offensive gegen die kurdische Miliz YPG in deren nordsyrischen Enklave Afrin begonnen. Dabei kommen auch deutsche "Leopard"-Panzer zum Einsatz. Die Kurden werfen dem türkischen Militär vor, auch Giftgas einzusetzen. Ankara dementiert diese Behauptung.

DER SPIEGEL

Die komplexe Lage hat nun zu einem überraschenden Bündnis geführt. Die Kurden wollen sich im Kampf gegen die Türkei mit den Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad verbünden, einem Intimfeind Erdogans.

Nach einem bislang unbestätigten Bericht des syrischen Staatsfernsehens steht ein Einmarsch der Assad-Truppen in die Kurdenenklave unmittelbar bevor. "Volkskräfte werden binnen Stunden in Afrin eintreffen, um den Widerstand des Volkes gegen den Angriff des türkischen Regimes zu unterstützen", hieß es. Der türkische Außenminister erklärte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, sollte diese Ankündigung umgesetzt werden, sei die Armee Ankaras "unaufhaltbar".

Die Türkei betrachtet die mit den USA verbündete Miliz YPG als syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Die PKK steht in der Türkei, der EU und den USA auf der Terrorliste.

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Operation "Olivenzweig": Gefechte an der Grenze zu Syrien

dop/dpa/Reuters/AFP

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